"Die Identität des Instituts für Ehe und Familie ist ernsthaft in Gefahr": Vizepräsident

Pater Jose Granados, DCJM.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung
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Der Vizepräsident des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. in Rom hat gesagt, dass die Veränderungen an der Hochschule eine ernste Bedrohung der Identität und des wichtigen pastoralen Dienstes der Hochschule darstellen.

"Mein Eindruck ist, dass die Identität des Instituts ernsthaft in Gefahr ist. Daher ist es notwendig, mit Respekt aber in aller Klarheit die objektiven Probleme der neuen Änderungen dazustellen und davor zu warnen, dass die ursprüngliche Mission des Institutes in Gefahr ist – von der Papst Franziskus klar gesagt hat, dass er sie erhalten will. Und zwar nicht nur als etwas, das Teil der Vergangenheit ist, sondern gerade weil es eine Quelle der Erneuerung und ein Weg für die Begleitung von Familien in der Kirche ist", so Pater Jose Granados, DCJM, gegenüber CNA am 31. Juli.

Der Priester, der 2013 zum Berater der Kongregation für die Glaubenslehre und 2018 zum Berater des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben ernannt wurde, äußerte sich gegenüber CNA über den kürzlich veröffentlichten Brief, der von mehr als 250 Studenten und Alumni des Instituts Johannes Paul II. unterzeichnet wurde.

LINK-TIPP: Der volle Wortlaut des Briefs in deutscher Übersetzung wurde auf der Website der Studenten zu ihrem Appell veröffentlicht.

Die Studenten drücken in ihrem Schreiben große Besorgnis über die neuen Statuten des Instituts aus, aber auch über die Entlassung mehrerer Professoren sowie über die Zukunft ihres eigenen Studiums am Institut, wie CNA Deutsch berichtete.

Papst Franziskus hatte im Jahr 2017 das Institut aufgelöst und gleichzeitig durch ein fast gleichnamiges Institut ersetzen lassen. Die Auflösung und Neugründung war Voraussetzung für neue Statuten und eine ganze Reihe weiterer Änderungen.

Zur Begründung sagte Papst Franziskus, die Neugründung sei nötig geworden, weil das 1981 gegründete Institut In bestimmten Aspekten nicht mehr zeitgemäß sei und die dort betriebene Forschung ausgeweitet werden sollte.

Als "Magna Charta" des neuen Instituts bezeichnete der von Franziskus eingesetzte Großkanzler, Erzbischof Vincenzo Paglia, das Nachsynodale Schreiben Amoris Laetitia.

Gegenüber CNA sagte Vizepräsident Granados am gestrigen Mittwoch, man habe seit der von Papst Franziskus angekündigten Veränderungen am Institut im Jahr 2017 an einer "Erneuerung in Kontinuität, wie unser Heiliger Vater Franziskus sagte" gearbeitet.

"Der Wunsch des Papstes war es, das Institut zu unterstützen, es zu erweitern, zu fördern, wie uns Monsignore Sequeri (der Präsident des Instituts) am Anfang sagte."

Völlig überrascht hätten ihn und die anderen Mitglieder des Lehrkörpers dann der letzte Entwurf der neuen Statuten, den viele erst nach der Genehmigung durch die Vatikanische Bildungskongregation zu sehen bekommen hätten.

Diese neuen Statuten bringen tiefgreifende Umwälzungen mit sich, so Granados:

Die neuen Statuten, sagte der Vizepräsident, "reduzieren die Zahl der Professoren im Führungsgremium des Instituts: Der reguläre Lehrkörper hat jetzt nur noch zwei Vertreter im Rat sitzen, statt wie bisher selber Mitglied zu sein. Das betrifft das gesamte akademische Leben des Instituts: Es reduziert den kollegialen Beitrag des Lehrkörpers in der Prüfung von Promovierenden wie auch zur Entwicklung des gesamten Curriculums".

Doch damit nicht genug, so Granados weiter: "Die Frage der Ernennung neuer Professoren, die für eine akademische Gemeinschaft entscheidend ist, untersteht nun der direkten Kontrolle des Großkanzlers. Wer einen genauen Blick auf das Auswahlverfahren wirft wird feststellen, dass es für den Lehrkörper praktisch unmöglich sein wird, einen vom Großkanzler beförderten Kandidaten abzulehnen".

