Aus Sorge um Einheit: Spanischer Bischof ruft zum Gebet für Kirche in Deutschland auf

Bischof José Ignacio Munilla
Foto: Bischofskonferenz / ACI Prensa

Als Reaktion auf einen angekündigten Segnungstag für gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Deutschland hat der Bischof von San Sebastián die Katholiken zum gemeinsamen Gebet aufgerufen. Die Gläubigen sollten beten, dass die Kirche in Deutschland dem katholischen Lehramt treu bleibe und nicht in Rebellion verfalle, so der spanische Bischof, angesichts der Bestätigung des Vatikans, dass homosexuelle Verbindungen in der Katholischen Kirche weiter nicht gesegnet werden können.

Am 10. Mai wollen Medienberichten zufolge mehrere katholische Seelsorger, darunter die Priester Bernd Mönkebüscher, Burkhard Hose und Carsten Leinhäuser, in einer bundesweiten Aktion homosexuelle Partnerschaften segnen. 

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hatte bereits in einem Interview an Ostern erklärt, Priester in seinem Bistum müssten mit keinen Konsequenzen rechnen, wenn sie sich dem Verbot der Segnung homosexueller Verbindungen widersetzen. Bei einem Presse-Event, unter den Fahnen der LGBT-Bewegung und des "Zentralkomitees deutscher Katholiken", hatte Overbecks Aachener Amtsbruder Helmut Dieser am 27. März eine Unterschriftenliste von zwei katholischen Priestern entgegengenommen und die Klarstellung aus Rom wörtlich als eine "Stellungnahme" bezeichnet, die für "Verärgerung und Irritationen" gesorgt habe. Die ihn begleitende ZdK-Funktionärin Birgit Mock ging noch weiter: Sie bezeichnete die Erklärung aus Rom als nicht vereinbar mit "unserem Menschen- und Gottesbild" und forderte – wie bereits Bischof Georg Bätzing und einige andere deutsche Kirchenvertreter – eine Abkehr von der bisherigen Lehre der Kirche.

Neben den Bischöfen Overbeck, Bätzing und Dieser haben sich zuvor auch Kardinal Reinhard Marx sowie die Bischöfe Franz-Josef Bode, Peter Kohlgraf und Heinrich Timmerevers für einen Segen für homosexuelle Partnerschaften ausgesprochen.

Bischof José Ignacio Munilla Aguirre twitterte am 14. April: "Ich lade Sie ein, sich einer Gebets- und Fastenkette für die Einheit der Kirche in Deutschland und der ganzen Welt anzuschließen. Herr, schenke uns Gemeinschaft in Treue zum Lehramt der Kirche!"

In einer Erklärung gegenüber ACI Prensa, dem spanischsprachigen Nachrichtenpartner von CNA Deutsch, betonte Bischof Munilla, dass "es eine verständliche Sorge im Volk Gottes" über die Situation gebe. Der "Synodale Weg" – bei dem es unter anderem um die Moraltheologie geht – zeige "einen spürbaren Mangel an Einheit in Bezug auf den Glauben der katholischen Kirche", so der Bischof.

"Das ist keine subjektive Einschätzung, wir haben die diesbezügliche Sorge öffentlich von verschiedenen Bischöfen und Kardinälen in der deutschen Kirche gehört; gleichzeitig haben wir erfahren, wie verschiedene Stellen des Heiligen Stuhls versuchen, den Synodalen Weg zu begleiten und zu erhellen", sagte er.

Die Einheit der Katholichen Kirche sei "ein großes Wunder", das zeige, wie "der Heilige Geist seit zweitausend Jahren in der Kirche am Werk ist. Gleichzeitig sei die Einheit "eine große Herausforderung und Verantwortung für uns alle, die wir die Kirche bilden", sagte der Bischof.

Munilla erklärte, dass "bewegt durch den sensus ecclesiae, die spontane Reaktion vieler Gläubiger – besonders der kontemplativen Seelen, die ihr Leben für die Kirche geben – darin bestand, sich dem Gebet und dem Fasten für die Einheit der Kirche hinzugeben."

Der Bischof von San Sebastián bekräftigte die Notwendigkeit, für die Einheit der Kirche zu beten, da "wir es nicht mit einem Kampf auf menschlicher Ebene zu tun haben, sondern mit dem bösen Geist, der die Kirche Christi hasst und sie gespalten sehen will."

Bischof Munilla betonte, dass "die Einheit der Kirche weder durch eine bestimmte ideologische Sensibilität noch durch einen Konsens unter weltlichen Sensibilitäten aufrechterhalten werden kann". Sie sie vielmehr "ein Geschenk des Geistes, das unsere persönliche und gemeinschaftliche Bekehrung erfordert, die die Annahme des Geschenks der Offenbarung ganz und gar ermöglicht."

Hintergrund: Das "Nein" aus dem Vatikan 

Die Glaubenskongregation hatte bereits im Jahr 2003 erklärt: "Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen".

Das Gemeinwohl verlange, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen, so die Kongregation in einem von Kardinal Joseph Ratzinger unterzeichneten Schreiben, und weiter: "Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft."

Das nun erneut bekräftigte "Nein" des Vatikans am 15. März ist nicht nur einfach, trotz seiner differenzierten Erläuterung, sondern auch offiziell und formal gegeben: Es ist ein Responsum auf ein Dubium.

Als Dubia gestellte Fragen werden in der Regel mit einem "Ja" oder "Nein" beantwortet: Sie sollen helfen, kontroverse Fragen für alle Gläubigen orientierend zu klären, heißt es in einem erläuternden Text der Kongregation, der gleichzeitig veröffentlicht wurde. Dieser betont: Die Kirche liebe, wie Gott, jeden Menschen und lehne jede ungerechte Diskriminierung ab. 

Allerdings sei eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in der Katholischen Kirche aus mehreren Gründen nicht möglich; einmal, weil ein Segen – als Sakramentalie – voraussetze, dass es nicht nur gute Absichten gibt, sondern dass auch die "zu segnende Wirklichkeit objektiv und positiv darauf hingeordnet ist, die Gnade zu empfangen und auszudrücken, und zwar im Dienst der Pläne Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben und von Christus dem Herrn vollständig offenbart sind."

"Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist."

"Das Vorhandensein positiver Elemente – die in sich betrachtet dennoch zu schätzen und hervorzuheben sind – in solchen Beziehungen ist trotzdem nicht in der Lage, diese zu rechtfertigen und sie daher rechtmäßig zum Gegenstand einer kirchlichen Segnung zu machen, weil diese Elemente im Dienst einer Verbindung stehen, die nicht auf den Plan des Schöpfers hingeordnet ist." 

Zudem führt die Glaubenskongregation einen weiteren Grund an: "Da die Segnungen für Personen in Beziehung zu den Sakramenten stehen, kann darüber hinaus die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde, der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament der Ehe vereinigen."

Es gebe jedoch "keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn".

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