"Mehr als widerwärtig": Christliche Entwicklungshelfer in Nigeria hingerichtet

Kirche in Akure, der größten Stadt im Bundesstaat Ondo, Nigeria.
Foto: Jordi C/Shutterstock

Die Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) hat die Hinrichtung von fünf Entwicklungshelfern in Nigeria verurteilt, die von einer islamischen Extremistengruppe entführt worden waren.

Das berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.  

Die Entwicklungshelfer wurden vergangenen Monat verschleppt. Ihre Ermordung wurde letzte Woche von Mitgliedern des Islamischen Staates in der Provinz Westafrika (ISWAP) öffentlich bekannt gegeben.

ISWAP ist eine abtrünnige Fraktion von Boko Haram, einer weiteren islamischen extremistischen Terrorgruppe.

"Die Hinrichtung von Entwicklungshelfern durch ISWAP ist mehr als widerwärtig. Die militante islamische Gruppe zeigt keine Reue, da sie weiterhin Zivilisten aufgrund ihres Glaubens ins Visier nimmt", sagte der stellvertretende USCIRF-Vorsitzende Tony Perkins in einer Erklärung vom 28. Juli.

Am 23. Juli behauptete ISWAP in seinem wöchentlichen digitalen Newsletter, die fünf Entwicklungshelfer getötet zu haben. Die Arbeiter wurden in getrennten Vorfällen in den ersten beiden Juniwochen entführt.

Der ISWAP stellte am 22. Juli ein Video der Hinrichtung auf YouTube ein, wo es schnell entfernt wurde. In dem Video erklärt einer der Militanten, dass die Hinrichtungen als Vergeltung für die Bemühungen zur angeblichen Bekehrung von Muslimen zum Christentum erfolgten.

"Dies ist eine Botschaft an alle, die von Ungläubigen benutzt werden, um Muslime zum Christentum zu bekehren", sagte einer der Henker in dem Video, das von "Morning Star News" übersetzt wurde.

(Morning Star News ist eine Nachrichtenorganisation, die Christenverfolgung thematisiert.)

"Wir möchten, dass ihr da draußen versteht, dass diejenigen von euch, die benutzt werden, um Muslime zum Christentum zu bekehren, nur für eigennützige Zwecke benutzt werden", sagte der Kämpfer und fügte hinzu, dass christliche Organisationen sich nicht um das Wohlergehen entführter Mitarbeiter kümmerten.

"In diesem Jahr bereits über 600 getötete Christen"

"Wir rufen euch daher auf, zu Allah zurückzukehren, indem ihr Muslime werdet. Wir werden weiterhin alle Verkehrswege [Straßen], auf denen ihr unterwegs seid, blockieren", sagte der Kämpfer. "Wenn ihr unsere Warnung nicht beherzigt, wird das Schicksal dieser fünf Personen euer Schicksal sein".

Laut "Morning Star News" waren drei der fünf Männer, die in dem Video hingerichtet wurden, bekannte Mitarbeiter christlicher Hilfsorganisationen. Mohammad Buhari, der Präsident Nigerias, sagte, dass die beiden anderen Männer bei weltlichen Hilfsorganisationen beschäftigt gewesen seien.

Buhari drückte über einen Sprecher den Familien der Ermordeten sein Beileid aus und versprach, dafür zu sorgen, dass "alle verbliebenen Überreste von Boko Haram im Nordosten Nigerias vollständig ausgelöscht werden".

"Präsident Buhari kondolierte auch der State Emergency Management Agency, Action Against Hunger, Rich International und dem International Rescue Committee, deren Mitarbeiter dieses schreckliche Schicksal erlitten haben", hieß es in der Erklärung. "Er dankt ihnen für ihr anhaltendes Engagement und ihren Dienst für die Opfer von Boko Haram im Nordosten Nigerias".

"Das ist das Vakuum, das Extremisten ausnutzen – in erster Linie des Westens, der sich auf dem Rückzug befindet, was das Christentum betrifft"

Laut einem Bericht der Internationalen Gesellschaft für bürgerliche Freiheiten und Rechtsstaatlichkeit (Intersociety) vom 15. Mai wurden im Jahr 2020 bisher über 600 Christen getötet. Christen wurden enthauptet und angezündet, Farmen in Brand gesteckt, und Priester und Seminaristen wurden zur Zielscheibe von Entführungen und Lösegeldforderungen.

Die Krise der Gewalt, mit der Christen in Nigeria konfrontiert sind, hat zunehmend internationale Aufmerksamkeit und Verurteilung auf sich gezogen.

Bischof Matthew H. Kukah von der nigerianischen Diözese Sokoto sagte im vergangenen Monat bei einer von In Defense of Christians organisierten Podiumsdiskussion, dass die Situation im Land von einer Kultur herrührt, die das Christentum abgewertet hat und sich nicht mehr um den Glauben kümmert.

"Dies ist das Vakuum, das [Extremisten] ausnutzen - in erster Linie der Westen, der sich auf dem Rückzug befindet, was das Christentum und die christlichen Werte betrifft, ein Westen, in dem Diplomaten und Geschäftsleute weit davon entfernt sind, sich für Glaubensfragen zu interessieren, besonders wenn es um das Christentum geht", sagte Kukah.

Am 8. Juli hob ein Bericht, der von Competere, einem Beratungsunternehmen für Handelsrecht und Wirtschaftspolitik, veröffentlicht wurde, die Verfolgung von Christen in Nigerias Staaten des Middle Belt hervor und forderte die britische Regierung auf, neue Vollmachten einzusetzen, um Personen zu bestrafen, die sich an der Gewalt mitschuldig machen.

Im Februar teilte Botschafter Sam Brownback, der für internationale Religionsfreiheit zuständige US-Botschafter, gegenüber CNA mit, dass er besonders besorgt über die Christenverfolgung in Nigeria sei. Brownback war insbesondere betroffen, dass sich die von Nigeria ausgehende Gewalt in der gesamten Region ausbreiten könnte und dass die nigerianische Regierung nicht genug tue, um ihr Volk vor Extremisten zu schützen.

"Ich denke, wir müssen die Regierung [des nigerianischen Präsidenten Muhammadu] Buhari mehr unter Druck setzen. Sie können mehr tun", sagte Brownback zur CNA. "Sie bringen diese Menschen, die Anhänger anderer Religionen töten, nicht vor Gericht. Sie scheinen nicht die gebotene Dringlichkeit zu erkennen, um zu handeln".

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