Abwertung der Moraltheologie

Granados gegenüber CNA: "Dieser Verlust an Kollegialität ist erstaunlich, denn in einem interdisziplinären Institut, das sich dadurch auszeichnet, dass es das gleiche Thema - Ehe und Familie - aus der Sicht jeder Disziplin betrachtet, ist der Beitrag aller unterschiedlichen Lehrstühle erforderlich, sei es zur Prüfung des Lehrplans, sei es zur Genehmigung von Doktorarbeiten, sei es zur Wahl der neuen Mitglieder der Fakultät. Und das sollte in den Statuten als Recht anerkannt werden, denn es ist ein lebenswichtiger Punkt der Institution."

"Darüber hinaus gibt es in den neuen Statuten eine entscheidende Änderung: die drastische Schwächung der Moraltheologie". Diese sei um mehr als die Hälfte reduziert worden.

In einem am 29. Juli veröffentlichten Statement des Instituts heißt es, die Moraltheologie finden "einen neuen Ort". Es gebe zwei Lehrstühle für moraltheologische Fragen – einen zur Moral von Ehe und Familie, und einen über Lebensethik.

"Was das Statement verschweigt: Diese Fächer wurden, gemäß der bisherigen Statuten, bereits von zwei Lehrstühlen abgedeckt: Einer Professur für spezielle Moralfragen, für Sexualität und Ehe, sowie einer für Bioethik. Was auch nicht gesagt wird: Im neuen Lehrplan ist mit drei Credits die Zahl der angerechneten Punkte für das Studium der ehelichen Moral nur noch halb so hoch wie bei anderen, vergleichbare Fächern".

"Somit wurde die Moraltheologie halbiert und mehr noch: Die Professoren, die diese Fächer lehrten, wurden hinausgeworfen: Melina, Noriega, und in Bioethik, Maria Luisa di Pietro."

Umgang mit Professoren

Die Entlassung der Professoren "von größter Wichtigkeit in der Geschichte des Instituts...hat uns sprachlos gemacht", fügte Granados hinzu.

Monsignore Livio Melina, der im Juli darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass seine Lehrstuhl am Institut abgeschafft werde, war der langährige Präsident der Einrichtung.

Über seine Entlassung sagte Granados: "Besonders beunruhigend ist die Abschaffung des Lehrstuhls für Fundamentalmoral, dessen Inhaber Msgr. Melina war. Das ist seit 38 Jahren ein aktiver Lehrstuhl, von dem aus Kardinal Caffarra unterrichtet hat. Wir könnten sagen, dass dieser für die Arbeit des Instituts unerlässlich ist, wenn wir bedenken, dass Wojtyla ein Moraltheologe war und Lehrstuhl dem ersten Präsidenten des Instituts anvertraut hat."

"Es ist ein entscheidender Lehrstuhl. Wenn die Grundlagen der Moral ungeklärt sind, wenn diese nicht gut dargelegt werden, dann bleibt die eheliche Moral in der Schwebe."

"Die Art und Weise, wie man Veritatis Splendor [die Enzyklika des Jahres 1993] versteht, wird die Art und Weise prägen, wie man bestimmte moralische Fragen betrachtet, zum Beispiel die Moral der Empfängnisverhütung oder sexuelle Handlungen außerhalb der Ehe", sagte Granados.

"Das prägt auch die Art und Weise, wie man mit der gewaltigen Frage der Berufung umgeht, zu der Gott den Menschen bestellt, und auch mit der Würde der Barmherzigkeit, mit der Gott den Menschen in Christus erneuert, damit er Gutes tun und ein großartiges und erfülltes Leben führen kann."

Der Priester betonte, dass Kardinal Ratzinger die Rolle des Instituts in der Erforschung der Fundamentalmoral lobte, und dass im Gegensatz zu den neu verabschiedeten Statuten eine Fassung des Jahres 2011 erklärt, dass die Fundamentalmoral ein Schwerpunkt der Hochschule ist.

In der Stellungnahme vom 29. Juli erklärt dazu das Institut, dass der Lehrstuhl für Fundamentalmoral gestrichen werde, weil das Fach im "ersten Zyklus" studiert werde – dem Studienprogramm, das Voraussetzung für die Zulassung zu weiterführenden Studien an päpstlichen Hochschulen ist.

Granados bezeichnete diese Erklärung als "widersprüchlich".

