Menschenrechtler: Abkommen zwischen Vatikan und China ist ein 'Schlag ins Gesicht'

Die Flaggen Chinas und des Vatikans.
Foto: FreshStock / Shutterstock
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In einer scharfen Kritik hat der chinesische Menschenrechtsaktivist Chen Guangcheng das Abkommen des Vatikans mit der Volksrepublik China über die Auswahl und Ernennung von Bischöfen als "absurd" bezeichnet.

Das im September verabschiedete Abkommen ist "ein Schlag ins Gesicht für Millionen von Katholiken und andere religiöse Menschen in China, die unter der Kommunistischen Partei (KP) echte Verfolgung erlitten haben", schreibt Chen in einem am 26. November Aufsatz in dem Magazin "Public Discourse".

Chen ist ein blinder Anwalt. Er wurde für seinen Einsatz gegen Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisierungen von Frauen im Rahmen der ehemaligen "Ein-Kind-Politik" Chinas verhaftet. Seine dramatische Flucht aus der Haft im Jahr 2012 führte dazu, dass er über die amerikanische Botschaft in Peking Asyl erhielt und schließlich als Visiting Fellow an der Catholic University of America - der Katholischen Universität von Amerika - in Washington D.C. arbeitete.

"Ich wuchs unter diesem parteistaatlichen System auf und erlebte persönlich die Gewalt und Brutalität der Kommunistischen Partei, und ich kannte und arbeitete mit unzähligen Personen in China, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden", schreibt Chen.

"Ich bin davon überzeugt, dass sich die aktiven Mitglieder der Untergrundkirche in China, die so lange gegen lähmende Verfolgung durchgehalten haben, jetzt nur verraten fühlen können".

Die Annäherung des Vatikans an die chinesische Regierung bringe die Führung der katholischen Kirche "einer Kommunistischen Partei näher, die für den Tod von über vierhundert Millionen ungeborenen Kindern und Hunderten von Millionen Chinesen verantwortlich ist", warnt Chen.

Der Aktivist schreibt, dass die Kommunistische Partei zunehmend religionsfeindlich gesinnt sei, während sich immer mehr Chinesen vom reinen Glauben an die Staatspartei abwenden, und an einer höheren Macht orientieren wollen.

"Die KP hat Priester verhaftet, christliche Gemeinden bedroht und Kirchen und Gotteshäuser durchsucht. Viele sind verschwunden und wurden unter diesem Regime gefoltert, weil sie sich weigerten, sich zu einer intoleranten politischen Partei zu bekennen. Sie legten damit Zeugnis ab von der Macht ihres Glaubens", so Chen.

Der Anwalt betont, dass jede Form von Religion "im Widerspruch steht zu dem selbstbezogenen Atheismus und der extremen Parteitreue, welche die KP seit langer Zeit versucht, der Bevölkerung zu vermitteln".

"Religion erfordert den Glauben an Ideen, die außerhalb der Reichweite des Regimes liegen."

Chen verweist auf Meldungen, denen zufolge die KP in den letzten Jahren allein in der Provinz Zhejiang mehr als 1.300 Kreuze und Kirchen zerstört hat.

In der Provinz Xinjiang wurden "Muslime zu Hunderttausenden zusammengetrieben und in Umerziehungslager gezwungen", sagt Chen.

Nach dem Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Peking vom 22. September zur "Normalisierung" der Situation der chinesischen Katholiken haben die chinesischen Behörden unter anderem zwei katholische Marienheiligtümer in Shanxi und Guizhou abgerissen, wie CNA Deutsch berichtete.

"Durch Isolation, Drohungen, Inhaftierung und Folter sorgt die KP für Instabilität und Unsicherheit, um jede aufkommende Bewegung, die eine Bedrohung für ihre Macht darstellen könnte, im Keim zu ersticken", schreibt der Menschenrechts-Aktivist.

"Es ist auch ein Regime, das weiß, wie man sich dem Westen präsentiert, sagt und tut die richtigen Dinge, um Unterstützung von Führern im Ausland zu erhalten. Sein Furnier der Höflichkeit ist ein Versuch, die Realität seiner Unmoral zu vertuschen", argumentiert Chen.

Vor der neuen Vereinbarung war die Kirche in China gespalten zwischen der im Untergrund existierenden, verfolgten Kirche, die in voller Einheit mit Rom war, und der staatlich kontrollierten "Patriotischen Katholischen Vereinigung". Deren Bischöfe ernannte die chinesische Regierung - sie waren somit automatisch exkommuniziert.

Mit dem neuen Abkommen erkennt der Vatikan unter anderem die - zum Teil als Abgeordnete der KP im Volkskongress sitzenden - "patriotischen Bischöfe" an, von denen bereits zwei bei der Jugendsynode einige Tage teilnahmen.  

Die genauen Einzelheiten des Abkommens wurden nicht veröffentlicht, aber offenbar wählt die kommunistische Regierung weiterhin die Bischöfe aus, die dann der Papst offenbar noch ernennt.

Papst Franziskus hat betont, dass er persönlich für den Deal verantwortlich ist und eingeräumt, dass dieser für gläubige Katholiken in China nun Leid bedeuten könne. Er rief diese in einem Brief Ende September dazu auf, "gute Bürger" zu sein

Der aus China geflohene Anwalt Chen indessen schreibt: "Offensichtlich ist die Vereinbarung ein unverhohlener politischer Schritt, der nur dazu bestimmt ist, den Interessen der KP zu dienen".

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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