Papst Franziskus erinnert an Katherina von Siena und betet für Europa

Frauen, die Kirchenmännern ins Gewissen reden, haben in der Kirche eine wichtige Rolle – so wie die heilige Katharina von Siena, die hier auf das Treiben im Vatikan schaut.
Foto: EWTN/Paul Badde

Am heutigen Gedenktag der heiligen Katharina von Siena – einer Kirchenlehrerin und Patronin Europas – hat Papst Franziskus um ihre Fürsprache für die Einheit des Kontinents gebetet.

In der Kapelle seiner Residenz im Vatikan, dem Domus Sanctae Marthae, feierte der Pontifex die Messe, die in der Coronavirus-Pandemie täglich von zahlreichen Gläubigen in aller Welt an Bildschirmen verfolgt wird, während sie selbst betroffen sind von den globalen Maßnahmen gegen COVID-19. 

Wahrheit und Beichte sind immer konkret

Dabei erinnerte Franziskus am 29. April die Gläubigen in aller Welt, dass die Wahrheit immer konkret sei. 

In seiner Auslegung des Ersten Briefs des Apostels Johannes sprach der Papst über Gegensätze und Sündhaftigkeit des Menschen.

"Es gibt viele Gegensätze zwischen Licht und Dunkelheit, Lüge und Wahrheit, Sünde und Unschuld. Aber immer ruft der Apostel zur Konkretheit und Wahrheit auf und sagt uns, dass wir nicht in Gemeinschaft mit Jesus sein und in der Dunkelheit wandeln können".

Franziskus fuhr warnend fort: "Das Grau ist noch schlimmer, denn das Grau lässt einen glauben, dass man im Licht wandelt, das Grau ist sehr tückisch. Der Apostel fährt fort und sagt: Wir sind alle Sünder. Hier gibt es eine Sache, die uns täuschen kann, jeder sagt, wir seien Sünder, es ist eine gewohnheitsmäßige und soziale Sache, aber dann haben wir kein wirkliches Gewissen der Sünde. Konkretheit. Die Wahrheit ist immer konkret".

Konkret sein wie ein Kind

"Man kann nicht hingehen und seine Sünden auf abstrakte Weise beichten", erinnerte der Papst die Gläubigen am heutigen Mittwoch.

"Konkretheit" - wiederholt der Papst in seiner Predigt - "Konkretheit ist das, was mich ernsthaft als Sünder fühlen lässt".

"Es ist schön, den Kleinen zuzuhören, wenn sie zur Beichte kommen, sie sagen konkrete Dinge. Sie haben diese Einfachheit. Ich erinnere mich an ein Kind, das mir einmal sagte, es sei traurig, weil es mit seiner Tante gestritten habe. Aber was haben Sie getan? Ich habe sie gefragt. Das Kind war zu Hause und wollte Fußball spielen gehen, aber die Tante wollte, dass es zuerst seine Hausaufgaben macht. Und er sagte ihr, sie solle hingehen, wo der Pfeffer wächst, und weil er recht gebildet war, hat er ihr sogar den Namen des Landes genannt, in das er sie schicken wollte... So sind sie: Einfach, konkret. Wir müssen auch konkret sein. Wie Kinder. Wenn wir sagen, wir seien frei von Sünde, betrügen wir uns selbst. Ich will es nicht mehr tun, es bereitet mir Schmerzen, es ist wichtig, dass wir in uns selbst unseren Sünden Namen geben".

Brief eines Buben

"Gestern erhielt ich einen Brief von einem Buben namens Andrea", fuhr der Pontifex fort, um den Sinn der Konkretheit weiter auszulegen.

"Er schrieb mir dass er die Heilige Messe aus Santa Marta im Fernsehen mitverfolgt habe und er mir vorwerfen müsse, dass ich gesagt habe: Der Friede sei mit euch. Denn wir könnten ja keinen Friedensgruß durchführen, weil es während der Pandemie nicht erlaubt sei, sich zu berühren. Haben Sie die Weisheit der Konkretheit, denn der Teufel will, dass wir im Grauen, Lauwarmen leben. Ein Leben, das dem Herrn nicht gefällt".

Franziskus schloss wie immer mit einer Einladung: "Bitten wir den Herrn um die Gnade der Einfachheit, um die Gnade, die den Einfachen, den Kindern, den Jugendlichen, die ihre Gefühle nicht verbergen, gibt. 

Nach der Messe setzt der Papst das Altarsakrament aus und spendete den Segen mit dem Allerheiligsten, bevor er mit den Zuschauern in aller Welt einen Akt der Geistigen Kommunion betete. 

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