Schlagabtausch unter Kardinälen über das China-Abkommen des Vatikans

Ist die Vereinbarung mit der Volksrepublik "eine sehr gute Sache"? Diese These von Kardinal Filoni hat entschiedenen Widerspruch von Kardinal Zen kassiert. Dem wiederum wird nun vorgeworfen, er "rudere" nicht im Einklang mit der "Barke Petri"

Kardinal Filoni, Präfekt von Propaganda Fide (links) und Kardinal Zen, emeritierter Bischof von Hong Kong.
Foto: Daniel Ibanez und Bohumil Petrik / beide CNA Deutsch
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Nachdem sich sowohl Kurienkardinal Fernando Filoni als auch ein von der Kommunistischen Regierung Chinas ernannter Bischof diese Woche für das Abkommen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China ausgesprochen haben, hat Kardinal Joseph Zen mit einem deutlichen Widerspruch reagiert.

Auf einer einwöchigen Reise nach Hongkong, Taiwan und Macau bezeichnete Kardinal Filoni das "vorläufige Abkommen" des Vatikans mit China gegenüber der "Macau News Agency" als, so wörtlich, "eine sehr gute Sache für die Kirche in der Zukunft und auch für China".

Diese Behauptung fand Kardinal Zen offenbar wenig überzeugend.

"Man fragt sich: Von welchem Planeten sind unsere Verantwortlichen in Rom?", schrieb der emeritierte Bischof von Hongkong am 5. März auf seinem Blog.

Filoni ist Präfekt der auch als Missionskongregation bekannten "Kongregation für die Evangelisierung der Völker", früher Propaganda Fide.

Der Kurienkardinal sprach sich in einem anderen Interview, diesmal mit der vom Vatikan verlegten Zeitung "Osservatore Romano", dafür aus, zwischen dem Vatikan und den – inzwischen von der Kommunistischen Partei kontrollierten – Religionsbehörden Chinas Vertrauen aufzubauen.

Filoni wörtlich: "Es ist vor allem notwendig, das Vertrauen, den vielleicht schwierigsten Aspekt, in die mit religiösen Angelegenheiten betrauten kirchlichen und staatlichen Autoritäten wiederherzustellen, sowie in die sogenannten offiziellen und inoffiziellen kirchlichen Strömungen." Es gehe nicht darum, festzustellen, wer gewinnt oder verliert, wer Recht oder Unrecht habe.

Zens Antwort: "Das Unglaubliche ist die Aufforderung, der Regierung zu vertrauen! Fehlen unseren Vorgesetzten im Vatikan Informationen über die jüngsten Unterdrückungsmaßnahmen?"

In der Vatikanzeitung äussert sich Filoni weiter wie folgt: Er habe erkannt, dass es "den Anschein haben" könnte, dass der Heilige Stuhl "ein einseitiges Opfer" von der seit Jahrzehnten verfolgten Untergrundkirche verlange, "während von den 'offiziellen' [von der kommunistischen Regierung anerkannten] Mitgliedern nichts verlangt wird".

Aber das so zu sehen, sei falsch, so Filoni.

"Das Problem sollte nicht so formuliert werden; es geht nämlich nicht darum, dass sich der 'Untergrund' dem 'Beamten' oder den zivilen Behörden unterwirft, unabhängig vom Anschein, noch von einem Sieg über die nicht-amtliche Gemeinschaft [der verfolgten Untergrundkirche]".

"Der Untergrundstatus wird verblassen, aber nicht die beteiligten Personen. Ihr Glaube, ihre Traditionen und ihre Spiritualität bleiben bestehen, die von der gesamten Diözesangemeinschaft geschätzt werden", so Filoni weiter.

Zudem bezeichnete der Kurienkardinal das im September geschlossene Abkommen als Fortsetzung des Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und China unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Zen widersprach dieser Behauptung entschieden und schrieb, der Heilige Stuhl beabsichtige zwar, den Dialog mit China als einen homogenen Prozess von Johannes Paul II. über Benedikt bis Papst Franziskus darzustellen.

"Dem ist nicht so: Johannes Paul II. und Benedikt, die unter totalitären Regimen gelebt hatten, glaubten nie an die Theorie der Ostpolitik."

Kardinal Zen fuhrt fort: "Mit der Wahl von Parolin zu seinem Staatssekretär hat Papst Franziskus der Gruppe mächtiger Männer der Kurie die Möglichkeit gegeben, ihr Projekt der Ostpolitik wieder aufzunehmen".

"Nun folgen sie Papst Franziskus in seinem Optimismus und drängen ihn in gefährlich zu einer bequemen Kapitulation und verhehlen das schreckliche Gesicht des chinesischen Kommunismus, das ihnen wohlbekannt ist", fuhr Zen fort.

