Jugendbischof Wübbe: "Wir müssen unser Bestes geben"

Der Osnabrücker Weihbischof im Interview mit CNA Deutsch über gute "Jugendpastoral", Verbandsarbeit – und die Synodalitätssynode

Weihbischof Johannes Wübbe
Foto: Bistum Osnabrück

Die deutsche Bischofskonferenz hat am 21. September 2021 bei ihrer Herbstvollversammlung die Mitglieder der 14 bischöflichen Kommissionen für die neue Arbeitsperiode 2021 bis 2026 gewählt, darunter auch den Vorsitzenden der Jugendkommission, den Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe (55). Im Interview mit CNA Deutsch spricht der gebürtige Emsländer, der 1993 zum Priester geweiht wurde, über seine ersten Tage im Amt und die Rolle des Jugendbischofs.

Herr Weihbischof, als "neuer" Jugendbischof haben Sie ein potentiell sehr fruchtbares Aufgabenfeld. Was ist Ihr Eindruck der Situation der katholischen Jugend in Deutschland? 

Jugendpastoral in Deutschland ist nur nicht „potentiell“ ein sehr fruchtbares Feld, sondern wird in vielen Handlungsfeldern von vielen jungen Engagierten und Fachkräften aktiv gestaltet. Die Jugendpastoral ist ein Feld, das mir schon lange bekannt ist und ich freue mich darüber, dieses Feld nun als neuer Vorsitzender der Jugendkommission in den nächsten Jahren noch intensiver begleiten zu dürfen. Durch die Vielfalt unserer 15 jugendpastoralen Handlungsfelder, zu denen zum Beispiel die Ministrantenpastoral, die Jugendpastoral der Orden und die Jugendkirchen, aber auch die Jugendverbände, die katholische Jugendsozialarbeit, die Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen oder die politische Bildung zählen, können wir vielen jungen Menschen unterschiedliche Angebote machen und verschiedene Bedürfnisse bedienen. Die jugendpastorale Vielfalt ist auch auf www.jugendpastoral.de anschaulich dargestellt. Nicht zuletzt haben unsere neuen jugendpastoralen Leitlinien betont, wie wichtig es ist, diese Vielfalt zu fördern, um möglichst vielen jungen Menschen gerecht zu werden. Jugendpastoral ist der Dienst der Kirche an jungen Menschen und ist nicht nur Auftrag von wenigen, sondern vielmehr Querschnittsthema pastoralen Handelns. 

Welche Schwerpunkte möchten Sie persönlich in ihrer Rolle setzen? Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Wir haben bei unserer letzten Vollversammlung die bereits erwähnten neuen Leitlinien zur Jugendpastoral beraten und beschlossen. Nun gilt es diese Leitlinien fruchtbringend umzusetzen und jugendpastorales Handeln mit neuen Akzenten anzureichern. Daher wird eins meiner Hauptaugenmerke darauf liegen, diese Leitlinien gut in die Breite zu tragen und die Akteurinnen und Akteure der Jugendpastoral in der Umsetzung zu unterstützen. Zudem möchte ich die Vielfalt, die die deutsche Jugendpastoral zu bieten hat, weiterhin wertschätzend in den Blick nehmen, tiefer kennenlernen und begleiten. Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf junge Menschen in prekären Lebenswelten legen, die leider auch in der Pandemie immer wieder die Erfahrung machen müssen, „abgehängt“ zu werden. Wir dürfen diese Jugendlichen nicht aus dem Blick verlieren, sondern müssen auch hier unserem christlichen Auftrag nachgehen, für junge Menschen da sein und Kirche erlebbar machen. Zudem werden wir überlegen müssen, wie nach der Pandemie die Jugendarbeit aufgestellt sein muss.

Nicht nur Papst Franziskus hat es wiederholt angesprochen: Für katholische Jugendliche in Europa ist es zunehmend eine Herausforderung, sich im eigenen Umfeld, egal ob Schule, Verein oder Freundeskreis, als "katholisch" zu identifizieren oder leben. Wie bewerten Sie diese Frage? 

Jugendliche befinden sich mitten in der Phase der Identitätsfindung, probieren sich aus und finden heraus, in welche Richtung sich ihr Leben entwickelt. Da gehört es auch dazu, sich seiner katholischen Identität zu stellen, diese zu prüfen und den eigenen Weg zu finden. Sicher ist es nicht immer einfach, als junger Mensch katholisch zu sein. Wir erleben, dass Kirche oft nicht nah genug am jungen Menschen und an den Fragen, die diesen bewegen, dran ist, sie fühlen sich zudem in ihren Fragen und Ansichten nicht immer ernst genommen. Blickt man allerdings auf die Vielfalt der Jugendpastoral in ihren Feldern und Projekten und auf die Menschen die dort ehrenamtlich sowie hauptberuflich unterwegs sind, darf man auch erleben, dass sich auch viele junge Menschen gerne mit ihren Projekten und damit auch mit Kirche und dem christlichen Glauben identifizieren und sich engagieren. Hier können wir gut anknüpfen und müssen immer wieder unser Bestes geben, um positive Räume für junge Menschen zu schaffen, in denen sie sich und ihren Glauben entdecken und leben können.

