Papst Franziskus an Jesuiten in Slowakei: "Einige Leute wollten, dass ich sterbe"

Papst Franziskus spricht bei einem ökumenischen Treffen in der apostolischen Nuntiatur in Bratislava, Slowakei, 12. September 2021.
Foto: Vatican Media

Bei einem privaten Treffen mit Jesuiten in der Slowakei am 12. September sagte Papst Franziskus, dass es Menschen gab, die ihm nach seiner Darmoperation im Juli den Tod wünschten.

Während des Treffens fragte ein Jesuitenpater den Papst, wie es ihm gehe, woraufhin er antwortete: "Ich lebe noch, auch wenn einige Leute wollten, dass ich sterbe".

"Ich weiß, dass es sogar Treffen zwischen Prälaten gab, die der Meinung waren, der Zustand des Papstes sei ernster als die offizielle Version. Sie haben sich auf das Konklave vorbereitet", fügte er hinzu. "Geduld! Gott sei Dank, es geht mir gut."

Papst Franziskus beantwortete während seines Besuchs in der Slowakei (12.-15. September) bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen in der slowakischen Hauptstadt Bratislava Fragen von Jesuitenbrüdern.

Es war sein erster Besuch seit seinem Krankenhausaufenthalt am 4. Juli, bei dem er sich einer Operation unterziehen musste. Die dreistündige Operation umfasste eine linke Hemikolektomie, also die Entfernung einer Seite des Dickdarms.

Nach der Operation begannen Berichten zufolge in sozialen Medien Gerüchte zu kursieren, dass Papst Franziskus bald zurücktreten könnte, die zum Teil auf Behauptungen beruhten, dass der Papst möglicherweise an einer "degenerativen" und "chronischen" Krankheit leide.

Der Text des privaten Treffens des Papstes mit Jesuiten in der Slowakei am 12. September wurde nun von der – vom Vatikan beaufsichtigten – Jesuitenzeitschrift "La Civiltà Cattolica" am 21. September veröffentlicht.

Während des Treffens sprach demanch ein Jesuit mit Papst Franziskus über die Spannungen in der katholischen Kirche in der Slowakei und sagte, dass einige Leute Franziskus als "heterodox" ansehen, während andere ihn "idealisieren".

"Wir Jesuiten versuchen, diese Spaltung zu überwinden", sagte er und fragte: "Wie gehen Sie mit Menschen um, die Sie mit Misstrauen betrachten?"

Papst Franziskus sagte dazu, dass "es zum Beispiel einen großen katholischen Fernsehsender gibt, der nicht zögert, ständig schlecht über den Papst zu sprechen."

"Ich persönlich verdiene Angriffe und Beleidigungen, weil ich ein Sünder bin, aber die Kirche verdient sie nicht. Sie sind das Werk des Teufels", sagte er.

Der Papst fügte hinzu, dass es auch Kleriker gebe, die "böse Bemerkungen" über ihn gemacht hätten.

"Ich verliere manchmal die Geduld, vor allem wenn sie Urteile fällen, ohne in einen echten Dialog einzutreten. Da kann ich nichts machen. Aber ich mache weiter, ohne in ihre Gedanken- und Fantasiewelt einzutreten. Ich will sie nicht betreten, und deshalb ziehe ich es vor, zu predigen, zu predigen...", sagte er.

"Manche Leute werfen mir vor, dass ich nicht über Heiligkeit spreche", fuhr er fort. "Sie sagen, dass ich immer über soziale Themen spreche und dass ich ein Kommunist bin. Doch ich habe ein ganzes apostolisches Schreiben über die Heiligkeit verfasst, Gaudete et exsultate".

Der Papst fuhr fort, seine jüngsten Maßnahmen gegen die Feier der traditionellen lateinischen Messe anzusprechen, die er in dem Motu proprio Traditionis custodes am 16. Juli in Kraft setzte.

"Jetzt hoffe ich, dass wir mit der Entscheidung, den Automatismus des alten Ritus zu beenden, zu den wahren Absichten von Benedikt XVI. und Johannes Paul II. zurückkehren können", sagte er laut dem Artikel des Jesuitenmagazins. "Von nun an müssen diejenigen, die mit dem Vetus Ordo [traditionelle lateinische Messe] zelebrieren wollen, Rom um Erlaubnis bitten, wie es beim Biritualismus der Fall ist."

Biritualismus ist das zeitweilige oder dauerhafte Privileg eines Priesters, die Liturgie in mehr als einem Ritus zu feiern und die Sakramente zu spenden, z. B. im lateinischen Ritus und einem der östlichen Riten.

Papst Franziskus bezeichnete Berichte, wonach einige junge Priester einen Monat nach ihrer Priesterweihe ihren Bischof um die Erlaubnis gebeten hatten, die traditionelle lateinische Messe zu feiern, als "ein Phänomen, das darauf hindeutet, dass wir uns rückwärts bewegen".

In einem früheren Teil des Treffens klagte Papst Franziskus auch über eine "Ideologie des Rückschritts", die, wie er sagte, kein universelles Problem in der Kirche sei, sondern einige Länder betreffe.

"Die Versuchung, rückwärts zu gehen. Darunter leiden wir heute in der Kirche", sagte er.

Papst Franziskus erzählte eine Anekdote, die ihm ein Kardinal über zwei seiner frisch geweihten Priester erzählte, die um die Erlaubnis baten, Latein zu lernen, um die Messe gut feiern zu können.

Dem Papst zufolge antwortete der Kardinal "mit einem Sinn für Humor" und sagte den Priestern: "Aber es gibt viele Hispanoamerikaner in der Diözese! Lernt Spanisch, um predigen zu können. Wenn Sie dann Spanisch gelernt haben, kommen Sie zu mir, und ich werde Ihnen sagen, wie viele Vietnamesen es in der Diözese gibt, und ich werde Sie bitten, Vietnamesisch zu lernen. Wenn ihr dann Vietnamesisch gelernt habt, werde ich euch die Erlaubnis geben, Latein zu lernen."

Der Kardinal habe die Priester "'landen' lassen, er habe sie auf die Erde zurückkehren lassen", so der Papst.

"Ich gehe voran, nicht weil ich eine Revolution anzetteln will", sagte Papst Franziskus. "Ich tue, was ich für notwendig halte. Das erfordert viel Geduld, Gebet und viel Nächstenliebe."

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.