Priestergemeinschaft der "Integrierten Gemeinde" aufgelöst

Erzbischof Hans-Josef Becker von Paderborn.
Foto: Wikimedia / Fotostudio Leninger Paderborn - Fotoarchiv Pressestelle Erzbistum Paderborn (CC BY 3.0) / Cvoegtle (CC BY-SA 3.0)

Laut Informationen der "Herder Korrespondenz" hat der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker mit einem Dekret vom 9. September 2021 die "Gemeinschaft der Priester im Dienst an Integrierten Gemeinden" aufgelöst. Ein Sprecher bestätigte die Auflösung, wollte aber bis zum "rechtskräftigen Abschluss des kirchenrechtlichen Verfahrens" keine näheren Angaben machen.

Die 1948 gegründete "Integrierte Gemeinde" (IG) sollte nach eigener Darstellung "ein Ort für ein aufgeklärtes und unverkürztes Christentum" sein und galt jahrelang als ein vielversprechender "Aufbruch" in der Kirche. Im Jahr 1978 wurde sie von den damaligen Erzbischöfen in Paderborn und München – Johannes Degenhardt und Joseph Ratzinger – kirchlich anerkannt und 1985 als öffentlicher Verein nach dem katholischen Kirchenrecht errichtet.

Wie CNA Deutsch berichtete, wurden im November 2019 Ergebnisse eines Zwischenberichts des Erzbistums München und Freising veröffentlicht, demzufolge ehemalige Mitglieder über Eingriffe in das Privatleben – bis hin zur Wahl des Wohnorts und sogar der Zahl der Kinder in einer Familie – sowie die Ausübung weiteren psychischen Drucks auf Angehörige schilderten.

Auf Nachfrage von CNA Deutsch im November 2019 ließ das Erzbistum über eine Sprecherin ausrichten, dass der Entschluss, die IG eingehender zu untersuchen, gefasst worden sei, nachdem im November 2010 von der Gruppe zum letzten Mal die für einen öffentlichen kirchlichen Verein erforderliche Bestätigung der alle sechs Jahre vorgesehenen Wahl des Vorsitzenden des Vorstandsteams durch den Erzbischof eingeholt worden sei.

Zudem sei das Erzbistum im Austausch mit ehemaligen Mitgliedern, die Vorwürfe gegen die Gruppe vorgebracht hatten. Vertreter der IG wiesen alle Anschuldigungen stets weit von sich. Ein ehemaliges Mitglied begrüßte im November 2019 gegenüber CNA Deutsch dagegen die Untersuchung und bezeichnete sie als "ein Glück und ein Segen für die Kirche und für die letzten Mitglieder der IG selbst, die einem im Grunde nur leid tun können". 

Schließlich war im Jahr 2020 die IG in der Erzdiözese München und Freising kirchenrechtlich aufgelöst worden.

Auch Papst emeritus Benedikt XVI. hat sich von der IG distanziert, zu der er jahrzehntelang engste Verbindungen unterhielt, wie CNA Deutsch berichtete.

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