Redaktion - Montag, 2. Februar 2026, 11:00 Uhr.
Der Landesverband Sachsen-Anhalt der AfD betont im Entwurf zum Wahlprogramm, das im April verabschiedet werden soll: „Gerade weil wir um die Bedeutung des Christentums wissen, greifen wir die Kirchensteuerkirchen an, denn die großen Kirchen schaden dem Glauben.“
„Sie verlieren nicht ohne Grund immer mehr Mitglieder, während sich in vielen kleinen Kirchen und Glaubensgemeinschaften eine wahre Renaissance des Christentums abspielt“, so der Entwurf weiter. „Wir werden Instrumente entwickeln, um diese kleinen Kirchen zu fördern. In Freikirchen, Baptistengemeinden und orthodoxen Kirchen wird ein authentischer und vitaler Glaube praktiziert, der die kulturelle Wende, die wir anstreben, vielfältig unterstützt.“
Vor diesem Hintergrund fordert die AfD in dem ostdeutschen Bundesland auch eine Abschaffung der Staatsleistungen, womit die Kirche weiterhin Jahr für Jahr Gelder erhält, die für die Enteignungen kirchlicher Güter in der Zeit der Säkularisation als Entschädigung dienen – rund 220 Jahre später. „Dies ist auch allein deshalb geboten, weil die großen Kirchen nicht mehr den christlichen Glauben pflegen, sondern die Regenbogenideologie“, so die AfD.
Die AfD in Sachsen-Anhalt stellt klar: „Das Christentum ist nicht nur ein wesentlicher Teil unserer Europäischen Kultur, es bietet auch Halt im Glauben und jenseitige Orientierung. Wer sich zum Christentum und der christlichen Ethik bekennt, handelt nachhaltiger und leistet einen wertvollen Beitrag zu unserem Gemeinwesen. Dass wir die Privilegien der Kirchensteuerkirchen abschaffen wollen, bedeutet nicht, dass wir den christlichen Glauben ablehnen – im Gegenteil.“
Bischof Gerhard Feige von Magdeburg sagte dem Tagesspiegel am Freitag, die Folgen der Abschaffung der Staatsleistungen wären für die Kirche „existenziell“. Konkret gehe es um 20 Prozent des Haushalts der Diözese, der 38 Millionen Euro umfasse, also um 7,6 Millionen Euro jährlich. „Sollte es so kommen, könnten wir Pfarreien, Bildungshäuser, soziale Angebote nicht mehr so betreiben“, warnte der Bischof.
In den meisten Ländern wird die Kirche nicht staatlich unterstützt, sondern muss sich durch Spenden der Gläubigen finanzieren. Nichtsdestotrotz gibt es in diesen Ländern viele blühende Pfarreien und anderweitige kirchliche Einrichtungen. Im Bistum Magdeburg hingegen gab es 1990 nach der Wende noch 192.000 Katholiken, von denen 33.000 auch regelmäßig die Sonntagsmesse besuchten. 15 Jahre später – Bischof Feige hatte gerade sein Amt angetreten – waren es noch 106.000 Katholiken und 18.000 Messbesucher. Zuletzt, im Jahr 2024, lag die Zahl der Katholiken bei unter 70.000, und nur noch 7.000 Personen praktizieren ihren Glauben durch den Messbesuch.
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Direkt auf den ersten Seiten des Wahlprogramms fordert die AfD eine „Willkommenskultur für Kinder“, etwa durch „ein Baby-Begrüßungsgeld in Höhe von 2.000 Euro für die ersten beiden Kinder und von 4.000 Euro für jedes weitere Kind“.
Zum Umgang mit Abtreibungen heißt es: „Bereits in der Schwangerenkonfliktberatung ist den Frauen ein gesondertes schriftliches Verzeichnis der in ihrem konkreten Fall möglichen organisatorischen und finanziellen Unterstützungsleistungen einschließlich der jeweiligen Anlaufstelle zu übergeben.“
Und weiter: „Wir halten an dem gesellschaftlichen Kompromiss fest, wonach die Menschenrechte, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit, auch für ungeborenes Leben gelten. Eine Regelung des Schwangerschaftsabbruchs außerhalb des Strafgesetzbuchs mit allen dazugehörigen politischen Implikationen lehnen wir ab. Gesetzesinitiativen auf Bundesebene werden wir im Rahmen unserer Einflussmöglichkeiten, beispielsweise im Bundesrat, entgegentreten.“
Das Programm spricht auch die künstliche Befruchtung an und fordert finanzielle Unterstützung für derartige Programme. Die katholische Kirche lehnt solche Maßnahmen ausdrücklich ab, weil sie „den Geschlechtsakt vom Zeugungsakt“ trennen. „Der Akt, der die Existenz des Kindes begründet, ist dann kein Akt mehr, bei dem sich zwei Personen einander hingeben“, heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK).
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist für September geplant. Der langjährige Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ist im Januar zurückgetreten, damit sein Nachfolger, Sven Schulz, mit dem sogenannten „Amtsbonus“ in die Wahl gehen kann. Umfragen sehen die AfD jedoch derzeit als mit Abstand stärkste Kraft weit vorn. Eine Regierungsbildung an der AfD vorbei, wie dies 2024 in Thüringen der Fall war, würde so extrem kompliziert.





