Nach scharfem Protest von Missbrauchsopfern: Kardinal Marx verzichtet auf Auszeichnung

Kardinal Reinhard Marx im Gespräch mit Journalisten am letzten Tag der Tagung zum Thema "Jugendschutz in der Kirche" am 24. Februar 2019 in Rom.
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Nach scharfer Kritik durch Betroffene sexuellen Missbrauchs an der geplanten Auszeichnung von Kardinal Reinhard Marx mit dem Bundesverdienstkreuz hat der Erzbischof von München und Freising auf die Ehrung verzichtet, teilte das Erzbistum am heutigen Dienstag mit.

In einem Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier danke Marx zwar für die "hohe Ehre der Verleihung". Gleichzeitig bittet der Kardinal jedoch, an dieser nicht länger festzuhalten: "Meine große Bitte an Sie ist, die Auszeichnung nicht vorzunehmen", heißt es wörtlich in dem Schreiben vom 27. April. "Ich bin überzeugt, dass das mit Rücksicht auf diejenigen, die offensichtlich an der Auszeichnung Anstoß nehmen, und insbesondere mit Rücksicht auf die Betroffenen, der richtige Schritt ist", so Marx.

Wie CNA Deutsch berichtete, hatten Betroffene sexueller Gewalt in einem Brief an den Bundespräsidenten erklärt: "Es ist uns nicht verständlich, wie Sie Herrn Kardinal Marx das Bundesverdienstkreuz verleihen  können, einem Mann, der nach wie vor in der Kritik steht, Fällen sexualisierter Gewalt in seinem früheren Bistum Trier nicht konsequent nachgegangen zu sein und dem man in diesem Zusammenhang Vertuschung vorwirft".

Ebenso habe Marx ein Gutachten "hinsichtlich der Fälle sexualisierter Gewalt im Erzbistum Freising-München, welches im Jahr 2010 veröffentlicht werden sollte, nach dem  Vorzeigen sang- und klanglos im Tresor verschwinden lassen". Der Inhalt dieses Gutachtens sei "bis heute der Öffentlichkeit nicht zugänglich, ganz im Gegensatz zu dem Gutachten des Erzbistums Köln", so der Brief weiter.

Kardinal Marx erklärte am heutigen 27. April, er wolle mit seiner Bitte auch negative Interpretationen verhindern im Blick auf andere Menschen, denen die Auszeichnung zuteil geworden sei. "Selbstverständlich möchte ich auch dem Amt des Bundespräsidenten keinen Schaden zufügen."

Der ehemalige Bischof von Trier schreibt weiter: "Die Kritik, die nun von Menschen geäußert wird, die von sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche betroffen sind, nehme ich sehr ernst, unabhängig von der Richtigkeit der einzelnen Aussagen in Offenen Briefen und in der medialen Öffentlichkeit."

Der Kardinal äußerte die Hoffnung, dass er mit diesem Schritt vielleicht auch ein Zeichen setzen könne, "dass mir die weitere Aufarbeitung und nach Möglichkeit Heilung im Bereich von sexuellem Missbrauch in Kirche und Gesellschaft ein wichtiges Anliegen bleibt". 

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