"Unter den Lehrstühlen gibt es mindestens zwei weitere Fächer (theologische Anthropologie, Fundamentaltheologie), die im ersten Zyklus angeboten werden, ohne dass dies als Problem bezeichnet wird. Darüber hinaus ist bekannt, dass ein Lehrstuhl allgemeiner Natur, wenn er auf einer höheren Ebene gegeben wird, sich nicht darauf beschränkt, das zu wiederholen, was im ersten Zyklus gelernt wird. Es geht um die Vertiefung verschiedener Aspekte, wie man an den Kursen sehen kann, die Melina in den letzten Jahren angeboten hat. Melina hat konkrete Aspekte der grundlegenden Moraltheologie vertieft, um Fragen der Ehemoral, der Sexualität und der Familie zu erörtern."

Granados fügte hinzu, dass in den 38 Jahren, in denen das Fach am Institut Johannes Paul II. gelehrt wurde, niemand in Frage stellte, ob es einen Lehrstuhl für Fundamentalmoral geben sollte.

"Der vorgebliche Grund kann nur als Täuschungsmanöver bezeichnet werden. Was aber ist der eigentliche und erschütternde Grund? Ist es nicht so, dass Melina Humanae Vitae und Veritatis Splendor treu geblieben ist, und der Lehrstuhl abgeschafft wird, um Melina loszuwerden?"

Granados äußerte sich auch zur Entlassung von Pater Jose Noriega DCJM, dem Lehstuhlinhaber für spezielle Moraltheologie.

Seine Entlassung begründete das Institut mit der Stellungnahme vom 29. Juli damit, dass Noriega aus kirchenrechtlichen Gründen nicht sowohl als Oberer einer kleinen Gemeinschaft dienen und die Pflichten eines Professors wahrnehmen könne.

Aber das Kirchenrecht "verbietet nur die Annahme zweier nicht miteinander vereinbarer Aufgaben. Trifft das hier zu? Pater Noriegas Gemeinschaft hat nur 24 Mitglieder. Die Antwort will wohl überlegt sein. Und als Präsidenten des Institutes haben sowohl Melina als auch Sequeri entschieden, dass dies keineswegs unvereinbar ist. Sie haben Noriega 12 Jahre lang lehren lassen, und dass er als Oberer dient, war öffentlich bekannt", sagte Granados gegenüber CNA.

"Außerdem scheidet Pater Noriega in fünf Monaten aus seinem Amt als Oberer, wie Erzbischof Paglia und Monsignore Sequeri wissen.

"Wenn das Problem wirklich eine Unvereinbarkeit ist, und seine Arbeit aber geschätzt wird, warum erlauben sie dann nicht einfach eine sechsmonatige Auszeit, gemäß den Richtlinien der Kurie, was das Problem lösen würde? Wenn das nicht geschieht, dann gibt es eine andere Erklärung, aber das ist keine Entschuldigung dafür, den Inhaber des Lehrstuhls für Liebe und Ehe zu entlassen, und die Person loszuwerden, die für die Publikationen des Instituts verantwortlich ist. Ist es vielleicht wegen Noriegas Unterstützung für Humanae Vitae und Veritatis Splendor?"

"Die beiden Fälle sind sehr gravierend für eine akademische Institution. Wo sind die doktrinellen Schwierigkeiten in der Lehre dieser Professoren? Wie Studenten bezeugen können und eine Analyse ihrer Arbeiten zeigen würde, waren sie immer hervorragend in ihrer Achtung des Magisteriums, selbstverständlich einschließlich dessen von Papst Franziskus".

"Die Lehre des Papstes in Kontinuität mit den vorangegangenen Päpsten zu erklären ist nicht nur notwendige Voraussetzung für jede katholische Hermeneutik, sondern etwas, das der Papst selbst fördert. Und wenn es trotz allem Bedenken geben sollte wegen doktrineller Probleme in ihrer Lehre, warum werden sie dann nicht beurteilt und erhalten die Möglichkeit, sich zu verteidigen?"

"Wenn dieser Missbrauch erlaubt ist, dann ist die akademische Freiheit aller Lehrer bedroht. Wir stehen alle vor dem selben Problem: Wir können hinausgeworfen werden, nicht weil wir die Glaubenslehre leugnen, was gerechtfertigt wäre, sondern dafür, dass wir theologische Richtungen befolgen, die den Hochschul-Autoritäten missfallen. So gesehen können wir alle, die wir einen Lehrstuhl innehaben, sagen: 'Ich bin Melina und Noriega'".

"Wir alle sollten beunruhigt sein über diese Ausübung willkürlicher Macht gegen die Arbeit einer Universität: der auf Argumenten basierende Austausch auf der gemeinsamen Suche nach der Wahrheit. Und was wird man von dieser Vorgehensweise in der europäischen akademischen Gemeinschaft halten?" - so Professor Granados.

