Kardinal Pell kritisierte kurz vor seinem Tod den synodalen Prozess des Papstes deutlich

Kardinal George Pell
Foto: screenshot / EWTN

In einem kurz vor seinem Tod am 10. Januar verfassten Artikel hat der australische Kardinal George Pell den von Papst Franziskus initiierten mehrjährigen weltweiten synodalen Prozess scharf kritisiert. Es gehe den Synodalen darum, das zu „errichten, was sie als ‚Gottes Traum‘ von der Synodalität betrachten“, was sich aber „zu einem giftigen Albtraum“ entwickelt habe.

Den Relator der Synode, Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ, verurteilte Pell für dafür, dass er „die Grundlehren der Kirche zur Sexualität öffentlich abgelehnt hat, mit der Begründung, dass sie der modernen Wissenschaft widersprechen“. Der Kardinal ist überzeugt: „In normalen Zeiten hätte dies bedeutet, dass seine weitere Tätigkeit als Relator unangemessen, ja unmöglich gewesen wäre.“

Der Artikel wurde posthum am 11. Januar vom Magazin „The Spectator“ veröffentlicht.

Das erste Arbeitspapier der Synode zur Synodalität mit dem Titel „Mach den Raum deines Zeltes weit“ sei „eines der unverständlichsten Dokumente, die je aus Rom verschickt wurden“, so Pell. Dem Text zufolge sei der Begriff „Synodalität „als Seinsweise der Kirche nicht zu definieren, sondern muss einfach gelebt werden“.

Man lese, „dass das Volk Gottes neue Strategien braucht; nicht Streit und Zusammenstöße, sondern Dialog, bei dem die Unterscheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen verworfen wird“, fasste der Kardinal zusammen. „Das Volk Gottes muss tatsächlich auf den Schrei der Armen und der Erde hören, heißt es.“

Und weiter: „Aufgrund der Meinungsverschiedenheiten über Abtreibung, Empfängnisverhütung, die Ordination von Frauen zum Priesteramt und homosexuelle Handlungen sind einige der Meinung, dass keine endgültigen Positionen zu diesen Themen festgelegt oder vorgeschlagen werden können. Dies gilt auch für die Polygamie sowie die Scheidung und Wiederheirat.“

„Was soll man von diesem Potpourri, diesem Ausfluss des guten Willens des New Age halten?“, fragte Pell. „Es handelt sich nicht um eine Zusammenfassung des katholischen Glaubens oder der neutestamentlichen Lehre. Es ist unvollständig, in erheblichem Maße feindselig gegenüber der apostolischen Tradition und erkennt nirgendwo das Neue Testament als das Wort Gottes an, das für alle Lehren über Glauben und Moral maßgebend ist.“ Auch das Alte Testament werde „ignoriert“, darunter die Zehn Gebote.

„Die Synoden müssen sich entscheiden, ob sie Diener und Verteidiger der apostolischen Tradition in Glaubens- und Sittenfragen sind, oder ob ihr Urteilsvermögen sie dazu zwingt, ihre Souveränität über die katholische Lehre geltend zu machen“, betonte der Kardinal. Der zunächst im Jahr 2020 angekündigte synodale Prozess soll mit zwei Bischofssynoden – im Herbst 2023 und im Herbst 2024 – seinen Abschluss finden.

Arbeitspapiere seien „nicht Teil des Lehramtes“, stelle Pell abschließend klar. Und dennoch: „Sie sind eine Diskussionsgrundlage, die vom ganzen Volk Gottes und insbesondere von den Bischöfen mit und unter dem Papst zu beurteilen ist. Dieses Arbeitsdokument muss radikal geändert werden. Die Bischöfe müssen erkennen, dass in Gottes Namen eher früher als später etwas getan werden muss.“

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