Anwalt von Kardinal George Pell fordert Untersuchung von Bestechungsvorwürfen

Kardinal Becciu widerspricht Vorwürfen kategorisch: Er habe in keiner Weise versucht, den Prozess zu beeinflussen – Australiens Nuntius zur Audienz beim Papst

Kardinal George Pell (links) und Kardinal Angelo Giovanni Becciu.
Foto: Alexey Gotovskiy // Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Der Anwalt von Kardinal George Pell fordert laut einem Bericht der "Australian Financial Review" eine behördliche Prüfung des Vorwurfs, dass der Missbrauchs-Prozess gegen Pell durch einen "Rivalen im Vatikan" beeinflusst wurde. Die Zeitung berichtet, dass der renommierte Jurist Robert Richter eine internationale Untersuchung der Überweisungswege durch die zuständigen Behörden fordere.

"Mir geht es nur darum, sicherzustellen, dass die Geldwege ordnungsgemäß verfolgt werden", sagte Pells Anwalt am Montag (Ortszeit) gegenüber der "Financial Review" in einem Telefoninterview. "Diese Berichte erfordern eine ordnungsgemäße Untersuchung durch alle Finanzbehörden, um die Geldströme nach Australien zu überprüfen", so der renommierte Jurist und Kronanwalt weiter.

Becciu hat wiederholt seine Unschuld beteuert, wie CNA Deutsch berichtete, und angekündigt, diese beweisen zu wollen. Auch neuen Vorwürfen aus der italienischen Presse widersprach Becciu "kategorisch". Er habe in keiner Weise versucht, den Prozess zu beeinflussen, so der italienische Kurienkardinal laut einem in der Tageszeitung "The Australian" veröffentlichten Artikel der "Times". Unter Berufung auf den Medien zugespielte Dokumente hatten die italienischen Zeitungen "La Repubblica" und "Corriere della Sera" am Wochenende berichtet, dass die Ermittler des Vatikans den Verdacht hegen, dass Kardinal Becciu versucht haben soll, die Finanzreformen von Pell zu verhindern, weil diese zwielichtige Geschäfte und mutmaßliche Korruption audzudecken drohten. 

Der Pell-Prozess


Tatsächlich war Kardinal George Pell aufgrund der Angaben eines einzigen Zeugen und mutmaßlichen Opfers im australischen Bundesstaat Victoria verurteilt worden, zwei Chorknaben in den 1990er Jahren direkt nach der heiligen Messe in der Kathedrale von Melbourne sexuell missbraucht zu haben. Eines der beiden angeblichen Opfer – mittlerweile verstorben – hatte diesen Vorwurf jedoch bestritten, ebenso wie weitere Augenzeugen. Der australische Prälat war dennoch der ranghöchste katholische Geistliche, der jemals wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war – bevor ihn der Oberste Gerichtshof in Canberra freisprach.

Der Fall erschütterte die Weltkirche wie die australische Justiz, wie CNA Deutsch berichtete.

Nach dem "Rücktritt" Beccius am 24. September hatte Pell dem Papst für dessen Entscheidung gratuliert und gedankt. "Ich hoffe, dass das Ausmisten der Ställe sowohl im Vatikan als auch in Victoria weitergeht", so Pell weiter. Wenig später wurde bekannt, dass Pell nach Rom zurückkehren werde. Am 30. September landete der australische Kardinal in der italienischen Hauptstadt. Ob ein Treffen mit Papst Franziskus stattfindet, ist derzeit noch unklar.

Nuntius beim Papst


Am heutigen Montag hat Papst Franziskus nach Angaben des Vatikans seinen Nuntius in Australien zu einer privaten Audienz empfangen. Erzbischof Adolfo Tito Yllana ist seit 2015 der "Botschafter des Papstes" in Australien – es könnte also durchaus um einen Stellenwechsel oder andere Themen gegangen sein. Weitere Angaben machte der Vatikan nicht. 

CNA und CNA Deutsch haben in den vergangenen Jahren wiederholt recherchiert und berichtet, dass Becciu nicht nur im Mittelpunkt einer Reihe von Finanzskandalen im Vatikan stand - darunter die berüchtigte Londoner Luxusimmobilie und ein bankrottes Krankenhaus - sondern auch im Zusammenhang von Vorwürfen von Geldwäsche.

Papst Franziskus hatte Kardinal George Pell im Jahr 2014 zum Leiter des neu geschaffenen Wirtschafts-Sekretariats ernannt: Der australische Kardinal sollte maßgeblich die Korruption und Misswirtschaft im Vatikan aufräumen helfen. 

Nachdem die Polizei von Victoria im Jahr 2017 gegen Pell Anzeige erstattete – aus Gründen, die später einen gewaltigen Justiz-Skandal auslösten – ließ sich der Kardinal beurlauben, um vor Gericht seine Unschuld zu beweisen.

Wie CNA Deutsch ausführlich berichtet hat, steht Kardinal Becciu Medienberichten zufolge unter Verdacht, sich und seine Familie bereichert zu haben. Außerdem steht Becciu offenbar im Zentrum des notorischen Falls einer Londoner Luxus-Immobilie und weiterer Skandale. 

In seiner Rolle als Sostituto des Staatssekretariates war Becciu wiederholt mit Pell aneinander geraten, als dieser als Wirtschaftspräfekt versuchte, moderne Rechenschafts-Standards und Transparenz einzuführen in das Dickicht des vatikanischen Finanzwesens.

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