Wie soll der "verbindliche synodale Weg" weitergehen? 69 Bischöfe beraten in Fulda

Nuntius Eterovic erinnert in Grußwort an mahnende Worte von Papst Franziskus – Kardinal Marx: Kein "Stoppschild" aus Rom

Kardinal Reinhard Marx und der Generalsekretär der deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer SJ (links).
Foto: EWTN.TV
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Am ersten Tag des Bischofstreffens, bei dem über den "Synodalen Weg" beraten wird, hat Kardinal Reinhard Marx erklärt,der "verbindliche Synodalen Weg" werde in Deutschland stattfinden, nachdem er mit Papst Franziskus und Kardinal Marc Ouellet im Vatikan "klärende Gespräche" geführt habe.

"Es gibt kein Stoppschild aus Rom", sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz wörtlich zum Auftakt des Herbsttreffens am heutigen Montag. 

Die Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz findet noch bis zum 26. September in Fulda statt. Verhandelt werden sollen – neben dem "verbindlichen Synodalen Weg" in Deutschland, eine Entschädigung für Opfer sexueller Gewalt sowie die kommende Amazonas-Synode, zu der Kardinal Marx als Teilnehmer eingeladen ist.

Der Apostolische Nuntius des Papstes in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, hat am ersten Tag als Gast in Fulda teilgenommen. In seinem Grußwort an die deutschen Bischöfe unterstrich er mit deutlichen Worten die Mahnungen von Papst Franziskus in dessen Schreiben an die deutschen Katholiken.

Wie deutlich Erzbischof Eterovic wurde, zeigt auch, dass der Nuntius an ein anderes historisches Schreiben eines Papstes an die Katholiken in Deutschland erinnerte: Die Enzyklika Mit Brennender Sorge.

"Als Vertreter des Heiligen Vaters in Deutschland freue ich mich darüber, dass der Inhalt des Päpstlichen Schreibens Gegenstand des Studientags während dieser Vollversammlung sein wird", so Eterovic. Er zweifle zwar nicht, dass der Brief des Papstes "den sogenannten Synodalen Weg positiv beeinflussen" werde, schreibt der Nuntius.

"Auch wenn man anerkennen muss, dass noch über die konkrete Bedeutung des Synodalen Weges diskutiert wird und darüber, wie er sich entwickeln wird, so stellt der Papst fest: 'Es handelt sich im Kern um einen synodos, einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes. Das aber bedeutet, sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche unter dem Licht des Heiligen Geistes, unter seiner Führung'", zitiert der Botschafter des Vatikans den Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland 

Das Schreiben des Heiligen Vaters verdiene besondere Aufmerksamkeit, so Eterovic:

"Es ist tatsächlich das erste Mal nach der Enzyklika Pius‘ XI. Mit brennender Sorge, dass der Papst den Gliedern der katholischen Kirche in Deutschland ein eigenes Schreiben widmet."

Der Unterschied zwischen den beiden Dokumenten sei groß:

"Die Enzyklika vom 14. März 1937 prangert die unzulässigen Eingriffe des nationalsozialistischen Regimes in die Angelegenheiten der Katholischen Kirche an, während das aktuelle Schreiben innerkirchliche Themen aufgreift."

Er danke Gott dafür, dass die Beziehungen zwischen der Kirche und der Bundesrepublik Deutschland sehr gut seien und daher kein Eingreifen seitens des Heiligen Stuhls nötig ist.

"Aus den Worten des obersten Pontifex folgt klar und deutlich, dass die Finalität des Synodalen Weges die Evangelisierung sein muss", so Eterovic weiter.

Für die Wirksamkeit der Evangelisierung sei die Einheit zwischen Universalkirche und Teilkirchen wesentlich.

"Es ist besonders in diesen Zeiten "starker Fragmentierung und Polarisierung sicherzustellen, dass der Sensus Ecclesiae auch tatsächlich in jeder Entscheidung lebt, die wir treffen, und der alle Ebenen nährt und durchdringt. Es geht um das Leben und das Empfinden mit der Kirche und in der Kirche, das uns in nicht wenigen Situationen auch Leiden in der Kirche und an der Kirche verursachen wird."

"Allerdings kann die in dieser Zeit geforderte Evangelisierung nicht auf das reduziert werden, was Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) "billige Gnade" nennt, sondern braucht, um in seinen Worten zu bleiben, die er durch sein heroisches Zeugnis beglaubigt hat, die Suche nach der "teuren Gnade". Im Jahr 1937 zum Beispiel schrieb Bonhoeffer: "Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf geht heute um die teure Gnade" (Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge, Kapitel 1). Mit Blick auf die Notwendigkeit der christlichen Botschaft stellt Papst Franziskus fest: "Voll Bewunderung steht man vor den Möglichkeiten, die der Herr eingesetzt hat, um mit seinem Volk ins Gespräch zu kommen, um sein Geheimnis allen zu offenbaren, um die Leute mit so erhabenen und so anspruchsvollen Lehren zu faszinieren".

Die deutschen Bischöfe haben also jede Menge Gesprächsstoff, wie und warum der angekündigte "verbindliche Synodale Weg" nun beschritten werden soll.

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