Filoni indessen kritisierte, ohne Namen zu nennen, Personen welche "Gefahr laufen, im Schiff Petri aus dem Takt zu rudern" und die Gläubigen in China irreführten, was zur Folge haben könnte, dass diese das Abkommen falsch verstehen würden.

"Nur mit einem nur vordergründigen Geist oder in böswilliger Absicht könnte man sich vorstellen, dass Papst Franziskus und der Heilige Stuhl die Herde Christi im Stich lassen würden, wo auch immer und in welchem Zustand sie sich in der Welt befindet", so Filoni wörtlich.

Man müsse deshalb "weiter daran arbeiten, die Wahrnehmung der Gläubigen zu verbessern, die oft von Medienbotschaften beeinflusst werden, die nicht ganz korrekt oder ausgewogen sind und es schwierig finden, die gebührende Diskretion zu verstehen, die den Dialog zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China umgab", fuhr der Kurienkardinal fort.

"Der Papst und seine Mitarbeiter haben alles getan, tun und werden alles tun, was möglich ist, um der Kirche in China nahe zu sein. Unsere Methoden sind nicht unfehlbar, doch wir lieben die Kirche und das chinesische Volk wahrhaftig", sagte Filoni.

Filoni sagte, er hoffe, "nicht über örtliche Situationen zu hören oder zu lesen, in denen das Abkommen ausgenutzt wird, um Menschen zu zwingen, das zu tun, was nicht einmal nach chinesischem Recht erforderlich ist, wie etwa dem Beitritt zur Patriotischen Vereinigung".

"In den sechzig Jahren seit der Gründung der Patriotischen Vereinigung hat jeder, vielleicht auf ungleiche und dramatische Weise, gelitten, sowohl in physischer als auch in moralischer Hinsicht", so der Kurienkardinal weiter.

"Es ist der Herr, der die Geschichte leitet. Deshalb würde ich mir wünschen, dass bei der Bewältigung möglicher Konflikte immer vertrauensvoll miteinander umgegangen wird, auch wenn einige Aspekte der aktuellen Situation als Ungerechtigkeiten und Konflikte wahrgenommen werden", sagte Filoni.

Zen antwortete: "Seine Eminenz liebt es, legitime Vorbehalte gegenüber dem, was der Heilige Stuhl tut, zu haben, aber in der Zwischenzeit beschuldigt er mich, nicht in Einklang mit der Barke Petri zu rudern".

Und was sagen die von der chinesischen Regierung ausgesuchten und eingesetzten Bischöfe, die nun der Vatikan anerkannt hat?

Mehrere der von der Volksrepublik ausgesuchten Bischöfe, die nun an der "Politischen Beratenden Konferenz des chinesischen Volkes" (CPPCC) teilnahmen, sprachen ebenfalls über das Abkommen.

(Das offizielle Thema der diesjährigen CPPCC-Vollversammlung: "Die Untersuchung und Anwendung von Xi Jinpings Gedanken zum Sozialismus mit chinesischen Merkmalen für eine neue Ära".)

Bischof Vincent Zhan Silu von Mindong (Ningde), ein Mitglied der CPPCC, sagte der chinesischen Presse bei diesem Event laut "UCA News":

"Es wird keine offizielle oder inoffizielle Kirche geben, wenn die Kirche vereint ist".

Mindong ist eine von zwei Diözesen in China, in denen ein Untergrundbischof gebeten wurde, zurückzutreten, um durch einen früher exkommunizierten Bischof ersetzt zu werden – wie CNA Deutsch berichtete.

Papst Franziskus soll den ehemaligen Bischof von Mindong persönlich aufgefordert haben, im Gehorsam und "im Opfer" zurückzutreten, damit der von der chinesischen Regierung ernannte Bischof Zhan seinen Platz durch einen von Kardinal Filoni und dem vatikanischen Außenminister Pietro Parolin unterzeichneten Brief einnehmen konnte.

Auf die Frage, was das für die Untergrundkirche bedeuten würde, antwortete Zhan:

"Willst du nicht, dass die Kirche vereint wird? Ein Kirchenschisma ist nicht das grundlegende Ziel der Katholiken."

Kardinal Zen stellte vor dem Hintergrund dieser Aussagen mehrere Fragen: "Können die Herren im Vatikan uns sagen, was wir mit diesem Abkommen erreicht haben? Ist es wahr, dass die chinesischen Kommunisten endlich die Autorität des Papstes anerkannt haben? Hat der Sprecher der Patriotischen Vereinigung und der Bischofskonferenz nicht öffentlich erklärt, dass sie den Grundsatz der unabhängigen Kirche beibehalten werden und dass sie der Führung der Partei folgen werden?"

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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