Gleichzeitig sind in Deutschland die katholischen Jugendverbände finanziell und logistisch hervorragend aufgestellt. Wie relevant sind diese Verbände aus Ihrer Sicht? Was kann und muss sich ändern? 

Katholische Jugendverbände sind ein wertvoller Teil von Kirche und tragen zur Vielfalt der Jugendpastoral bei. Sie werden von jungen Menschen getragen, die glauben und die sich engagieren. Ich erlebe, dass hier junge Menschen gerne katholisch sind, dass sie sich einsetzen für ihre Kirche. Daher bin ich sehr dankbar, dass sie zur jugendpastoralen Landschaft beitragen und vielen jungen Menschen Heimat im Glauben geben. Zudem erlebe ich die Jugendverbände selbstkritisch in der Frage, wie sie es oder was sie tun müssen, damit Kinder und junge Menschen sich bei ihnen engagieren.

Die Frage zielt auch auf das Wissen und theologische Niveau mancher Äußerungen, egal ob beim "Syndolen Weg" oder durch Beschlüsse. Ein Beispiel: Junge praktizierende Christen, die Gott nicht als —Zitat — einen "strafenden, alten, weißen Mann mit Bart" sehen, wie die KjG, fühlen sich ja in solchen Gremien weder beheimatet noch von diesen vertreten. Im Gegenteil. Das kann ich Ihnen auch als Vater von vier Kindern, die u.a. auch gerne ministrieren, persönlich bestätigen. Was können Sie als Jugendbischof tun, damit auch katholische Jugendarbeit für "normale Gläubige" geleistet wird, die nicht Gott mit Genderstern schreiben?

Ich erlebe Jugendliche unterschiedlich, indem wie sie sind, was sie fragen. Wie bereits erwähnt, leben wir in Deutschland eine Vielfalt der Jugendpastoral. Die 15 Handlungsfelder setzen eigene Schwerpunkte - und das ist auch so gewollt. So können Räume geschaffen werden, wo sie sich ernst genommen und verwirklichen können Jedes Feld trägt mit seinen Spezifika und seinem Engagement, sei es beispielsweise verstärkt im diakonischen oder im liturgischen Bereich zum Auftrag Christi bei. Und ist das nicht etwas Wunderbares, das man unbedingt wertschätzen sollte? Jugendpastoral hat Jugendlichen, die ihre Suche nach Gott auch im Nachdenken über den Gottesbegriff zum Ausdruck bringen, als auch Jugendlichen, für die andere Fragen im Vordergrund stehen, etwas zu bieten. Im Synodalen Weg treffen viele verschiedene Menschen aufeinander; um einander kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Hier ist es absolut gewollt, dass nicht alle die gleiche „Sprache“ sprechen, sondern, dass die Sprachen des anderen gehört und ein Stück weit gelernt werden. Die Suche nach Jesus Christus ist das, was die Teilnehmenden vereint. Hier kommt es nicht auf „theologisches Niveau“ an; zumal ich keinesfalls jungen Menschen absprechen kann, dass diese ohne „theologisches Niveau“ und ohne Wissen an diesen Diskussionen teilnehmen. 

Die Kirche bereitet sich auf die Synode zur Synodalität vor. Wie können, wie werden im aktuellen Prozess die Stimmen katholischer Jugendlicher in deutschen Diözesen gehört und aufgenommen?

Der Prozess in den Diözesen zur Synode ist aktuell angelaufen. Hier ist es möglich und natürlich auch gewollt, dass junge Menschen beteiligt werden und sich einbringen können. Ebenso laufen vielerorts aktuell diözesane Prozesse zur Neuaufstellung der Pastoral, in die ebenfalls junge Menschen und die Fachabteilungen zur Jugendpastoral eingebunden sind. Auch in dieser Hinsicht hat die Vollversammlung mit ihrem einstimmigen Votum zu den neuen Leitlinien zur Jugendpastoral betont, wie wichtig Jugendpastoral ist und wie Jugendpastoral in Deutschland gelingen kann. Das wird sicher auch seinen Weg in die Synode finden und dort Einfluss nehmen. 

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