Wer steht zu Papst und Konzil – und wer nicht?

Überlegungen zu "Traditionis custodes"

Konzilsväter auf dem Petersplatz im Oktober 1961
Foto: Peter Geymayer / Wikimedia (Gemeinfrei)
10 August, 2021 / 10:30 AM

Der bekannte Kirchenrechtler Georg Bier hat sich zu dem kontrovers diskutierten Motu proprio "Traditionis custodes" in einem Interview geäußert und konstatiert: "Das Anliegen von Benedikt XVI. war richtig, aber es hat sich gezeigt, dass sich die Idee, diejenigen, die sich mit dem gegenwärtigen Ritus nicht anfreunden können, auf eine andere Art und Weise im Boot zu halten, nicht bewährt hat, sondern dass es zu Missbrauch dieser liturgischen Großzügigkeit kam, zu Äußerungen gegen das Konzil und gegen den Papst. Er betont seine Enttäuschung, dass es so gekommen ist, und auch sein Bedauern darüber, dass er keinen anderen Weg sieht, als diese Entscheidung wieder rückgängig zu machen." 

Natürlich gibt es unter den Sympathisanten der "Alten Messe" auch Personen, die sowohl die Liturgiereform grundsätzlich ablehnen als auch Vorbehalte gegenüber manchen Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils haben. Falsche Meinungen und objektive Irrtümer haben aber nichts mit der Feier der Liturgie zu tun, so dass die Rede von einem "Missbrauch" der "liturgischen Großzügigkeit" verwundert. In jeder "Alten Messe" – und das wissen die Gläubigen – wird die Treue und Gemeinschaft mit dem Papst auch im Hochgebet ausgedrückt. Wie aber sollten wir umgekehrt dazu stehen, wenn in frei formulierten oder beliebig transformierten Hoch- und Langgebeten der Papst überhaupt nicht mehr erwähnt wird? Wir alle kennen doch die skandalösen, auch vielfach beschriebenen Missbräuche der Liturgie in priesterzentrierten Gottesdiensten des "Novus Ordo". Drückt sich darin etwa die Treue zum Konzil aus? Wird so die Verbundenheit mit der Liturgiereform bekräftigt? Zudem: Wer "Gaudium et spes" liest und dies mit den Überlegungen auf dem "Synodalen Weg" im Forum "Leben in gelingenden Beziehungen" und manchen episkopalen Statements heute vergleicht, sieht auffällige Diskrepanzen. 

In der Pastoralkonstitution heißt es in Abschnitt 50 die naturrechtlich wie theologisch grundierten Passagen über die Ehe und die eheliche Liebe: "Ehe und eheliche Liebe sind ihrem Wesen nach auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft ausgerichtet. Kinder sind gewiß die vorzüglichste Gabe für die Ehe und tragen zum Wohl der Eltern selbst sehr viel bei. Derselbe Gott, der gesagt hat: "Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei" (Gen 2,28), und der "den Menschen von Anfang an als Mann und Frau schuf" (Mt 19,14), wollte ihm eine besondere Teilnahme an seinem schöpferischen Wirken verleihen, segnete darum Mann und Frau und sprach: "Wachset und mehret euch" (Gen 1,28). Ohne Hintansetzung der übrigen Eheziele sind deshalb die echte Gestaltung der ehelichen Liebe und die ganze sich daraus ergebende Natur des Familienlebens dahin ausgerichtet, daß die Gatten von sich aus entschlossen bereit sind zur Mitwirkung mit der Liebe des Schöpfers und Erlösers, der durch sie seine eigene Familie immer mehr vergrößert und bereichert. In ihrer Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben und zu erziehen, die als die nur ihnen zukommende Sendung zu betrachten ist, wissen sich die Eheleute als mitwirkend mit der Liebe Gottes des Schöpfers und gleichsam als Interpreten dieser Liebe."  

Der Verdacht, dass auf dem "Synodalen Weg" etliche Positionen vertreten werden, die dezidiert konzilswidrig sind und einen Dissens mit Papst Franziskus anzeigen, scheint begründet zu sein. Warum also kommen renommierte Kirchenrechtler hierzulande nicht zu der Einschätzung, dass der deutschkatholische "Synodale Weg" ein Bruch mit den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils ist? Wird dadurch – neben allen liturgischen Missbräuchen im "Novus Ordo" – nicht die Einheit mit Rom und dem Papst fundamental gefährdet?

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