Wie es ist, ein angehender Priester der chinesischen Untergrundkirche zu sein

Die Flagge der Volksrepublik China
Foto: Gemeinfrei via Pixabay
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Wang Jie (Name von der Redaktion geändert) ist Seminarist und Diakon der chinesischen Untergrundkirche. Er hat mehrere Jahre in Europa studiert. Aus Sicherheitsgründen muss er seinen richtigen Namen verbergen: Die chinesischen Behörden würden ihn nicht wieder in sein Land einreisen, wenn sie herausfinden sollten, dass er zum katholischen Priester ausgebildet wird.

Gegenüber Journalisten schilderte der Seminarist nun seinen Lebensweg. Er wurde in China geboren, "in einem Gebiet, in dem die meisten Menschen Heiden sind". Keines seiner Familienmitglieder war katholisch, und tatsächlich hatten seine Eltern "noch nie das Wort 'Christentum' auch nur gehört".

Aber eines Tages wurde seine Mutter krank. Auf der Suche nach medizinischer Hilfe suchten sie ein Gebäude auf, auf dem ein Kreuz abgebildet war. Was sie für eine medizinische Klinik hielten, entpuppte sich als Kirche, in der sie eine Nonne empfing – und ihnen prompt half.

Nachdem sich seine Mutter erholt hatte, kehrten Wangs Eltern zurück, um der katholischen Ordensfrau für die Fürsorge zu danken.

"Dann begann die Nonne allmählich mit ihnen über den Glauben, über Christus zu sprechen. Meine Eltern waren sehr interessiert und nach einiger Zeit traten sie zum Katholizismus über", sagte er. "Wir betrachten das ganze als ein Wunder, dass wir so den Glauben kennengelernt haben. Gott hat uns zu seinem Haus geführt."

In gewisser Weise war die Bekehrung auch eine natürliche, so der Seminarist, denn seine Eltern praktizierten bereits Nächstenliebe und versuchten, anderen zu helfen, wo immer sie konnten. Als Wangs acht Jahre alt war, wurde die ganze Familie getauft.

Wangs Familie schloss sich der katholischen Kirche an, die im Untergrund wirkt. Diese kann ihren Glauben nicht offen ausüben, da die Regierung nur "Patriotische Vereinigung" anerkennt, die direkt von der Kommunistischen Partei kontrolliert wird.

Als Wangs Mutter wieder schwanger wurde, standen sie vor dem Problem, dass die damals noch betriebene Ein-Kind-Politik Familien verbot, ein zweites Kind zu bekommen. Als Katholiken weigerten sich seine Eltern jedoch, das Baby abzutreiben. Sie suchten nach einer anderen Lösung – und fanden sie.

"Als meine Schwester geboren wurde, vereinbarten wir mit einer Familie, die gerade auch ein Kind bekommen hatte, die beiden als Zwillinge zu registrieren. Tatsächlich führt meine Schwester nicht meinen Nachnamen, sondern den der anderen Familie", so Wang.

Schließlich freundeten sich seine Eltern mit einem Priester an, der Rektor eines Priesterseminars war. Dieser schilderte, dass die Seminaristen alle drei oder vier Monate umziehen mussten, um nicht von den Behörden entdeckt zu werden.

"Meine Eltern boten ihnen unser Haus an, sie konnten im Erdgeschoss wohnen und wir im Dachgeschoss", erzählte Wang.

In den nächsten 10 Jahren lebten immer wieder Seminaristen zeitweise im Erdgeschoss des Hauses. Von diesen beeindruckt, vernahm Wang schließlich selber seine Berufung zum Priester.

Schlüsselerlebnis war für ihn dabei, wie er eines Tages einen Seminaristen dabei begleitete, einige Stunden Unterricht im Katechismus der Katholischen Kirche zu geben.

"Als ich nach Hause zurückkehrte, war es, als hätte etwas mein Herz in Flammen aufgehen lassen. So sagte ich meinen Eltern, dass ich Priester werden wollte. Ich hatte diesen Samen einer Berufung in meinem Herzen", sagte er. "Jetzt bin ich Diakon und kann gar nicht die tiefe Freude in Worte fassen, die ich in meinem Herzen verspüre."

Obwohl er derzeit in Europa studiert, hat Wang den Wunsch, so schnell wie möglich nach China zurückzukehren, um dort das Evangelium zu predigen.

Das Leben als chinesischer Katholik ist schwierig. Die heilige Messe wird in Familienhäusern gefeiert, und die Menschen müssen darauf achten, nicht ausdrücklich über ihren Glauben zu sprechen, denn die Behörden könnten zuhören. Doch das Leben mit dem Risiko der Verhaftung lohnt sich, sagte Wang, denn "wir wollen die Wahrheit. Das ist es, was man trotz der Kosten tun muss".

So wird die Einreise in der Heimat zu einem Moment der Gefahr: Die Behörden dürfen nicht entdecken, dass er katholischer Seminarist ist.

"Wenn ich bei der Einreise in der Schlange stehe, und den Pass in meinen Händen habe, fange ich an, zur Jungfrau zu beten: 'Meine Mutter, hilf mir. Meine Mutter, hilf mir'. Und alles ist immer gut gelaufen, auch wenn die Gefahr echt groß ist. Gott hilft mir immer", sagte er.

Mit Blick auf das umstrittene Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Regierung, das unter anderem eine Eingliederung der Untergrundkirche in die Patriotische Kirche leisten soll, ist der Seminarist sehr vorsichtig und betont die Wichtigkeit der Einheit der Kirche und des Gehorsams.

"Es gibt einige, die sagen, dass das Abkommen gut ist, und andere, die das nicht denken. Aber vor allem müssen wir viel beten und dem folgen, was die Kirche sagt, denn der Teufel will die Kirche spalten und weiß, wie man es macht", sagte Wang.

Wang Jie studiert und erhält derzeit eine Priesterausbildung in Europa dank der Fundación Centro Académico Romano de Formación. Dieses "Stiftungszentrum für Akademische Ausbildungszentrum in Rom" vergibt Stipendien an Seminaristen und Priester aus bedürftigen Diözesen aus der ganzen Welt, damit sie an der Universität Navarra, Spanien beziehungsweise der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom eine Ausbildung erhalten, um später in ihre Diözesen zurückzukehren.

Das könnte Sie auch interessieren:

;

Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten der jeweiligen Autoren wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.