Die Versuchung der Fastenzeit

Aschermittwoch
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26 February, 2020 / 7:30 AM

Die Fastenzeit birgt die Gefahr einer ganz besonderen Versuchung: Den Blick auf das Diesseits und sich selbst zu verkürzen. Manchmal reicht er nur noch bis zum eigenen Bauchnabel. Mit neurotischer Nabelschau, auch wenn sie als Askese daherkommt, findet man aber weder zur Ruhe noch zu Gott – geschweige denn zu einem gottgefälligen Leben. Genau das sagt der Papst in seiner Fastenbotschaft für das Jahr 2020.

(Genau das schrieb Franziskus in seinem historischen Brief an die deutschen Katholiken  zum "Prozess" des sogenannten "Synodalen Wegs".)

In der Fastenzeit – im ganzen Leben des Christen – geht es gerade nicht darum, sich einfach auf sich selbst zu konzentrieren. Es geht darum, den Blick zu Gott zu heben und dringend umzukehren.

Ob als Person oder Gesellschaft: Eine verkürzte Sicht, die nur das Diesseits kennt, ist immer auch provinziell – und anfällig für ideologische Versuchung. So wird aus echtem christlichen Fasten ein gut gemeintes, aber letztlich verkürztes "Verzichten" – für die eigene Taille oder "die Umwelt" etwa. Die enorme Weite des katholischen Blicks dagegen schaut weder auf den Nabel noch den Gürtel noch das eigene Vermögen, sondern sie schaut zu Gott und folgt Jesus Christus nach, betont Franziskus in seiner diesjährigen Botschaft.

Wer das nicht tut, verfängt sich schnell in gefährlicher Hybris, warnt bekanntlich Papst Franziskus immer wieder. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria SJ, nennt das "Pelagianismus".

Vor dieser Versuchung – die mehrere Namen hat – want auch Franziskus uns heute zum Start der Fastenzeit. Vor dieser Versuchung haben weitere Päpste immer wieder gewarnt. Benedikt XVI. brachte es in seiner Botschaft zur Fastenzeit 2006 mit der ihm eigenen Eleganz auf den Punkt:

"Wir können unsere Augen nicht verschließen vor den Irrtümern, die im Laufe der Geschichte von vielen begangen worden sind, die sich Jünger Jesu nannten. Von schweren Problemen bedrängt haben sie nicht selten gedacht, man müsse zuerst die Erde verbessern und dann an den Himmel denken."

Es gab immer wieder die Versuchung, so Benedikt warnend – viele Jahre vor jedem "synodalen Prozess" – angesichts drückender Zwänge zu meinen, man müsse zuerst die äußeren Strukturen verändern.

"Für manche wandelte sich so das Christentum in Moralismus, und der Glauben wurde durch das Tun ersetzt. Zurecht bemerkte mein Vorgänger ehrwürdigen Gedenkens, Johannes Paul II.: 'Die Versuchung heute besteht darin, das Christentum auf eine rein menschliche Weisheit zu reduzieren, gleichsam als Lehre des guten Lebens. In einer stark säkularisierten Welt ist 'nach und nach eine Säkularisierung des Heiles' eingetreten, für die man gewiss zugunsten des Menschen kämpft, aber eines Menschen, der halbiert und allein auf die horizontale Dimension beschränkt ist. Wir unsererseits wissen, dass Jesus gekommen ist, um das umfassende Heil zu bringen'".

Gerade zu diesem "ganzheitlichen Heil möchte uns die Fastenzeit führen angesichts des Sieges Christi über alles Böse, das den Menschen unterdrückt", erklärte Benedikt.

"In der Hinwendung zum göttlichen Lehrer, in der Bekehrung zu Ihm, in der Erfahrung seiner Barmherzigkeit durch das Sakrament der Versöhnung werden wir eines 'Blickes' inne, der uns in der Tiefe anschaut und prüft; er kann der großen Zahl und jedem einzelnen von uns wieder aufhelfen. Er lässt allen, die sich nicht in Skepsis verschließen, neu Vertrauen und einen Schimmer der ewigen Seligkeit aufleuchten. Selbst wenn der Hass zu herrschen scheint, so lässt es der Herr doch bereits in unserem Äon nicht an hellen Zeugnissen seiner Liebe fehlen. Maria, 'der lebendigen Quelle der Hoffnung' (Dante Alighieri, Paradiso, XXXIII, 12), vertraue ich unseren Weg durch die Fastenzeit an, auf dass sie uns zu ihrem Sohn führe. Ihr vertraue ich besonders die vielen an, die noch heute Armut erleiden und nach Hilfe, Halt und Verständnis rufen."

Trauen wir uns, die Demut zu haben, in dieser Fastenzeit nicht einfach auf uns selbst zu vertrauen oder uns in diesseitigen Ideologien zu verlieren – sondern den Blick zu heben auf die Ewigkeit, aus der wir kommen, und zu der wir zurückkehren werden. 

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