Erbe Johannes Pauls II.

Der Priester äußerte CNA gegenüber zudem die Befürchtung, dass mehrere polnische Mitglieder des Lehrkörpers weniger Kurse unterrichten werden. Dadurch würde Die Verbundenheit der Universität zum polnischen Papst St. Johannes Paul II geschwächt.

Granados bedauerte auch die Entlassung von Professorin Maria Luisa di Pietro, deren bioethischer Forschungsansatz, so sagte er, dem von Johannes Paul II. sehr nahe kom. Granados wies auch darauf hin, dass weniger Kurse in der Anthropologie der Liebe angeboten werden, einem für den verstorbenen Papst wichtigen Thema. Professor Stanislaw Grygiel, ein persönlicher Freund von Johannes Paul II., der den Wojtyla-Lehrstuhl der Universität innehat, sei gesagt worden, dass er nicht Mehr regelmäßig Kurse am Institut anbieten werde.

Schwere Bedenken melden Studenten wie Lehrkörper zudem mit Blick daraufan, so Granados weiter, wer nun einen Ruf an das Institut bekommen könnte.

"Jetzt kursieren Gerüchte, dass Professor Maurizio Chiodi einen Lehrauftrag erhalten wird, der über die Rechtmäßigkeit von Verhütung schreibt und homosexuelle Handlungen in manchen Situationen als 'möglich'akzeptiert. Wenn neue reguläre Professoren dieser Art eingestellt würden, ohne dabei dem regulären Verfahren zu folgen und dabei von einer "dringenden" Notwendigkeit dafür die Rede ist, für die keinerlei Gründe angeführt werden, dann würde das gewaltige Spannungen im Institut verursachen", sagte Granados.

"Angesicht der Machtbefugnisse, die der Großkanzler [Paglia] jetzt hat, und angesichts der Absichten, die er verfolgt, wenn er auf Melina und Noriega verzichtet, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis das Lehrpersonal durch ein anderes ersetzt worden ist, das nicht mehr der Vision des Heiligen Johannes Paul II. entspricht. Für den große polnische Papst stand immer die Treue der Kirche zum Leib Christi im Mittelpunkt", fügte er hinzu.

Granados sagte CNA, dass "die Studenten die schwerwiegenden Probleme, von denen ich gesprochen habe, erkannt haben".

Der Brief, den die Studenten am 25. Juli an Paglia und Sequeri geschickt haben, zeige ein "gemeinsames, respektvolles und mutiges Handeln" und sei Ausdruck der studentischen "Wertschätzung für das Institut, weil sie eine Gemeinschaft von Lehrern und Studenten vorgefunden haben, in der große Fragen gestellt und die Wahrheit der Liebe herausgearbeitet werden konnte".

"Der Brief erklärt sich selbst und begründet die Befürchtung, dass die Identität, die der heilige Johannes Paul II. dem von ihm gegründeten und dem Schutz der Jungfrau von Fatima anvertrauten Institut geben wollte, nicht erhalten bleiben würde".

LINK-TIPP: Der volle Wortlaut des Briefs in deutscher Übersetzung wurde auf der Website der Studenten zu ihrem Appell veröffentlicht.

Trotz seiner Bedenken sagte Granados gegenüber CNA, er glaube, dass es für die Institutsverwaltung immer noch möglich ist, die Vision von Papst Franziskus für einen fruchtbaren und kooperativen Ansatz zur Erneuerung des Instituts zu verwirklichen.

"Seit drei Jahren arbeiten wir mit Msgr. Sequeri zusammen, um dieses Ziel zu erreichen. Er kann bezeugen, dass es eine herzliche und fruchtbare Beziehung war. Wir fanden einen Ansatz für die Erneuerung, der die Mission des Instituts respektierte, für eine neue Fruchtbarkeit, die das Erbe unseres Gründers und die reiche katholische Tradition einbezog. Viele Male versicherte mir Msgr. Sequeri, dass wir keine Angst vor Gerüchten über Entlassungen haben müssen. Und dass die kollegiale Arbeit der Lehrer respektiert wird."

