Immer mehr Morde an Christen: Hilfswerk legt neue Zahlen zu Verfolgung vor

Nordkorea weiter an Spitze des Weltverfolgungsindex - Situation in China und Indien dramatisch verschlechtert - 200 Millionen Christen weltweit verfolgt

Der Weltverfolgungsindex wird jedes Jahr neu veröffentlicht
Foto: Pixabay (CC0)
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Alarmierende Zahlen hat das Hilfswerk "Open Doors" am heutigen Mittwoch veröffentlicht. Mehr als 200 Millionen Christen werden weltweit einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt. Die Zahl der wegen ihres Glaubens ermordeten Christen ist sprunghaft angestiegen.

Im Jahr 2018 wurden demnach 4.136 Christen aufgrund ihres Glaubens getötet. Im Vorjahr waren es "nur" 2.782 Christen.

Es sind sowohl totalitäre Ideologien wie der Kommunismus und Ultranationalismus als auch extremistische Religionsformen, die zur Eskalation beitragen.

Der neue Weltverfolgungsindex dokumentiert aber nicht nur einen sprunghaften Anstieg der verzeichneten Morde an Christen, sondern auch wachsende Überwachung und Unterdrückung, die vor allem in der Volksrepublik China systematisch mit digitalgen Mitteln betrieben werde. 

An erster Stelle des Index steht weiterhin das kommunistisch regierte Nordkorea. Seit der ersten veröffentlichten Liste im Jahr 2003 ist hier die Situation für Christen nach Einschätzung des Berichtes am weltweit schlimmsten.

Auch auf den folgenden Plätzen des Index hat sich im Vergleich zu 2018 wenig verändert.

1. Nordkorea

2. Afghanistan (2018: Platz 2),

3. Somalia (3),

4. Libyen (7),

5. Pakistan (5),

6. Sudan (4),

7. Eritrea (6),

8. Jemen (9),

9. Iran (10) und

10. Indien (11).

Nicht mehr in der Liste der ersten zehn Staaten ist der Irak, der nach Platz acht im Vorjahr nun auf Rang 13 steht.

Indien steht erstmals unter den ersten zehn Ländern des Weltverfolgungsindex – 2014 stand es noch auf Platz 28.

Islamismus weiter tödliche Gefahr

Auch wenn der Islamische Staat viel Territorium im Nahen Osten eingebüßt hat: Der radikale Islam breitet sich weiter aus, auch und gerade in Afrika, so "Open Doors". In Ägypten werden Christen vom "Islamischen Staat im Sinai" mit der "Auslöschung" bedroht, und Kirchengemeinden terrorisiert.

In Somalia kämpft ein ebenfalls ein Ableger des IS. Insgesamt sind 30 gewalttätige islamistische Gruppen in Subsahara-Afrika aktiv, so Open Doors. Eine davon ist Boko Haram im - zudem von Gewalt durch die islamischen Fulani erschütterten - Nigeria, so "Open Doors".

In Nigeria wurden im vergangenen Jahr 3.731 Christen wegen ihres Glaubens an Jesus Christus ermordet. 569 Kirchen wurden angegriffen. Das Land, in dessen Norden mittlerweile "Scharia-Staaten" eingeführt wurden, ist damit weltweit trauriger Spitzenreiter. 

"Würde Nigeria hinsichtlich Verfolgung von Christen allein nach 'Auftreten von Gewalt' beurteilt, würde es dieses Jahr mit Pakistan den ersten Platz belegen", so der Bericht. 

Am meisten Christen inhaftiert hat dagegen China: 1.131 Christen wurden inhaftiert – viele ohne Gerichtsverfahren. Im Jahr zuvor seien es noch 134 gewesen, so das Hilfswerk. 

China geht systematisch gegen Katholiken vor 

Der Bericht von "Open Doors" bestätigt, was Menschenrechtler ebenfalls berichten: Das stark umstrittene Abkommen des Vatikans mit der Volksrepublik hat - bislang - keinerlei Verbesserung gebracht, besonders nicht für die geschätzten 12 Millionen Katholiken im Land.

Im Gegenteil: Die wachsende Verbreitung persönlicher digitaler Geräte mache es Regierungen leicht, Menschen durch elektronische Chips oder Gesichtserkennung und ähnliche Software zu kategorisieren und zu überwachen bzw. aufzuspüren, so der Bericht.

Diese zeige sich am deutlichsten in China, wo gezielt mit Regierungsmaßnahmen erreicht werden soll, dass Religion der Kommunistischen Partei dient, so der Bericht weiter.

"Auf den Websites zweier staatlicher Einrichtungen, die vom Vatikan und Peking anerkannte Bischöfe betreuen, ist ein Eid hinterlegt, mit dem unter anderem gelobt wird, sich an die Prinzipien der 'Unabhängigkeit vom Vatikan' zu halten. Derweil gelten andere katholische Priester weiterhin als 'vermisst'.'

Weiter meldet "Open Doors", dass die Behörden zwei beliebte katholische Pilgerstätten abreißen haben lassen (CNA Deutsch berichtete). 

Gewalt gegen christliche Frauen in Indien

Die wachsende Aggressivität radikaler Hinduisten indessen hat dafür gesorgt,  dass Indien erstmals unter den ersten zehn Ländern des Weltverfolgungsindexes steht. 

Die regierende hindunationalistische Partei BJP lasse extremistische Gruppen gewähren, so "Open Doors". So sei es 2018 allein bei dokumentierten Vorfällen zu Übergriffen auf etwa 100 Kirchen und 12.500 Christen gekommen. 200 seien verhaftet, mindestens zehn getötet worden.

Immer wieder gebe es Vergewaltigungen, so der Bericht. Doch dies sei ein globaler Trend: "Gezielte Angriffe auf Frauen und Kinder sind immer häufiger Teil der Verfolgungsdynamik."

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