Marx: Bischöfe in Deutschland beginnen einen "synodalen Weg" angesichts "Zäsur" in Kirche

Kardinal Reinhard Marx bei einer Pressekonferenz im Vatikan am 27. Oktober 2017.
Foto: CNA / Daniel Ibanez
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Kardinal Reinhard Marx hat ein "synodales Voranschreiten" aus der Kirchenkrise angekündigt: Darauf hätten sich die deutschen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung geeinigt, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zum Abschluss des Treffens in Lingen am heutigen 14. März. Es gehe um die Teilung kirchlicher Macht, die zukünftige Lebensform der Priester sowie die Sexualmoral der Kirche.

"Wir werden den von uns eingeschlagenen Weg der Aufarbeitung und Aufklärung konsequent weiter gehen. Das versichere ich ausdrücklich", so Marx in seinem Pressebericht zum Abschluss des Treffens. Das "synodale Voranschreiten" bedeute weniger einen präzisen Begriff als eine "Öffnung der Möglichkeiten" für eine Kirche in Deutschland, welche eine Zäsur erlebe.

"Die Kirche braucht ein synodales Voranschreiten. Papst Franziskus macht dazu Mut. Und wir fangen nicht am Nullpunkt an. Die Würzburger Synode (1972 bis 1975) und auch der Gesprächsprozess der vergangenen Jahre haben den Boden bereitet, auch für viele Herausforderungen von heute. Einstimmig haben wir beschlossen, einen verbindlichen synodalen Weg als Kirche in Deutschland zu gehen, der eine strukturierte Debatte ermöglicht und in einem verabredeten Zeitraum stattfindet".

Der Erzbischof von München und Freising verwies auf drei Themen.

  1. Erstens sei dies "klerikaler Machtmissbrauch", so Marx gegenüber der Presse, und fuhr fort: "Wir müssen über Teilung der Macht reden und eine synodale Kirche bauen".
  2. Zweitens gehe es um die Lebensform der Priester und Bischöfe, vor allem den Zölibat.
  3. Drittens dann, so Marx, grundsätzlich die Sexualmoral der Kirche. "Da waren viele Bischöfe klar der Überzeugung, dass hier Gesprächsbedarf besteht".

An die Gläubigen gewandt betonte der Erzbischof von München und Freising im Pressebericht:

"Bei der Vollversammlung haben wir gesehen, gehört und wahrgenommen, dass Sie, die Gläubigen, in deren Dienst wir stehen und mit denen wir uns als Gemeinschaft verbunden fühlen, unsere Beratungen kritisch begleiten. Wir danken Ihnen aufrichtig für Ihre Gebete und Ihre kritische Stimme. Sie sind das Fundament – und wir möchten Ihnen sagen: Wir sehen und hören Sie. Ihre Kritik, Sorgen, Nöte, Zweifel und Ihre Forderungen. Ich sage Ihnen aufrichtig: Wir haben es verstanden."

Marx erinnerte in seinem Pressebericht auch an seine eigenen Worte bei der Eröffnung des Treffens, dass die Kirche an einer "Epochenschwelle" stehe und einer Reinigung bedürfe.

Krisengipfel des Vatikans

Mit Blick auf den Missbrauchsgipfel Ende Februar im Vatikan räumte der Kardinal ein, dass dessen Abschluss auf scharfe Kritik gestoßen ist.

"Sicherlich mag für viele Menschen in unserem Land die Rede von Papst Franziskus zum Abschluss der Konferenz den Erwartungen nicht entsprochen haben. Ich möchte aber an einige Aspekte erinnern, die den Weg, den wir als Kirche in Deutschland eingeschlagen haben, bestätigen. Dazu zählen unsere Leitlinien, aber auch die umfangreiche Präventionsarbeit", so Marx.

Die Forderung von Papst Franziskus nach "Demut, Selbstanklage, Gebet und Buße" müsse aufrütteln, fuhr der DBK-Fortsitzende fort.

In diesem Geist gehe es um eine Reform der Kirche, "eine wirkliche Erneuerung im Geiste Jesu. Kinderschutz und die Bekämpfung von Klerikalismus" habe der Papst deutlich formuliert.

Die wichtigen Treffen mit Opfern müssten unbedingt fortgeführt werden, unterstrich der Münchner Erzbischof.

Mit Blick auf das Kirchenrecht kündigte Marx an, die DBK werde unter anderem "einen Vorschlag zu Spezialgerichten für Strafverfahren bei sexuellem Missbrauch an Minderjährigen und eine Ordnung für Verwaltungsgerichte im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" erarbeiten.

Nicht zuständig wären solche Gerichte also offenbar für Fälle sexuellen Fehlverhaltens und Missbrauchs von Seminaristen und anderen Volljährigen. Vielleicht – so ein Beobachter der Jahresvollversammlung – wird hierzu der "Gesprächsbedarf" in Sachen Sexualmoral ein Ansatz für die deutschen Bischöfe sein.

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