Bischof Wilmer: Papst Franziskus will mit neuem Umwelt-Schreiben „aufrütteln“

Bischof Heiner Wilmer SCJ
screenshot / YouTube / Bistum Hildesheim

Papst Franziskus wolle mit seinem Apostolischen Schreiben „Laudate Deum“ zur „Klimakrise“ „aufrütteln“, zeigte sich Bischof Heiner Wilmer SCJ am Freitag überzeugt. Wilmer ist der dritte Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der sich nach dem Vorsitzenden, Bischof Georg Bätzing, und Umwelt-Bischof Rolf Lohmann zu dem Schreiben äußert. Wilmer ist innerhalb der DBK für gesellschaftliche und soziale Fragen zuständig.

„Laudate Deum“ richte acht Jahre nach der Enzyklika „Laudato si’“ den Fokus „entschlossen auf die ‚Klimakrise‘, wie es schon im Titel heißt“, erklärte Wilmer. „‚Klimakrise‘, nicht Klimawandel. Der drängende Ton, der hier angeschlagen wird, bestimmt das gesamte Schreiben.“

Der Pontifex schreibe „differenziert, lässt aber an keiner Stelle zu, dass die Differenzierungen den schonungslosen Blick auf die Wirklichkeit entspannen“, führte der Bischof von Hildesheim aus. „Er wagt eine zugespitzte Zeitdiagnose, die auf Entscheidung drängt.“

Bei aller Bereitschaft, „der Tagesaktualität nicht auszuweichen“, rede das Kirchenoberhaupt indes „nicht als Politiker. Ausführlich spürt er den tieferen Gründen für das Versagen von Politik und Gesellschaft im Kampf gegen die Klimakrise nach.“

„Papst Franziskus plädiert deshalb für eine ‚politische Weltautorität‘, die er aber nicht im Sinne einer Weltregierung verstanden wissen will“, so Wilmer. „Stattdessen sollten die Weltorganisationen – hier ist wohl an die Vereinten Nationen und deren Unterorganisationen zu denken – mit größerer Autorität ausgestattet werden, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen.“

„Das neue Schreiben von Papst Franziskus ist Ausdruck der katholischen Soziallehre, die immer schon sowohl über gesellschaftliche und politische Strukturen als auch über die Verantwortung der Einzelnen nachgedacht hat“, zog Wilmer sein Fazit. „So sehr der Schwerpunkt von Laudate Deum auf den strukturellen Fragen liegt, die von den Individuen und Gruppen nur indirekt beeinflusst werden können, so sehr mahnt der Text doch auch die kleinen Beiträge an, die Menschen überall auf der Welt leisten können, um der Klimakrise etwas entgegenzusetzen.“

„Fürs Erste bleibt der dringende Wunsch, dass die jetzt anstehenden Entscheidungen, etwa auf der COP28, trotz aller Widerstände und Widrigkeiten, trotz aller egoistisch verfolgten Eigeninteressen und trotz aller Neigung zur Wirklichkeitsverdrängung getroffen werden“, schloss der Hildesheimer Bischof. „Mit seinem flammenden Plädoyer hat Papst Franziskus dazu einen Anstoß gegeben. Man kann nur hoffen, dass seine Worte bei den Verantwortlichen Eindruck hinterlassen. Denn die Zeit drängt.“