Wie gefährlich ist Yoga wirklich?

Illustration
Foto: Jose Vazquez / Unsplash (CC0)

"Ich zeichne für dich exklusiv und live in fünf Minuten ein Speed-NEURODINGS® Bild, während du von dir erzählst, was dich beschäftigt oder belastet. Du erhältst durch dieses Bild eine Botschaft für dich aus deinem Unterbewussten." – Das, was die Website von "Neurodings" verspricht, ist eine "neurokreative Zeichenmethode, mit der du Kreativität und Einfallsreichtum anregst".

Diese und weitere Anbieter, die sich auf eine Mischung aus Esoterik, fernöstlichem Spiritismus und Parapsychologie stützen, haben derzeit einen enormen Zulauf. Dieser Trend ist ein Indiz dafür, wie sehr Menschen danach dürsten, einen guten Umgang mit ihren Gefühlen, mit ihrer Angst und mit dem zunehmenden Stress zu finden. Auch bei kirchlichen Stellen finden solche Angebote Anklang.

"Energetische Hintergründe"

Im Fall von "Neurodings®" gibt die Erfinderin Sylvia Grübl an, dass mit der von ihr entwickelten Methode "im Gehirn neue Synapsen, und damit neue Denkmuster" ausgebildet würden. Dadurch würden "neurokreativer Bilder sichtbar" und neue "Gedankenverbindungen", ein "Neuronengeflecht" entstehen. Dies wiederum führe zu neuen "Denkweisen" und "Handlungsweisen", sowie zu "neuen Erfahrungen und neuen Emotionen und Gefühlen".

Ziel sei es, dass Menschen dadurch "veränderte Einstellungen" ausbilden. Wörtlich verspricht sie:

"Mut statt Angst. Zuversicht statt Zweifel. Freude statt Frust, Liebe statt Einsamkeit. Vertrauen statt Misstrauen. Erfolg statt Misserfolg."

Nach eigenen Angaben arbeitet Sylvia Grübl schon seit 20 Jahren als Therapeutin. In dieser Zeit habe sie sich auch um die "tierischen Lieblinge" ihrer Klienten gekümmert. Dabei habe sie "energetische Hintergründe der Symptome" von Haustieren herausgefunden und daraus "alternativen Methoden" zur Tierheilung angewendet. Davon ausgehend hat sie damit begonnen, Kurse für "Tierkinesiologie oder Tierkommunikation" anzubieten.

Yoga als "das große Nichts"

Klaus Bucher ist Dekan des Dekanats Günzburg und als Pfarrer Leiter der Pfarreiengemeindschaft von Breitenthal (Bistum Augsburg). Bucher warnt davor, solche Phänomene und Anwendungen auf die leichte Schulter zu nehmen. Selbst Yoga sei mit Vorsicht zu genießen.

"Ich habe einmal Yogaübungen unter Anleitung mitgemacht und das war zunächst eine gute Erfahrung", berichtet der Priester gegenüber CNA Deutsch. "Stress, Verspannungen und so weiter lösen sich. Und da ich ja meinen Körper gesund halten soll, dachte ich, schaden kanns ja nicht."

Als er sich jedoch dann wenig damit beschäftigt habe, habe er jedoch festgestellt, dass es nicht nur ums "Runterkommen des Körpers" gehe, sondern auch "um das Hochsteigen des Geistes auf eine spirituelle Ebene – sozusagen ums 'große Nichts'". Bucher erklärt, dass das Ziel von Yoga als Bestandteil des hinduistischen Systems vor allem die "spirituelle Vereinigung mit der universalen Energie" sei. Diese werde als Erlösung verstanden. Davor warnt der katholische Geistliche:

"Und dieses Verständnis schadet dann doch, denn im Letzten geht es da um das erste Gebot: Erlösung gibt es nur durch den Erlöser. Die Lösung von Sünde, Schuld, Missgunst, Neid, Krankheit und allem Gift des Lebens ist das Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist. Sein Sieg führt in die Freiheit."

