Gänswein: Das "menschliche Antlitz Gottes" zurück in die Kirche und alle Welt tragen

Der Präfekt des Päpstlichen Hauses in Manoppello – Im Interview spricht der Kurienerzbischof über den Sonntag "Omnis Terra"

Erzbischof Georg Gänswein am 17. Januar 2021
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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"Das barmherzige Angesicht Gottes zu sehen, gibt großen Trost, große Stärke, große Zuversicht, egal in welcher Lage wir uns befinden": Das hat Erzbischof Georg Gänswein nach der Feier der heiligen Messe am heutigen Sonntag in Manoppello gesagt.

Es war eine "heilige Pflicht, aber auch eine große Freude", betonte der Präfekt des Päpstlichen Hauses im Interview Pilar Peiró Perez von EWTN News am 17. Januar, fünf Jahre nach der Prozession des Volto Santo vom Petersdom zur Kirche Santo Spirito in die Abruzzen kommen zu dürfen, wohin jährlich zahlreiche Pilger strömen.

"Das Heilige Angesicht ist letztlich der Schlüssel zum Angesicht Gottes", erklärte Gänswein gegenüber EWTN News.

"Christus sagt: Wer mich sieht, sieht Gott, sieht meinen Vater. Und das ist in der heutigen Zeit in der wir leben, wo wir uns ja des persönlichen Kontaktes entziehen müssen, uns kaum begegnen können, etwas ganz Tröstliches: Etwas, was den Menschen hilft, seien sie gesund, seien sie krank". 

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Der Kurienerzbischof und Privatsekretär von Papst emeritus Benedikt XVI. erklärte weiter: "Das eigentliche Ereignis heute ist, dass der damalige Papst Innozenz III. das Volto Santo damals, im Jahr zur Kirche Santo Spirito gebracht hat: Daran wird heute erinnert – diese erste Prozession; die Einladung: Kommt und seht das heilige Antlitz, betrachtet den barmherzigen Gott".

In seiner Predigt (voller Wortlaut hier) erinnerte Gänswein heute an die Pilgerfahrt von Benedikt XVI: "Papst Benedikt aber hat am 1. September 2006 das persönliche und 'menschliche Antlitz Gottes' wieder zurück in die Kirche und in alle Welt getragen. Er kam ganz allein und nicht im Gefolge seiner Berater oder der Kanoniker von Sankt Peter. Und er kam scheu und zurückhaltend, wie es seine Art ist, und nur zur Betrachtung und zum Gebet".

An eine Eucharistiefeier oder einen öffentlichen Segen mit dem Volto Santo war damals noch nicht zu denken, so Gänswein.

"Doch ihm sind dann Tausende von Pilgern hierhin gefolgt, die in seiner Nachfolge den Satz aus dem Evangelium des Johannes um die ganze Welt getragen haben: »Kommt und seht!«"  

Persönlich dankte der Erzbischof heute auch "für das kostbare Privileg, hier mit Ihnen für alle Kranken und Leidenden der ganzen Erde unter dem erbarmenden Blick Christi die Heiligen Eucharistie feiern zu dürfen: 'Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt!'"

Das Gesicht der Barmherzigkeit

Die Schweißtuch Veronikas, wird seit dem Fall Roms im Jahr 1527 in einem Kapuzinerkloster in den Abruzzen aufbewahrt. Wie der wohl weltweit führende Experte zu diesem Thema, Paul Badde, im Interview mit CNA erklärte, ist Veronika nicht unbedingt wörtlich als Name einer Person zu verstehen. Vielmehr handelt es sich bei diesem wunderbaren Schleier um

"ein einzigartig transparentes Tuchbild Christi, das im Lauf der Geschichte viele Namen hatte. Darunter ist der Name Veronika gewissermaßen eine Allegorie, die sich aus den lateinisch-griechischen Bestandteilen Vera Ikon (Wahres Bild) zusammensetzt.”

Bemerkenswert ist nicht nur der heilige Schleier selbst, der weder Farbe noch Blut enthält, wie Badde erklärt, sondern auch seine Geschichte. Schon vor 800 Jahren trugen es ein Papst als Vultus Misericordiae, also als "Gesicht der Barmherzigkeit” an den Ort eines der ältesten Krankenhäuser der Welt: Dem Santo Spirito. 

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