Benedikt XVI.: "In Polen blüht, was in Deutschland verdorrt"

Benedikt XVI.
Foto: Mazur/catholicnews.org.uk.

In einem Brief an das kleine Seminar des Erzbistums Tschenstochau hat Papst emeritus Benedikt XVI. sich für eine Einladung der Schüler zum 70-jährigen Jubiläum bedankt. Das berichten polnische Medien.

"Der Brief aus Ihrem Seminar, der vom Rektor zusammen mit den beiden Präfekten und dem Dekan der Alumni unterschrieben wurde, hat große Freude in mein Haus gebracht. Wie wunderbar, in Polen blühen zu sehen, was in Deutschland verdorrt", schrieb Benedikt den angehenden Priesteramtskandidaten. 

Der Papst emeritus bedankte sich auch für die "schöne und liebevolle Zeichnung in der ihr Euch meinen Bruder und mich vorgestellt habt".

Der 94-jährige Emeritus fährt fort, es sei ihm "aufgrund meines Alters und meiner Gesundheit" zwar nicht mehr möglich, persönlich einen Besuch abzustatten. Dennoch sei er" zu Gast in eurem Seminar mit ganzem Herzen. Ich grüße und segne euch ganz herzlich".

Unterschrieben ist der Brief mit "Euer Benedikt", berichtete die katholische Zeitung "Die Tagespost".

Der Papst emeritus hat nicht zum ersten Mal kritisch auf den Priestermangel und die Situation der Kirche in Deutschland hingewiesen. In seinem Aufsatz zur Kirchenkrise schrieb Benedikt im April 2019: "Bei dem Problem der Vorbereitung zum priesterlichen Dienst in den Seminaren ist in der Tat ein weitgehender Zusammenbruch der bisherigen Form dieser Vorbereitung festzustellen".

Nach dem Zweiten Vaitkanischen Konzil seien zudem "in nicht wenigen Seminaren Studenten, die beim Lesen meiner Bücher ertappt wurden, als nicht geeignet zum Priestertum angesehen" worden, schrieb Benedikt in seinem Aufsatz. "Meine Bücher wurden wie schlechte Literatur verborgen und nur gleichsam unter der Bank gelesen."

Deutschlandweit ist die Zahl angehender Priester weiter rückläufig. Verteilt auf die insgesamt 27 Bistümer in Deutschland gab es im Jahr 2020 insgesamt noch 57 Priesterweihen. Dies war der zweitniedrigste Wert in der Geschichte. Das Rekordtief wurde erst 2019 mit gerade einmal deutschlandweit 55 Weihen erreicht. Zum Vergleich: So viele Weihen gab es 1951 fast noch im Erzbistum München und Freising: Damals empfing der junge Joseph Ratzinger zusammen mit 44 weiteren Männern das Sakrament der Weihe als Priester der oberbayerischen Erzdiözese. In diesem Jahr werden dagegen in allen bayerischen Bistümern insgesamt - laut dem Medienportal der Bischofskonferenz heute - noch 21 Männer zu Priestern geweiht. 

Im Jahr 2000 wurden in Deutschland noch 154 Männer zu Priestern geweiht. Insgesamt ist die Zahl der Weihen innerhalb von nur 20 Jahren um 60 Prozent gesunken (CNA Deutsch hat berichtet).

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