Papst Franziskus: Der Glaube ist kein "Schlaflied", sondern ein "Feuer"

Papst Franziskus, 14. August 2022
Foto: screenshot / YouTube / Vatican News

Beim traditionellen Angelusgebet am Sonntagmittag betonte Papst Franziskus, der Glaube sei kein "Schlaflied, das uns in den Schlaf wiegt, sondern ein Feuer, das uns auch in der Nacht wach und aktiv hält". Dabei bezog er sich auf das Jesuswort im Lukasevangelium (12,49): "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!"

Es handle sich dabei um eine Einladung, "die Flamme des Glaubens neu zu entfachen, damit sie nicht zu einer zweitrangigen Realität oder zu einem Mittel des individuellen Wohlbefindens wird, das uns den Herausforderungen des Lebens und des Engagements in Kirche und Gesellschaft ausweichen lässt".

"Wie wir wissen, ist Jesus gekommen, um das Evangelium in die Welt zu bringen", erläuterte der Pontifex. "Deshalb sagt er uns, dass das Evangelium wie ein Feuer ist, weil es eine Botschaft ist, die, wenn sie in die Geschichte einbricht, die alten Gleichgewichte des Lebens verbrennt, uns herausfordert, aus dem Individualismus herauszukommen, den Egoismus zu überwinden, aus der Sklaverei der Sünde und des Todes in das neue Leben des Auferstandenen überzugehen."

So lasse das Evangelium "die Dinge nicht so, wie sie sind, sondern provoziert Veränderungen und lädt zur Umkehr ein. Sie schenkt keinen falschen, intimen Frieden, sondern entfacht eine Unruhe, die uns auf den Weg bringt und uns dazu drängt, uns Gott und unseren Brüdern und Schwestern zu öffnen. Es ist wie mit dem Feuer: Während es uns mit Gottes Liebe wärmt, will es unseren Egoismus verbrennen, die dunklen Seiten des Lebens erhellen, die falschen Götzen verzehren, die uns versklaven."

Im eigenen Leben müsse man sich selbst fragen: "Habe ich eine Leidenschaft für das Evangelium? Lese ich es oft? Trage ich es bei mir? Versetzt mich der Glaube, den ich bekenne und feiere, in eine wohlige Ruhe oder entfacht er das Feuer des Zeugnisses in mir?"

Die Kirche insgesamt könne fragen: "Brennt in unseren Gemeinschaften das Feuer des Geistes, die Leidenschaft für das Gebet und die Nächstenliebe, die Freude am Glauben, oder verfallen wir in Müdigkeit und Gewohnheit, mit stumpfem Gesicht und Wehklagen auf den Lippen?"

Abschließend wünschte Papst Franziskus den Gläubigen, wie Christus sagen zu können: "Wir sind entflammt vom Feuer der Liebe Gottes und wollen es in die Welt 'werfen', um es allen zu bringen, damit jeder die Zärtlichkeit des Vaters entdeckt und die Freude Jesu erfährt, die das Herz weitet und das Leben schön macht."

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