Während Erneuerung des Abkommens mit Vatikan: China setzte Christenverfolgung fort

Gräber von Missionaren mit Bulldozern zerstört – Zehn Gebote durch kommunistische Parolen ersetzt – Christliche Begriffe zensiert

Der Präsident der Volkrespublik China, Xi Jinping, nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin am 5. Juli 2017.
Foto: 360b / Shutterstock
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Während der Vatikan am 22. Oktober sein umstrittenes Abkommen mit China erneuerte, setzte die Volkrepublik ungeniert ihre als "Sinisierung" bezeichneten Maßnahmen gegen Christen und gegen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit fort. 

Begriffe wie "Jesus" und "Kirche" werden heimlich ersetzt

Das berichtet das Magazin "Bitter Winter", eine italienische Zeitschrift, die sich auf die Berichterstattung über Religionsfreiheit in China spezialisiert hat. Deren Recherchen zufolge hat die kommunistische Regierung die Durchsetzung des Verbots des Verkaufs und der Verbreitung religiöser Texte verschärft. Religiöse Texte dürfen in China nicht verschickt werden: Sie werden als "Schmuggelware" vom atheistischen Regime bekämpft.

"Bitter Winter" hatte bereits am 13. Oktober berichtet – während der Vatikan mit China die Verlängerung des Abkommens verhandelte – dass der Besitzer eines Verlagshauses einen Monat zuvor von Beamten "besucht" wurde, um sicherzustellen, dass er keine religiösen Materialien druckt.

"Sie überprüften mein Lagerhaus, nahmen alle Unterlagen unter die Lupe und sahen sich sogar Papierblätter auf dem Boden an, um festzustellen, ob sie verbotene Inhalte enthielten", so der Leiter der Druckerei in Luoyang, einer Stadt auf Präfekturebene in der zentralen Provinz Henan. "Wenn ein solcher Inhalt gefunden wird, werde ich mit einer Geldstrafe belegt, oder schlimmer noch, mein Geschäft wird geschlossen", sagte er.

Der Manager teilte "Bitter Winter" mit, dass er jeden Auftrag ablehnen müsse, der religiöse Materialien betreffe, und sagte, dass er sein Geschäft verlieren könne, wenn entdeckt werde, dass er die Papiere gedruckt habe. Der Manager sagte, dass "der einzige Glaube, den [die Menschen] frei praktizieren können, der der Kommunistischen Partei ist".

Andere Druckereien haben ebenfalls Angst und weigern sich, "religiöse Inhalte" zu drucken angesichts staatlicher Verbote für die Veröffentlichung religiöser, insbesondere christlicher Texte. Die Angst ist begründet: Ein Verlagshaus wurde kürzlich geschlossen und seine Mitarbeiter verhaftet, nachdem die Behörden entdeckt hatten, dass sie christliche Bücher veröffentlicht hatten.

Eine von Kommunisten zugelassene Neuversion der Bibel

Laut ChinaAid, einer christlichen NRO, haben chinesische Publikationen damit begonnen, die Worte "Christus", "Kirche" und "Jesus" in ihren Büchern durch die Initialen der Pinyin-Begriffe für diese Worte zu ersetzen, um Zensur zu vermeiden. 

(Pinyin ist die gängigste Schreibform chinesischer Worte in lateinischen Buchstaben.)

Einige Buchtitel, so berichtete ChinaAid am 20. Oktober, färben religiöse Wörter dunkel ein: Dadurch hoffen Christen, die Zensur zu umgehen, die sonst die Online-Lektüre ihrer Bücher blockieren würde.

Bibeln haben in China keine ISBN-Nummer und können nicht im normalen Buchhandel gekauft werden.

Im vergangenen Jahr hat die Kommunistische Partei Chinas in Kirchen in mehreren Teilen des Landes die Darstellung der Zehn Gebote verhindert oder durch eine kommunistische Version ersetzt. Andernorts wurden Kirchen "wegen Brandschutzbedenken" geschlossen oder einfach abgerissen.

Funktionäre der Kommunistischen Partei haben auch angekündigt, dass sie an einer von den Kommunisten genehmigten, "sinisierten" Version der Bibel arbeiten.

Gräber schwedischer Missionare zerstört

Sogar längst verstorbene Christen sind in China verfolgt worden. "Bitter Winter" berichtete am 16. Oktober, dass die chinesischen Behörden im September die Grabsteine von 20 schwedischen Missionaren abgerissen hatten, von denen einige vor über 100 Jahren starben.

Die Missionare wurden in der Stadt Xiezhou begraben, die vom Yanhu-Distrikt Yuncheng verwaltet wird, einer Stadt auf Präferenzebene in der nördlichen Provinz Shanxi. Schwedische christliche Missionare ließen sich erstmals 1888 in Yuncheng nieder und errichteten schließlich Schulen und Krankenhäuser in der Gegend. Viele Menschen bekehrten sich infolge der Arbeit der schwedischen Missionare zum Christentum, und ihre  Grabstätten waren Ziele für christliche Pilger geworden.

Nach Angaben von "Bitter Winter" schickte die Bezirksregierung von Yanhu am Morgen des 12. September über 100 Polizisten auf den Friedhof. Die Grabstätten und ein Haus mit Fotos der Missionare wurden zwei Stunden später mit Bulldozern plattgewalzt. Auf den Grabstätten wurden Pflanzen gepflanzt.

Parolin bestreitet Verfolgung

Der Vatikan schweigt nicht nur zur Christenverfolgung in China – Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat diese am 21. Oktober, einen Tag vor der Erneuerung des Abkommens mit China, sogar bestritten. Auf die Frage von Journalisten antwortete Parolin "Aber welche Verfolgungen denn?"

Parolin wörtlich weiter: "Sie müssen die Begriffe korrekt verwenden. Es gibt Vorschriften, die auferlegt werden und die alle Religionen betreffen, und sicherlich auch die katholische Kirche".

In China ist der Religionsunterricht für alle Personen unter 18 Jahren illegal. Minderjährige dürfen Kirchengebäude nicht betreten. Katholische Kirchen, die bei den chinesischen Behörden registriert sind, werden über Videokameras, die an das öffentliche Sicherheitsnetz angeschlossen sind, genau überwacht. Priester wurden gezwungen, an "Ausbildungskursen" der Regierung teilzunehmen.

Katholische Geistliche, die nicht der Kommunistischen Partie per Unterschrift bei Behörden ihre Unterstützung zusagen, werden Berichten zufolge – etwa im September in der Proving Jiangxi – verhaftet.

Was genau in der Vereinbarung zwischen Vatikan und Volksrepublik steht, und welche Verpflichtungen etwa Papst Franziskus damit auf sich genommen hat: Das halten der Heilige Stuhl und die kommunistischen Machthaber geheim. 

Die Ernennung von Bischöfen etwa – um die es dabei gehen soll – ist weitgehend ausgeblieben, wie auch innerkirchliche Beobachter, etwa Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg, konstatiert haben.

Die verheerenden Konsequenzen indessen sind öffentlich bekannt, sagen Beobachter: Der Papst – der sich sonst regelmäßig und wortreich zu politischen Themen äußert – schweigt lautstark zur Christenverfolgung, zur "Sinisierung" und sogar zur Behandlung der muslimischen Uiguren in Xinjiang, zur Demokratie-Bewegung in Hong Kong und  weiteren Menschenrechtsverletzungen in ganz China. 

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