Kardinal Grech: "Synodale Kirche ist hörende Kirche"

Kardinal Mario Grech
Foto: Daniel Ibáñez / CNA Deutsch

Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der Bischofssynode, hat in einem Beitrag für die „Herder Korrespondenz“ (Juli-Ausgabe) sein theologisches Verständnis von Synodalität dargestellt.

„Eine synodale Kirche ist eine hörende Kirche“, so Grech. Hören sei das Grundprinzip des christlichen Lebens und der Kirche. Dabei müsse nicht nur das Volk auf die Bischöfe hören, sondern alle Gläubigen müssten sich gegenseitig angehören. Auf diese Weise könne das ganze Gottesvolk zum „Subjekt der Unfehlbarkeit in credendo (im Glauben)“ werden, schreibt der Bischof von Gozo (Malta).

Für kirchliche Entscheidungen über Glaubensfragen brauche es eine „Konsultation des Gottesvolkes“. Da nicht „aus allem, was gesagt wird, die Stimme des Geistes“ spreche, bedürfe es der „Unterscheidung“. Diese komme den Bischöfen zu, weil sie in der Kirche „das Amt der Leitung“ innehätten.

Im Oktober 2021 hat die katholische Kirche die erste Phase eines weltweiten zweijährigen synodalen Prozesses eingeleitet, der 2023 in einer Bischofssynode über Synodalität in Rom gipfelt.

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Der Malteser Grech, als Generalsekretär der Bischofssynode, ist der Hauptorganisator des Veranstaltung.

Der Kardinal sagte im März gegenüber der "Catholic News Agency" (CNA), dass die Synodalitätssynode die Frage beantworten soll, "welche Art von Kirche der Heilige Geist uns für heute erleuchtet".

"Indem wir dem Volk Gottes diese Themen vorlegen, hoffen wir, dass wir ihm helfen können, sich in einer Haltung des Gebets auf diesen Unterscheidungsprozess einzulassen", sagte er wörtlich in einem Interview am 17. Februar.

"Denn schließlich ist dies kein Meinungsaustausch - ich sage meine Meinung und Sie sagen Ihre - sondern wir versuchen gemeinsam als Gemeinschaft diese persönliche Unterscheidung und diese kirchliche Unterscheidung zu treffen, die ein gemeinsames Hören auf den Heiligen Geist ist."

Die Synode über die Synodalität befindet sich derzeit in der diözesanen Phase, in der jeder Bischof aufgefordert ist, einen Konsultationsprozess mit seiner Ortskirche durchzuführen und die Ergebnisse bis zum 15. August an den Vatikan zu übermitteln.

Eine zweite, kontinentale Phase wird von September 2022 bis März 2023 stattfinden, im Vorfeld der XVI. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode im Vatikan im Oktober 2023.

Grech sagte gegenüber CNA, eine der größten Herausforderungen sei es, zu verstehen, "was Synodalität wirklich bedeutet".

"Obwohl sie ein konstitutionelles Element der Kirche ist, haben wir leider immer noch Schwierigkeiten, herauszufinden, was Synodalität bedeutet, wie wir wirklich zusammen gehen können, wie wir wirklich Raum für alle Getauften schaffen können, damit wir eine Kirche sein können. Ich glaube, ja, das ist eine der Schwierigkeiten, auf die wir stoßen", sagte der 65-jährige Kardinal.

Grech fügte hinzu, dass die Bedeutung der Synodalität im Laufe der Zeit immer klarer werde und dass die Menschen sich immer mehr für den synodalen Prozess engagierten und interessierten.

"Wie ich bereits angedeutet habe, handelt es sich um eine geistliche Übung, eine geistliche Erfahrung. Daher denke ich, dass eine der wichtigsten Dimensionen dieses Prozesses darin besteht, dass wir uns hinknien und unsere Ohren für das Wort Gottes öffnen", sagte er. "Andernfalls befürchte ich, dass wir diese zutiefst kirchliche Erfahrung in eine weltliche Erfahrung verwandeln werden, und das ist nicht gut.

Das Thema der Vollversammlung 2023 in Rom lautet "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Mission".

Grech erklärte, dass es in der katholischen Kirche verschiedene Arten von "Synoden" gibt.

"Zum Beispiel sind Kirchenkonzilien Synoden, und die Kirchenkonzilien haben eine Entwicklung in der Lehre bewirkt, aber wenn wir zum Beispiel von einer Diözesansynode oder einer nationalen Synode sprechen, dann sind das verschiedene Erfahrungen einer synodalen Kirche", sagte er.

Den "Synodalen Weg" in Deutschland bezeichnete er als eine "synodale Erfahrung auf nationaler Ebene", zusammen mit dem Partikularkonzil in Australien und den in Vorbereitung befindlichen Nationalsynoden in Irland und Italien.

"Synodalität wird als eine wichtige Dimension der Kirche angesehen, und so wird jede Kirche, auch eine lokale, eine Teilkirche, ermutigt, diesen synodalen Stil anzunehmen. Doch jede Synode hat ihren eigenen Stellenwert", sagte er.

Grech erklärte, dass sein Büro im Vatikan zur Verfügung stehe, um die Kirchenführer in den verschiedenen Ländern bei ihrer "synodalen Erfahrung" zu unterstützen und zu begleiten.

Auch die derzeitige Bischofssynode, sagte er, "hat keine Macht, irgendeine Lehre zu ändern. Die Synode kann natürlich mehr in die Tiefe gehen, über die Wahrheit, unsere Glaubensgrundsätze. Aber wie Episcopalis communio sagt, ist es Sache des Heiligen Vaters, die endgültige Entscheidung zu treffen. Er ist der Petrus für die Kirche. Und wir haben dieses Vertrauen in ihn. Durch die Synode, die Bischöfe, Petrus, das Hören auf das ganze Volk Gottes, werden wir natürlich mehr Hilfe bekommen, mehr Unterstützung, um die Wahrheit zu finden."

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