Weihbischof Schwaderlapp: "Habe dem Papst meinen Amtsverzicht angeboten"

Kölner Weihbischof nach Veröffentlichung von Missbrauchsgutachten vorläufig freigestellt

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp.
Foto: EWTN.TV

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hat eine Erklärung zum heute veröffentlichten Missbrauchsgutachten veröffentlicht. In der Stellungnahme des Weihbischofs, die CNA Deutsch hier im Wortlaut dokumentiert, schreibt Schwaderlapp, dass er "ernste Versäumnisse" bedauere, die er zu verantworten habe.

Am Donnerstagmittag hatte der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, angekündigt, dass der Weihbischof und mit ihm auch der Offizial des Erzbistums, Günter Assenmacher, "vorläufig freigestellt" werden (CNA Deutsch hat berichtet). Aus den Ausführungen von Björn Gercke sei ersichtlich geworden, dass beide in ihren jeweiligen Ämtern im untersuchten Zeitraum Fehler im Umgang mit Missbrauchstätern gemacht hätten. Bis zur Klärung dieser Vorwürfe seien Schwaderlapp und Assenmacher von ihren jeweiligen Aufgaben entbunden.

"Zu wenig und nicht systematisch und entschieden genug"

In seiner kürzlich veröffentlichten Stellungnahme schreibt Schwaderlapp, dass das Gutachten zeige, dass er mit den anderen damals Verantwortlichen "an so manchen Stellen (...) entschiedener, koordinierter und wirksamer gegen Täter vorgehen" hätten müssen. Viele Täter hätten ihren priesterlichen Dienst ausgenutzt haben, um anvertraute Menschen zu missbrauchen.

Die Kanzlei "Gercke & Wollschlägel" habe, so Schwaderlapp, mit "großer Umsicht und Sorgfalt" die Vorgänge untersucht und auf persönliche wie systeminhärente Risiken und Versäumnisse überprüft. "Dabei wurde auch mein Handeln als Generalvikar von 2004-2012 bewertet, im Blick auf staatliche und kirchliche Gesetze und Leitlinien. Die Untersuchung hält ernste Versäumnisse fest, die ich zu verantworten habe", schreibt der Weihbischof. "'Zu wenig und nicht systematisch und entschieden genug', so könnte man vielleicht zusammenfassen." Schwaderlapp wörtlich:

"Das betrifft zum einen meine Pflicht, zu kontrollieren und Aufsicht auszuüben. So fiel es auch in meine Verantwortung zu überprüfen, ob Missbrauchsfälle der Ordnung entsprechend nach Rom gemeldet wurden. Tiefer noch beschämt mich, zu wenig beachtet zu haben, wie verletzte Menschen empfinden, was sie brauchen und wie ihnen die Kirche begegnen muss. Das ist ein Versagen als Seelsorger und als Mensch."

Als "Bischof, Priester und gläubiger Mensch" erkenne er sein "Ungenügen" an, schreibt der Geistliche weiter. "Die Menschen, denen ich nicht gerecht wurde, bitte ich an dieser Stelle aufrichtig um Verzeihung, auch wenn ich weiß, dass Geschehenes nicht ungeschehen gemacht werden kann".

Zwar halte ihm die Untersuchung auch "einige entlastende Momente zugute und gesteht mir auch an manchen Stellen Verbesserungen zu" - dies jedoch, so der freigestellte Weihbischof, wiege "d ie Fehler nicht auf, weist aber den Weg, den das Erzbistum in Zukunft weiter beschreiten muss".

Schwaderlapp: Habe dem Papst meinen Amtsverzicht angeboten

Schwaderlapp stellt sich in seinem Schreiben auch die Frage, ob er unter diesen Voraussetzungen weiter seinen Dienst als Weihbischof ausüben kann und teilt daher mit, dass er dem Papst in Rom einen Amtsverzicht angeboten hat.

"Ich kann nicht Richter in eigener Sache sein", so der Weihbischof, weshalb er Papst Franziskus um sein Urteil bitte.

Die komplette Pressekonferenz mit anschließender EWTN-Sondersendung:

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