Kardinal Marx: Können Kirchenrecht nicht ändern, aber "Kirche steht vor epochalem Wandel"

Kardinal Reinhard Marx
Foto: CNA / Daniel Ibanez
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Kardinal Reinhard Marx hat - nach dem warnenden Brief von Papst Franziskus an die Katholiken Deutschland - den "Synodalen Weg"  als ein "Lesen der Zeichen der Zeit" bezeichnet, allerdings "im Licht des Evangeliums".

Er spüre, "dass es einen Epochenwandel gibt. Wer das nicht sieht, hat sein geistiges und intellektuelles Auge nicht richtig justiert", sagte Marx beim Jahresempfang des Erzbistums am Mittwochabend in München.

"Weichenstellungen sind wichtig, aber die Orientierung kann nur in Jesus Christus liegen, im Evangelium. Es wird ein Ringen sein, und wir werden das in einer gemeinschaftlichen Weise tun", so der Erzbischof weiter.

Tatsächlich sind - nach früheren Aussagen von Marx, der "Synodale Weg" sei von den Bischöfen in Deutschland einvernehmlich beschlossen worden, mehrere Oberhirten zum angekündigten Prozess auf kritische Distanz gegangen, darunter der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa.

Wie CNA Deutsch berichtete, hat Papst Franziskus in seinem Brief an das "pilgernde Gottesvolk in Deutschland" betont, es müsse Bedingungen und Voraussetzungen für diesen Prozess geben.

"Was dieser konkret bedeutet und wie er sich entwickelt, wird sicherlich noch tiefer in Betracht gezogen werden müssen", so Franziskus wörtlich. Zudem bedeute der gemeinsame Weg unter der Führung des Heiligen Geistes, "das Volk Gottes aufzubauen, statt nach unmittelbaren Ergebnissen mit voreiligen und medialen Folgen zu suchen", warnt der Papst.

Ihm gehe es nicht darum, wer Verlierer oder Gewinner sei, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwochabend. "Wer so redet, redet ungeistlich", so Marx.

Mit Blick auf den von ihm verkündeten "Synodalen Weg" sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz am 4. Juli weiter: "Wir können in diesem Rahmen nicht das Kirchenrecht verändern. Aber es ist gut, dass Diskussionen geführt werden, auch über Dinge, die früher tabuisiert waren."

In diesem Sinne sei der Synodale Weg für ihn ein "Weg der Ermutigung".

"Dass Kirche verschwindet, das glaube ich nicht", so Marx, wohl aber, dass sie vor großen Herausforderungen stehe. Der Kardinal zu den geladenen Gästen in der bayerischen Landeshauptstadt: "Wir fahren auf Sicht".

Marx weiter: "Die Zeichen der Zeit zu lesen im Licht des Evangeliums, darauf kommt es an." Er wolle dort sein, "wo ein pilgerndes Gottesvolk ohne Angst weitergeht und die Möglichkeiten Gottes entdeckt, die größer sind als das, was wir uns in einer langen Geschichte zurechtgelegt haben".

Wie CNA Deutsch berichtete, hatte Marx nach dem Treffen der deutschen Bischöfe im März 2019 angekündigt, man würde sich auf einen "verbindlichen synodalen Weg" begeben, und dabei unter anderem mit dem Zölibat, der Sexualmoral und der "Machtstruktur" der Kirche befassen.

Zum traditionellen Jahresempfang des Erzbischofs von München und Freising und des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese waren rund 600 Vertreter aus Kirche, Gesellschaft und Politik gekommen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach ein Grußwort.

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