Kirche in Polen verzeichnet hunderte neue Missbrauchsvorwürfe

Erzbischof Polak, Mitte, bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung eines Berichts über kirchlichen Missbrauch in Polen, 28. Juni 2021.
Foto: @EpiskopatNews

Die katholische Kirche in Polen gab am Montag bekannt, dass sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren 368 Vorwürfe sexueller Gewalt durch Kleriker erhalten hat.

Die Vorwürfe beziehen sich auf mutmaßliche Fälle von Missbrauch, die von 292 Priestern und Ordensleuten zwischen 1958 und 2020 verübt worden sein sollen, meldete die Catholic News Agency (CNA).

Ein Bericht, der am 28. Juni vom Institut für Statistik der katholischen Kirche veröffentlicht wurde, sagte, dass die Anschuldigungen zwischen dem 1. Juli 2018 und dem 31. Dezember 2020 erhoben wurden.

Der Bericht kommt in einer Zeit des Umbruchs in der polnischen katholischen Kirche. Seit November 2020 hat der Vatikan eine Reihe von hauptsächlich pensionierten polnischen Bischöfen nach Untersuchungen unter Papst Franziskus' Motu proprio 2019 Vos estis lux mundi diszipliniert.

Am Montag trat Bischof Zbigniew Kiernikowski als Bischof von Legnica im Südwesten Polens zurück, Tage vor seinem 75. Geburtstag, nach einer Vos estis-Untersuchung über seinen Umgang mit klerikalen Missbrauchsfällen.

Tage zuvor ergriff der Vatikan Maßnahmen gegen zwei andere polnische Bischöfe nach Untersuchungen.

Kardinal Stanisław Dziwisz, ehemaliger Sekretär von St. Johannes Paul II., wird vorgeworfen, Missbrauchsfälle falsch geregelt zu haben, während seiner Zeit als Erzbischof von Krakau in den Jahren 2005 bis 2016.

Der neue Bericht sagte, dass die Hälfte der Vorwürfe, die seit Mitte 2018 erhoben wurden, immer noch untersucht werden. Etwa 40 Prozent wurden im Vorfeld bestätigt oder von der vatikanischen Glaubenskongregation als begründet bezeichnet, während 10 Prozent als unbegründet angesehen und zurückgewiesen wurden.

Von den 173 Fällen, die Kinder unter 15 Jahren betrafen, wurden 148 den staatlichen Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Von den 25 Fällen, die nicht gemeldet wurden, bezogen sich 13 auf verstorbene Geistliche, acht wurden als unbegründet angesehen und vier waren noch in der Überprüfung, als der neue Bericht zusammengestellt wurde.

Achtundsechzig der 368 Vorwürfe betrafen Ordensgemeinschaften, während 300 sich auf Diözesen bezogen.

Die neuen Zahlen knüpfen an einen früheren Bericht an, der im März 2019 veröffentlicht wurde und in dem es hieß, dass 382 Vorwürfe von klerikalem Missbrauch zwischen 1990 und 2018 erhoben wurden, die sich auf Vorfälle von 1950 bis 2018 bezogen.

Bei der Vorstellung des neuen Berichts auf einer Pressekonferenz am 28. Juni wies Polens Primas, Erzbischof Wojciech Polak, darauf hin, dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gądecki, die Sünde des Missbrauchs im Klerus hervorgehoben hatte, als er Polen am 11. Juni dem Heiligsten Herzen weihte.

"Heute wende ich mich als Delegierter der polnischen Bischofskonferenz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen an die Betroffenen und alle, die durch das Böse in der Kirche skandalisiert wurden, und bitte erneut um Vergebung", sagte Polak. Er dankte auch Journalisten für ihren Beitrag an der Aufdeckung von sexueller Gewalt und deren Vertuschung.

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