Die Familie, die von den Nazis wegen ihrer Hilfe für Juden getötet wurde

"Die Ulmas setzten jeden Tag das Gesetz Gottes an die erste Stelle"

Wiktoria Ulma mit sechs ihrer Kinder.
Foto: Museum der Polen, die Juden gerettet haben

Am frühen Morgen des 24. März 1944 umstellte eine Nazi-Patrouille das Haus von Józef und Wiktoria Ulma am Rande des Dorfes Markowa im Südosten Polens. Sie entdeckten Mitglieder der jüdischen Familie Goldman, die bei dem Ehepaar seit zwei Jahren Zuflucht gefunden hatten, und töteten sie.

Anschließend töteten die deutschen Polizisten die polnische Familie: Die hochschwangere Wiktoria, die 32 Jahre alt war, und ihren 44-jährigen Ehemann. Als die Kinder des Paares beim Anblick ihrer ermordeten Eltern zu schreien begannen, erschossen die Nazis auch sie: Stanisława, 8, Barbara, 7, Władysław, 6, Franciszek, 4, Antoni, 3, und Maria, 2.

Es wird angenommen, dass Wiktoria während des Massakers in den Wehen lag, da ein Zeuge später sagte, dass er ein neugeborenes Baby neben ihrer Leiche sah, wie die Catholic News Agency berichtete.

Nun, 77 Jahre nach der Bluttat, sind die Heiligsprechungsprozesse von Józef und Wiktoria – bekannt als die "Barmherzigen Samariter von Markowa" in Rom angekommen.

(Museum der Familie Ulma über polnische Judenrettung im Zweiten Weltkrieg)

Polnische Katholiken begingen den Jahrestag ihres Todes mit der Feier der heiligen Messe in der Pfarrei von Markowa, in der Erzdiözese Przemyśl. Erzbischof Adam Szal von Przemyśl las die Messe.

Der Gottesdienst fiel auch auf den Nationalen Gedenktag der Polen, die Juden unter deutscher Besatzung gerettet haben.

Der Erzbischof drückte seine Freude über den Fortschritt in der Causa des Ehepaares aus, das derzeit als Ehrwürdige Diener Gottes bezeichnet wird – ein Titel, der zu Beginn des Heiligsprechungsprozesses verwendet wird.

"Wir danken für das Beispiel des Lebens der Familie Ulma. Ihr Geschenk des Lebens ist ein Zeichen für uns, dass wir manchmal unser Leben opfern müssen, um andere Menschen zu retten. Heute bitten wir um das Geschenk ihrer Seligsprechung", sagte er.

In seiner Predigt lobte Pater Witold Burda, der Postulator der Causa, das Ehepaar Józef und Wiktoria als ein Vorbild für Christen heute.

"Die Ulmas setzten jeden Tag das Gesetz Gottes an die erste Stelle", sagte er.

Unter Bezugnahme auf überlieferte Fotos der Familie sagte er: "Das Lächeln der Kinder auf den Fotos berührt mich. Diese Kinder fühlten sich sicher und von Mama und Papa geliebt."

(Museum der Familie Ulma über polnische Judenrettung im Zweiten Weltkrieg)

Die Seligsprechungsverfahren von Józef und Wiktoria wurden 2003 von der Diözese Pelplin ins Leben gerufen, zusammen mit denen anderer polnischer Märtyrer des Zweiten Weltkriegs. Im Jahr 2017 übernahm die Erzdiözese Przemyśl die Verantwortung für den Prozess des Ehepaars.

Ihre Verfahren – wie auch das ihrer sieben Kinder (darunter ein ungeborenes) – haben das diözesane Stadium abgeschlossen und sind nun beim Vatikan.

Kommissionen der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse werden die Verfahren prüfen und nach Beweisen für den heroischen Tugendgrad suchen. Dies ist eine der Voraussetzungen für die Seligsprechung.

In seiner Ansprache vor der Messe sagte Pater Burda: "Im Fall der Familie Ulma geht es darum, zu beweisen, dass sie für ihren Glauben an Christus gemartert wurden und die Verfolger – deutsche Gendarmen – sie aus Hass auf den Glauben der Familie Ulma oder auf die aus dem Glauben resultierende Tugend ihres Lebens beraubt haben, in diesem Fall geht es um Nächstenliebe."

Die Positio – eine Sammlung von Dokumenten, die für eine Seligsprechung sprechen – wird zunächst von einer Kommission von Historikern geprüft. Wenn diese ein positives Urteil fällen, geht die Positio an eine theologische Kommission.

"Diese wiederum wird untersuchen, ob wir es im Fall der Familie Ulma mit drei charakteristischen Elementen des Martyriums zu tun haben. Wie die Diener Gottes starben, was die Familie Ulma 1942 dazu veranlasste, Juden unter ihrem Dach aufzunehmen, und was die deutschen Gendarmen dazu veranlasste, am 24. März 1944 in den Ulma-Hof einzudringen", erklärte Burda.

Eine dritte Kommission, bestehend aus Bischöfen und Kardinälen, fasst dann die Arbeit zusammen. Wenn sie der Positio zustimmen, bittet der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse den Papst, ein Dekret über das Martyrium zu genehmigen.

Burda sagte, dass die Historikerkommission bereits getagt habe und er glaube, dass ihre Bewertung der Positio der Familie Ulma positiv ausfallen werde.

Im Jahr 2016 wurde in Markowa ein Museum zu Ehren der Ulmas eröffnet. Das Museum der Familie Ulma zur Rettung der Juden im Zweiten Weltkrieg wurde in Anwesenheit des polnischen Präsidenten Andrzej Duda feierlich eröffnet.

Mateusz Szpytma, Vizepräsident des Instituts für Nationales Gedenken und ehemaliger Direktor des Museums, sagte: "Soweit ich weiß ... befindet sich die Dokumentation derzeit in den Händen der ersten der drei vatikanischen Kommissionen, sie ist also bereits in einem sehr guten Stadium."

Burda bemerkte, dass sich die Verehrung für die Ulma-Familie in der ganzen Welt ausbreitet. Laien in Padua, Italien, halten am 30. Mai eine Konferenz über die Familie ab, und Pfarreien in den Vereinigten Staaten und auf den Philippinen bitten um Bilder mit einem Gebet für die Seligsprechung.

Der Priester hob die Tatsache hervor, dass sieben der neun Seligsprechungskandidaten aus der Familie Ulma Kinder sind. Er bemerkte, dass man das ungeborene Kind von Wiktoria aus ihrem Körper herauskommen sah: "Das Spannende ist, dass man hier den tiefen Wunsch eines jeden Menschen sieht, das Leben zu genießen, auf die Welt zu kommen. Die Kongregation hat dieses ungeborene, namenlose und ungetaufte Kind in den Prozess einbezogen."

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