Natürlich sei eine gesunde Lebensweise und ausreichend Sport für jeden Menschen wichtig, damit der Körper gesund bleibt und die Seele einen Ausgleich erfährt. "Wir brauchen eine gute Balance zwischen Schaffen und Loslassen können und zur Ruhe kommen", fährt Klaus Bucher fort. "Für den Körper habe ich dann die fünf Säulen von Pfarrer Kneipp doch als sinnvoller erlebt, als das Schielen über den fernöstlichen Gartenzaun."

Die Sakramente als Riesenschatz für die Seele

Für die Seele gäbe es da immer noch einen "Riesenschatz" neu zu heben, betont der Augsburger Diözesanpriester. Wörtlich sagte er gegenüber CNA Deutsch:

"Zuerst die Sakramente und die Sakramentalien und dann eine gigantische Fülle von Glaubenserfahrungen großer Christen, geistliche Wege und vielfältige Gebetsformen. Wer schon einmal aufgewühlt einen Rosenkranz zu beten begonnen hat und sich gezwungen hat, bis zum Ende zu beten, wird festgestellt haben, dass er ruhiger geworden ist. Und gegen eine halbe Stunde vor dem Allerheiligsten ist effektivste Wellness für Seele und Körper."

Einsamkeit, Frust, Angst und Zweifel könnten einem Menschen natürlich zu schaffen machen, räumt Bucher ein. Jedoch seien Mut, Zuversicht, Freude und Liebe die "Früchte des Heiligen Geistes, die mir der Glaube schenkt".

Es braucht auch keine esoterische Medidation, um zu neuen "Denk- und Handlungsweisen" zu kommen. "Dazu ruft mich das Evangelium mit dem eher unangenehmen Begriff 'Umkehr' auf", sagt Pfarrer Bucher. "Und da fällt mir dann relativ schnell der Beichtstuhl ein, den ich dazu regelmäßig frequentiere. Aber wer damit nichts mehr anfangen kann, wird die Lösung seiner Probleme vielleicht in solchen Angeboten suchen. Denn eine Ersatzreligion braucht der Mensch."  

Esoterische Angebote in kirchlichen Einrichtungen: Eine Verzweiflungstat?

Offenbar hat die Gründerin von "Neurodings®" auch Anhänger in Klöstern gefunden. So bietet die Zisterzienserin Schwester Christa Bauer aus dem Vorarlberger Kloster Mariastern im Dezember zwei "Bibelworkshops mit Neuroding" an. Mit "neurokreativem Zeichnen" will sie "Bewegung ins Leben" der Kursteilnehmer bringen und ihre "Kreativität im Leben mit der Bibel entfalten". Vorkenntnisse seien nicht erforderlich. Auch nicht für den zweiten Kurs eine Woche später. Hier lautet das Thema "Mein Engel im Advent".

Der Günzburger Dekan Klaus Bucher sieht die Entwicklung, dass auch immer mehr kirchliche Einrichtungen esoterische Angebote ins Programm nehmen, sehr kritisch. "In jedem Fall sollte, wenn 'katholisch' drauf steht, schon auch 'katholisch' drin sein", meint der Priester. Wörtlich sagte er gegenüber CNA Deutsch:

"Wenn über neue Formen Wege zur Botschaft Christi geöffnet werden, mag das ja gut sein. Aber viele Überzeugungen im Hinduismus oder im Buddhismus sind halt nicht mit dem Christentum kompatibel. Vielleicht 'ziehen' die klassischen christlichen Themen nicht mehr so. Und da so ein Exerzitienhaus natürlich auch finanziell über die Runden kommen muss, könnte ich mir vorstellen, dass das schon auch Gründe für manche seltsamen Angebote sind."

Manchmal habe aber auch "die große geistliche Tradition der eigenen Ordensgemeinschaft ihre Kraft verloren", weshalb viele Klöster aus Verzweiflung und Orientierungslosigkeit beginnen, "über den fernöstlichen Gartenzaun zu schielen", so Bucher weiter.

Am Ende stehe bei den Yoga-Übungen im Klostergarten "die Lourdesgrotte dann etwas verloren da, wo eine Buddhafigur aus dem Baumarkt viel besser passen würde".

Das könnte Sie auch interessieren: