Bei Lebensrecht „weiterhin um gemeinsame Positionen ringen“: Bischof Gerber bei EKD-Synode

Bischof Michael Gerber spricht bei EKD-Synode am 12. November 2023
Deutsche Bischofskonferenz / Matthias Kopp

Bischof Michael Gerber hat bei der vierten Tagung der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Ulm erklärt: „In manchen Fragen, etwa im Bereich des Lebensschutzes, werden wir auch weiterhin um gemeinsame Positionen ringen müssen.“

Der Fuldaer Oberhirte und stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) betonte in seinem Grußwort, dies sei durch „aktuelle Entwicklungen im Zusammenhang mit einer Neuregelung von § 218 StGB erneut deutlich gemacht“ worden.

Konkret hatte die EKD im Oktober eine Aufweichung des strafrechtlichen Verbots von Abtreibungen beschlossen. In Deutschland gelten Abtreibungen als eine Straftat. Das Gesetz findet jedoch unter bestimmten Umständen keine Anwendung, sodass pro Jahr rund 100.000 Kinder vor ihrer Geburt getötet werden.

„In verschiedenen Stellungnahmen hat die Deutsche Bischofskonferenz auch in jüngster Zeit die Unverfügbarkeit und damit den Schutz des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum Tod bekräftigt“, erinnerte Gerber. „Als Kirchen sind wir gemeinsam gefordert, Menschen in Krisensituationen zu begleiten und zu stärken. Aus meinem persönlichen Erfahrungsfeld möchte ich hier auf das Engagement des Vereins „Kleine Riesen“ in Nordhessen verweisen. Evangelische und katholische Christen unterschiedlicher Profession unterstützen dabei Eltern in der Sorge um schwerstkranke und sterbende Kinder.“

„Wo wir Menschen durch unser Tun konkrete Perspektiven aufzeigen, hilft es ihnen, ‚JA‘ zu sagen zum Leben“, zeigte sich der Bischof überzeugt. Wenngleich es im Blick auf die gesetzlichen Regelungen auch innerhalb der Kirchen unterschiedliche Positionen gibt, sind in unserer Gesellschaft das gemeinsame Zeugnis und der gemeinsame Einsatz für die besonders vulnerablen Menschen von großer Bedeutung.“

„Dies gilt gerade auch für das große Themenfeld Migration und Asyl“, schlug Gerber den Bogen weg vom Lebensschutz im eigentlichen Sinn zu einem anderen Thema. „In diesem Sinne wollen wir den ökumenischen Weg fortsetzen und unsere Verantwortung für eine Gestaltung des Lebens aus dem christlichen Glauben gemeinsam wahrnehmen. Bleiben wir auch angesichts mancher Differenzen im Gespräch, ringen wir miteinander um Positionen im Wissen darum, dass uns mehr verbindet als trennt.“

In seinem Grußwort ging der stellvertretende DBK-Vorsitzende auch auf den Krieg im Heiligen Land ein und verurteilte antisemitische Übergriffe in Deutschland und anderswo. „Ausdrücklich bekräftige ich an dieser Stelle, dass die Deutsche Bischofskonferenz im Wissen darum, dass der Antisemitismus auch in einer Schuldgeschichte des Christentums wurzelt, an der Seite der Juden steht und im Einsatz gegen Antisemitismus nicht nachlassen wird“, fügte er hinzu.

Außerdem sprach Gerber über das Klima sowie Synodalität, wobei eine ganze Reihe von Themen, „die uns seit Jahrzehnten im ökumenischen Diskurs beschäftigen“, bei der von Papst Franziskus lancierten Weltsynode zur Synodalität im Oktober behandelt worden seien, „etwa die Frage nach der eucharistischen Gastfreundschaft“.

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Mit Blick auf den deutschen Synodalen Weg, der über den Synodalen Ausschuss bis 2026 in einen permanenten Synodalen Rat münden soll, sagte der Bischof von Fulda: „Ich bin davon überzeugt, dass die synodalen Prozesse in Deutschland und weltweit zu einer synodaleren und zukunftsfähigeren Gestalt der Kirche führen. Sie stehen im Dienst der Sendung der Kirche, Jesus Christus und seine befreiende Botschaft zu verkünden.“