Papst emeritus Benedikt distanziert sich von "Integrierter Gemeinde"

Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010
Foto: Osservatore Romano / CNA Deutsch

Papst emeritus Benedikt XVI. hat sich von der  "Integrierten Gemeinde" (IG) distanziert, zu der er jahrzehntelang engste Verbindungen unterhielt.

Das meldet die "Herder Korrespondenz" am heutigen 25. Oktober.

"Offensichtlich wurde ich über manches im Innenleben der IG nicht informiert oder gar getäuscht, was ich bedaure", teilte Benedikt dem Magazin mit. Er habe die Gruppierung zu seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising kirchlich anerkannt, weil er sie zur Rechtgläubigkeit habe begleiten wollen.

"Dass bei dem Versuch, die Dinge des täglichen Lebens integral vom Glauben her zu gestalten, dabei auch schreckliche Entstellungen des Glaubens möglich waren, ist mir zunächst nicht bewusst geworden", so Benedikt weiter.

"Ich bedaure es zutiefst, dass so der Eindruck entstehen konnte, alle Aktivitäten der Gemeinde seien vom Erzbischof gebilligt."

Die 1948 gegründete "Integrierte Gemeinde" sollte nach eigener Darstellung "ein Ort für ein aufgeklärtes und unverkürztes Christentum" sein und galt jahrelang als ein vielversprechender "Aufbruch" in der Kirche. Im Jahr 1978 wurde sie von den damaligen Erzbischöfen in Paderborn und München – Johannes Degenhardt und Joseph Ratzinger – kirchlich anerkannt und 1985 als öffentlicher Verein nach dem katholischen Kirchenrecht errichtet. 

Wie CNA Deutsch berichtete, wurden im November 2019 Ergebnisse eines Zwischenberichts des Erzbistums München und Freising veröffentlicht, demzufolge ehemalige Mitglieder über Eingriffe in das Privatleben – bis hin zur Wahl des Wohnorts und der Zahl der Kinder in einer Familie – sowie die Ausübung psychischen Drucks auf Angehörige schilderten.

Auf Nachfrage von CNA Deutsch im November 2019 ließ das Erzbistum München und Freising über eine Sprecherin ausrichten, dass der Entschluss, die IG eingehender zu untersuchen, gefasst worden sei, nachdem im November 2010 von der Gruppe zum letzten Mal die für einen öffentlichen kirchlichen Verein erforderliche Bestätigung der alle sechs Jahre vorgesehenen Wahl des Vorsitzenden des Vorstandsteams durch den Erzbischof eingeholt worden sei.

Zudem sei das Erzbistum im Austausch mit ehemaligen Mitgliedern, die Vorwürfe gegen die Gruppe vorgebracht haben:

"Diese Gespräche werden auch aktuell fortgeführt und deren bisherige Ergebnisse sind in den Zwischenbericht der Visitation eingeflossen. An zwei von Ehemaligen und dem Erzbistum initiierten Versöhnungstreffen 2016 und 2018 nahm trotz Einladung keines der aktiven Mitglieder teil."

Ein ehemaliges Mitglied begrüßte im November 2019 gegenüber CNA Deutsch die Untersuchung und bezeichnete sie als "ein Glück und ein Segen für die Kirche und für die letzten Mitglieder der IG selbst, die einem im Grunde nur leid tun können". 

Über die möglichen Folgen einer eventuellen Weigerung seitens der Gruppe, zur Aufklärung beizutragen, ließ das Erzbistum damals verlauten, die IG sei als öffentlicher kirchlicher Verein weiterhin aufgefordert, mit den Visitatoren zu kooperieren. "Sollte sie sich dem auch künftig entziehen, werden wir entsprechende Schritte einleiten, die bis zur Auflösung reichen können."

Auf ihrer – inzwischen offenbar offline gegangenen – Webseite bezeichnete damals die IG wiederum die Vorwürfe des Zwischenberichts als "völlig haltlose Anschuldigungen".

Laut der "Herder Korrespondenz" teilte ein Mitglied der Gemeidne auf Anfrage mit, dass die Gruppe beschlossen habe, ihre "Aktivität als kirchliche Vereinigung ganz einzustellen und dies auch inzwischen getan hat." Recherchen der "Herder Korrespondenz" zeigten indes, dass die Gruppe offenbar plant, ihre Arbeit "in einem neuen rechtlichen Gewand" fortzusetzen.

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