Kardinal Becciu: Ja, habe Heimatdiözese "bevorzugt", aber das ist kein Skandal

Kardinal Angelo Becciu
Foto: Claude Truong-Ngoc / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Der von seinen Ämtern und Rechten als Kardinal entbundene Kardinal Angelo Becciu, der sich in einem Korruptionsprozess im Vatikan gegen Vorwürfe von Veruntreuung und anderer Finanzverbrechen wehrt, hat sich erneut zu Wort gemeldet.

Der italienische Prälat bestritt bei einer diözesanen Caritas-Veranstaltung, sich falsch verhalten zu haben. Pikanterweise wird Becciu jedoch beschuldigt, dem Veranstalter, der ihn als Redner einlud, ebenfalls zu Unrecht Gelder aus dem Vatikan zugespielt zu haben. 

Laut der Lokalzeitung La Nuova Sardegna sagte der Kardinal während einer Konferenz am 14. November, auf der er eine neue karitative Initiative vorstellte, den Caritas-Mitgliedern, er sei "stolz, dankbar und glücklich, Ihnen geholfen zu haben. Wo ist der Skandal?"

Becciu, der diesen Sommer vom Vatikan der Veruntreuung und des Amtsmissbrauchs angeklagt wurde, hat stets jegliches Fehlverhalten vehement abgestritten. Letztes Jahr dementierte er Berichte, wonach er Gelder des Vatikans und der italienischen Bischofskonferenz an das Unternehmen seines Bruders weitergeleitet haben soll, das mit der örtlichen Niederlassung der Caritas zusammenarbeitet.

Das Caritas-Büro ist Teil der katholischen Diözese Ozieri im Norden der italienischen Insel Sardinien, wo Becciu herkommt.

Die Medien "beschuldigten mich, meine Diözese begünstigt zu haben: Das ist wahr, und was ist daran skandalös? Ich habe es als Nuntius in Angola und Kuba getan, warum nicht hier?" sagte Becciu nach Angaben von La Nuova Sardegna wörtlich.

"Das Wenige, was ich tun konnte, hat wunderbare Ergebnisse gebracht: Warum also Skandale verursachen?", fuhr er fort.

Auf der von der Caritas organisierten Konferenz fragte er: "Warum mich, meine Familie und diese Diözese massakrieren? Der mediale Schlamm, der entstanden ist, hat für Sie alle eine Demütigung bedeutet, die ich zutiefst bedaure."

Becciu, der vor seinem Rücktritt als Sondergesandter von Papst Franziskus für den Malteserorden beauftragt und zum Präfekten der Kongregation für die Heiligsprechungsverfahren befördert worden war, konzelebrierte auch die Messe in der Basilika Sant'Antioco di Bisarcio in Ozieri zum Fest des Heiligen Antiochus von Sulcis, einem der ersten christlichen Märtyrer Sardiniens, zusammen mit dem Bischof von Ozieri, Corrado Melis.

Becciu (73) und seine Familie stammen aus Pattada, einem Ort in der Diözese Ozieri, in der Becciu 1972 zum Priester geweiht wurde. Er ist promovierter Kirchenrechtler und war für den Vatikan unter anderem in Angola und auf Kuba im Dienst. Papst Benedikt XVI. beförderte ihn 2011 zum mächtigen Sostituto des Staatssekretariates.

Einer von Beccius Brüdern, Tonino Becciu, ist Präsident und gesetzlicher Vertreter von Spes Cooperative, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung und dem operativen Arm der diözesanen Caritas.

Im Jahr 2020 wurde Becciu beschuldigt, Gelder des Vatikans und der italienischen Bischöfe für "Darlehen" an die Kooperative seines Bruders verwendet zu haben.

Die italienische Wochenzeitung L'Espresso berichtete, dass Becciu zwei Darlehen von der italienischen Bischofskonferenz erhalten habe, um zwei nicht rückzahlbare Darlehen in Höhe von jeweils 300.000 Euro an die Spes Cooperative in den Jahren 2013 und 2015 auszuzahlen.

Im Jahr 2018 habe Becciu der Spes Cooperative eine dritte Summe von 100.000 Euro aus dem Fonds Peter's Pence zur Verfügung gestellt, den er als damals Sostituto im Staatssekretariat kontrollierte.

Etwa zur gleichen Zeit, als der Bericht über die Spes Cooperative im September 2020 veröffentlicht wurde, forderte Papst Franziskus Becciu auf, auf die Rechte der Mitglieder des Kardinalskollegiums zu verzichten und als Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse zurückzutreten.

Im Juni führte die italienische Finanzpolizei im Auftrag der vatikanischen Staatsanwaltschaft Durchsuchungen in den Büros von Spes Cooperativa, Caritas und der Diözese Ozieri durch.

Der von seiner Unschuld offensichtlich weiter überzeugte Becciu wurde im darauffolgenden Monat der Straftaten der Veruntreuung und des Amtsmissbrauchs angeklagt. Er ist einer von 10 Angeklagten im größten Finanzprozess des Vatikans der jüngeren Geschichte. Der Prozess, bei dem es um den Kauf eines Grundstücks in London durch das Staatssekretariat geht, begann Ende Juli. Die nächste Anhörung wird voraussichtlich am 17. November stattfinden.

Auf der Veranstaltung am 14. November beteuerte Becciu nicht nur sein Verhalten. Er beschuldigte die Medien, über seine Familie, seinen Bruder Tonino und die Angestellten und Freiwilligen der Caritas "mit Verleumdungen" zu berichten und fügte hinzu, dass "ein Prozess im Gange ist, in dem ich mich verteidigen und beweisen werde, dass es sich um Verleumdungen handelt".

"Sie haben mir Konten in Steueroasen zugeschrieben, aber das Paradies, das ich kenne, ist etwas anderes", fuhr er fort. "Sie haben mich beschuldigt, Zeugen zu bezahlen, aber das ist alles falsch, das sind Anschuldigungen, die ich zurückweise und ich werde es beweisen."

Über die Verbrechen, die ihm gerichtlich zur Last gelegt werden, äußerte sich Becciu dagegen nicht, so Beobachter.

Stattdessen sagte der machtbewußte Kirchenmann: "Aber heute werden wir nicht darüber nachdenken, heute müssen wir glücklich sein, denn heute ist ein Tag zum Feiern".

Berichte über diverse Gefälligkeiten und fragwürdige Geschäfte des Sardiniers – unter anderem mit Kirchengeldern für Verwandte, Freunde und Bekannte während seiner Jahre als Diplomat des Vatikans skandalisierten seit langem Gläubige, berichten Beobachter. 

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.