Auferstanden aus Ruinen: 800 Jahre nach seiner Gründung blüht Kloster Maria Engelport

Acht Jahrhunderte Klostergeschichte: Maria Engelport im Flaumbachtal (Bistum Trier)
Foto: AC Wimmer / CNA Deutsch
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31 December, 2020 / 8:52 AM

Das Foto passt in unsere Zeit: Touristen in fescher Ausflugsmontur posieren vor der romantischen Kulisse einer Klosterruine im malerischen Flaumbachtal des Hunsrück. Vorne lächeln die modernen Menschen, jung, hübsch und gesund wie Instagram-Models, dahinter liegen die moosbewachsenen Trümmer und Steine. 

Doch das Bild ist schon viele Jahrzehnte alt. Die Menschen auf dieser frühen Schwarzweiß-Fotografie sind längst tot – und es sind die Ruinen, die mittlerweile "auferstanden" sind. In den 800 Jahren Klostergeschichte nicht zum ersten Mal: Seit der Engelerscheinung des Edelherren Emelricus von Monreal im Jahr 1220, mit der alles seinen Anfang nahm, gab es hier – in Maria Engelport – insgesamt vier Neugründungen, wie Kanonikus Richard von Menshengen in seiner Jubiläumsschrift "Ein Zeichen, das Hoffnung schenkt" erzählt. 

Die Schrift und die alte Fotografie sind Teil einer beeindruckenden Dauer-Ausstellung im Kloster Engelport. 12 Schautafeln des Heimatforschers Norbert Pies erzählen die Geschichte des Ortes, weitere Dokumente und Glasvitrinen voller Gegenstände sind zu entdecken, gleich neben dem schönen neuen Cafés, das im Wendelinushof der Zeit nach der Pandemie harrt. Der Hof schmiegt sich an das Ensemble um die schiefergedeckte Anlage von Kirche und Konvent – auch heute malerisch zwischen dem plätschernden Flaumbach und den bewaldeten Hängen dieser Hügellandschaft gelegen, nicht weit vom rheinland-pfälzischen Treis-Karden an der Mosel.

Dort, wo einst die Trümmer lagen, stehen heute wieder die  Mauern von Kloster Engelport. Und seit 2013 blüht in dieser Anlage auch wieder das katholische Leben: Die nicht-klausurierten, jungen Anbetungsschwestern des Königlichen Herzens Jesu ziehen mit ihrem Gebet und benediktinisch geprägten Leben, ihrem überirdisch schönen Gesang ebenso immer mehr Berufungen wie Gäste der Hotellerie an – so wie die Priester vom Institut Christus König und Hohepriester immer mehr Pilger und Gläubige aus der Region mit ihrer würdigen Feier der heiligen Messe und Andachten, ihren Predigten und dem Angebot der Beichte nach Engelport ziehen. 

Für das Bistum Trier, das wie alle deutschen Bistümer mit den Auflösungserscheinungen der Volkskirche ringt, ist ein blühendes Kloster wie Engelport ein besonders wertvoller, zunehmend wichtiger Ort lebendigen Glaubens: Auch Bischof Stefan Ackermann hat die Anbetungsschwestern und das Kloster zum großen Jubiläum besucht und deren Rolle gewürdigt. Kanoniker helfen mittlerweile auch mit der Feier der heiligen Messe in Trier aus, und zum Fest der Gottesmutterschaft Mariä hielt Ackermann am Sonntag, dem 11. Oktober im Kloster eine feierlihe Rosenkranzandacht, spendete einen sakramentalen Segen. 

In seiner Predigt würdigte der Bischof die Gottesmutter als "Gegenentwurf" zur Mentalität des "Machens": Maria stehe dafür, sich die Offenheit für die Wege Gottes und des Lebens zu bewahren. "Sie ist bereit aufzunehmen, was auf sie zukommt", nämlich den Empfang und die Geburt Jesu, so der Trierer Hirte.

"Ich wünsche diesem Ort, dass Menschen von Maria lernen und hin zu einem lebendigen Gott geführt werden", sagte der Bischof abschließend.

Diesem frommen Wunsch entsprechend ist für das Jahr 2021 und darüber hinaus ist viel geplant. Neben dem Gebet und dem Arbeitsalltag im Kloster gilt das auch für das Kirchengebäude: Im renovierten Chorraum soll unter anderem ein Isenheimer Altar seinen würdigen Platz finden, den Prinzessin Biron von Curland geschaffen und gestiftet hat.

Hier findet der Pilger auch das Engelporter Gnadenbild aus der Kölner Schule (1420) und weitere Schätze – etwa die Anna Selbdritt auf einem Seitenalter der Klosterkirche. 

So beginnt dieses neue Jahr – das 801. für Engelport –  in wenigen Stunden. Im Kloster werden die Kanoniker das heilige Messopfer in der Außerordentlichen Form des Römischen Ritus feiern; die Schwestern der Anbetung werden in der Eucharistie singen, danken und beten – gemeinsam mit den Gläubigen, die trotz Pandemie weiter die Messe unter den üblichen Auflagen besuchen können – und alle werden sie im Blick nicht nur die nächsten 12 Monate oder 800 Jahre haben, sondern die Ewigkeit.  

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