Ein möglicher Lösungsweg

"Unbegreiflicherweise ist schließlich zu unserer Überraschung das Gegenteil geschehen, mit großem Schaden für das Institut und für Lehrer und Studenten. Ist es möglich, auf einen konstruktiven Weg zurückzukehren? Erzbischof Paglia und Msgr. Sequeri wissen, dass Lehrer und Studenten dazu bereit sind, wie sie es bereits demonstriert haben. Aber es ist notwendig, die falschen Schritte rückgängig zu machen. Das erste Hindernis, das beseitigt werden muss, ist die Wiederherstellung der entlassenen Professoren des Lehrkörpers. Nichts Nachhaltiges basiert auf der unfairen Entlassung von Kollegen, die in der gesamten akademischen Gemeinschaft geschätzt werden, nicht nur am Institut, sondern in der gesamten katholischen Universitätswelt", fügte er hinzu.

Granados sagte, er hoffe, dass eine fruchtbarere Erneuerung erreicht werde, denn er glaube, dass die Mission des Instituts Johannes Paul II. wichtig für die Mission der Kirche sei.

"Johannes Paul II. hatte eine große Intuition, die sich aus seiner Lebenserfahrung ergab. 'Als junger Priester', schrieb er, 'lernte ich, die menschliche Liebe zu lieben'. Es war seine Arbeit mit jungen Paaren, die es ihm ermöglichte, zu entdecken, dass die Familie der Weg der Kirche ist. Denn dort werden die grundlegenden Erfahrungen kultiviert, die Christus angenommen, erlöst, erfüllt hat."

"Um diese ursprünglichen Erfahrungen wiederherzustellen, deren Verlust das große Elend des heutigen Menschen ist, verstand Johannes Paul II., dass es notwendig war, die Wahrheit der Liebe zu beleuchten. Er gründete das Institut als akademische Gemeinschaft, die diese Wahrheit der Liebe auf der Grundlage von Gottes Plan für Ehe und Familie untersuchen konnte."

"Denn das Licht für unsere Nacht kommt nicht in erster Linie aus einer Analyse der Probleme des Menschen, sondern aus der Betrachtung von etwas Originellerem: der Gabe, die Gott dem Menschen und der Kirche in jeder Ehe und in jeder Familie gegeben hat. Hier ist die Intuition der Barmherzigkeit enthalten, die Papst Franziskus so sehr gefördert hat: Gottes erste Barmherzigkeit für den Menschen war es, ihm eine Familie zu geben und die Familie zu retten, denn von dort aus ist es möglich, das ganze Subjekt Mensch wieder aufzubauen und die Handlungsfähigkeit wiederherzustellen", fügte Granados hinzu.

"Genau an dieser Stelle ist auch die Bedeutung der Moral, die das Institut aus dem Licht der Liebe heraus kultiviert hat, als Weg zur Erfüllung unserer Berufung zur Liebe und als Fähigkeit, ein schönes und erfülltes Leben zu führen. Da es in dieser Art der Liebe unerlässlich ist, die Sprache des Körpers wiederzuerlangen, vertraute Johannes Paul II. dem Institut seine Katechese über die menschliche Liebe an, wo er eine Theologie des Körpers skizzierte, die sich in diesen Jahren mit großer Fruchtbarkeit weiterentwickelt hat".

In der "Theologie des Leibes", sagte Granados, ruft uns Papst Johannes Paul II. auf, die Sprache des Leibes, eine vom Schöpfer in uns eingeschriebene Sprache, die auf der sexuellen Differenz von Mann und Frau basiert, die dem Leben offen ist, wirklich nachzulesen. Aus dieser anthropologischen Einheitsvision heraus wurde ein Lehrkörper aufgebaut und bereichert, über alle Kontinente in verschiedenen Forschungsfeldern verteilt, in denen das Studium jeder Disziplin die anderen bereichert und die heute so typische Fragmentierung der Universitätsarbeit vermeidet. Der scharfe Bruch, den wir heutzutage beobachten und der die Erinnerung an diese lebendige Tradition vernebelt, die vor allem in Personen bewahrt wird, gefährdet dieses reiche Erbe", schloss der Priester.

"Die Arbeit des Instituts und seiner Früchte ist enorm, und sie zeigt sich in der Zahl der ausgebildeten Studenten (Priester, Laien, Familien), die in der Lehre und in der Familienpastoral arbeiten; in den Konferenzen, zu denen so viele Fachleute aus verschiedenen Disziplinen eingeladen wurden; in den erhellenden Publikationen für die Seelsorger; in den konkreten pastoralen Initiativen zur Unterstützung der Familien, die – wie der barmherzige Samariter – Öl für ihre Wunden sind und den Wein der Freude über ihre Berufung zur Liebe bringen".

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original von AC Wimmer.

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