Papst Franziskus ruft Senioren und Großeltern zur Evangelisierung auf

Covid-19-Pandemie ist eine harte Prüfung für Senioren, aber Ruhestandsalter gibt es für die Verkündigung nicht, so die Botschaft zum Welttag der älteren Menschen

Persönliche Begegnung eines Pilgers mit Papst Franziskus am 15. Januar 2020 in der Audienzhalle des Vatikans.
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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"Unsere Berufung ist, unsere Wurzeln zu bewahren, den Glauben an die Jungen weiterzugeben und sich um die Kleinen zu kümmern. Hört gut zu: Was ist unsere Berufung, jetzt, in unserem Alter? Die Wurzeln bewahren, den Glauben an die Jungen weitergeben und sich der Kleinen annehmen. Vergesst das nicht!"

Das ist die Botschaft von Papst Franziskus an die Christen in aller Welt am heutigen Welttag der Großeltern und Senioren.

Den Tag, der nach Angaben des Vatikans auch mit der Möglichkeit eines Sündenablasses verknüpft ist - Einzelheiten am Ende dieses Berichts - hat Franziskus selbst vor wenigen Monaten eingeführt. Dieser wird heuer zum ersten Mal gefeiert, und fällt in die zeitliche Nähe des Feiertages der Großeltern Jesu - der Heiligen Anna und Joachim.

Der Tag steht unter dem Leitthema "Ich bin mit dir alle Tage" (vgl. Mt 28, 20), wie CNA Deutsch berichtete

Der von seiner Darm-Operation geschwächte Pontifex feierte zwar nicht die heilige Messe zum Tag, erinnerte aber in seiner Ansprache zum Angelus persönlich an das Anliegen. Schließlich ist Papst Franziskus selber 84 Jahre alt - und so wandte er sich im familiären Ton mit einem "Wir" und "Uns" an die Mit-Senioren, denen er am heutigen Sonntag mit einer Botschaft zur Evangelisierung aufruft. 

"Es gibt kein Pensionsalter für die Aufgabe der Verkündigung des Evangeliums oder der Weitergabe von Traditionen an die Enkel", so der Papst.

Der Pontifex betont: "Es ist notwendig, sich auf den Weg zu machen und vor allem aus sich herauszugehen, um etwas Neues anzufangen".

Als würde er die Einwände kennen, die Bedenken und Ängste, fügt Franziskus hinzu:  "Du wirst dich fragen: Wie aber ist das möglich? Meine Kräfte gehen zur Neige, und ich glaube nicht, dass ich viel tun kann. Wie kann ich anfangen, mich anders zu verhalten, wenn inzwischen die Gewohnheit mein Leben bestimmt? Wie kann ich mich denen widmen, die ärmer sind als ich, wenn ich gedanklich schon so mit meiner eigenen Familie beschäftigt bin? Wie kann mein Blick sich weiten, wenn ich nicht einmal die Wohnung verlassen darf, in der ich wohne? Ist meine Einsamkeit nicht eine zu schwere Last?"

Umgekehrt betonte der Papst in seiner Ansprache zum Angelus wiederum daran, auch alte Menschen nicht im Stich zu lassen: Er lade alle Gemeinschaften ein, so Franziskus, diesen Welttag zu begehen und in diesem Zusammenhang auch besonders einsame Senioren zu besuchen. In seiner Botschaft zum heutigen Tag betont er denn auch, wie notwendig dies ist - mit einer pointierten Frage: 

"Wieviele von euch stellen sich diese Frage: Ist meine Einsamkeit nicht eine zu schwere Last?" 

Die Covid-19-Pandemie sei ein unerwarteter und heftiger Sturm, eine "harte Prüfung, die das Leben aller getroffen hat, insbesondere aber uns ältere Menschen. Sehr viele von uns sind krank geworden, viele von uns sind heimgegangen oder mussten mitansehen, wie das Leben ihres Ehepartners oder eines geliebten Menschen zu Ende ging, zu viele waren für sehr lange Zeit zur Einsamkeit gezwungen und isoliert", schreibt Franziskus weiter.

Niemand rettet sich allein, erinnert der Papst seine Zuhörer. "Wir stehen in gegenseitiger Schuld. Wir sind alle Brüder und Schwestern". 

Einen Wiederaufbau der Welt nach der Coronavirus-Pandemie werde es auf drei Säulen geben, so der Papst: "Die Nähe des Herrn wird selbst den Schwächsten unter uns die Kraft geben, einen neuen Weg einzuschlagen – durch das Träumen, durch das Erinnern und durch das Gebet".

"Mein Vorgänger, Papst Benedikt, ein heiligmäßiger Greis, der weiterhin für die Kirche betet und wirkt, sagte einmal: Das Gebet der alten Menschen kann die Welt schützen und ihr vielleicht entscheidender helfen als die rastlosen Anstrengungen vieler Menschen."

Das Zitat des Jahres 2012 sei "schön" und wichtig, denn das Gebet sei ein "sehr kostbares Gut: es ist eine Lunge, welche die Kirche und die Welt dringend brauchen", betont der Pontifex.

Er bete dafür, dass "jeder von uns das eigene Herz weitet und empfänglich macht für die Leiden der Geringsten und fähig, im Gebet für sie einzutreten", schließt der Papst seine Botschaft.

"Möge jeder von uns lernen, allen, und besonders den Jüngsten, jene Worte des Trostes zu wiederholen, die wir heute auf uns bezogen haben: 'Ich bin alle Tage bei dir'. Vorwärts, nur Mut! Der Herr segne euch."

Eine besondere Geste gab es dazu im Petersdom heute von Erzbischof Rino Fisichella, der für den Pontifex die heilige Messe feierte: Älteren Gläubigen, die an der Feier des heiligen Messopgers teilgenommen hatten, wurde von jungen Glaubensgeschwistern Blumen überreicht. 

Für den Ablass, den Papst Franziskus zu dem neuen Welttag gewährt hat, gelten die üblichen Bedingungen für einen vollkommenen Ablass: Der Katholik soll, so der Vatikan, im Stand der Gnade sein. Dafür ist der Empfang des Sakraments der Beichte üblich. Außerdem soll der Gläubige die Gebetsanliegen des Papstes beten. 

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