Sexueller Missbrauch eines Migranten: Schuldspruch gegen französischen Bischof

Bischof em. Emmanuel Lafont
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Der emeritierte Bischof Emmanuel Lafont von Cayenne in Französisch-Guayana ist von einem Kirchengericht des sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden und von der Ausübung seiner Ämter suspendiert worden, während die Justizbehörden des Landes die Vorwürfe gegen ihn untersuchen.

"Er steht unter Hausarrest in einem Kloster auf dem französischen Festland", erklärte die französische Bischofskonferenz gegenüber Agence France Presse. Er muss ein Leben des Gebets und der Buße führen. Die Bischofskonferenz bestätigte, dass gegen den Bischof eine zivilrechtliche Untersuchung eingeleitet wurde.

Zahlreiche Quellen haben der französischen Zeitung La Croix bestätigt, dass das Dikasterium für die Bischöfe des Vatikans im Oktober ein Schuldurteil gegen den emeritierten Bischof gefällt hat.

Als Folge des Urteils gegen ihn darf er weder seine bischöflichen Insignien, die Mitra, tragen noch einen Bischofsstab benutzen. Er muss den Kontakt zu Bekannten in Französisch-Guayana vermeiden und auch den Kontakt zu jungen Migranten meiden.

Die kirchenrechtliche Untersuchung gegen den Bischof wurde im April 2021 eingeleitet, "weil gegen ihn Gerüchte und Anschuldigungen erhoben wurden, die auf ein unangemessenes Verhalten gegenüber Erwachsenen hindeuten". Die Untersuchung wurde damals öffentlich gemacht, nachdem La Croix über zwei Zivilklagen berichtet hatte, die 2021 in Cayenne, der Hauptstadt von Französisch-Guyana, gegen Lafont eingereicht worden waren.

Der Erzbischof der Diözese Cayenne ist Erzbischof David Macaire von Fort-de-France in Martinique, einer Überseeregion Frankreichs in der östlichen Karibik. Macaire leitete die kanonische Untersuchung, so La Croix.

Der in Frankreich geborene Bischof Lafont wurde 1970 in der Diözese Tours zum Priester geweiht. Von 1983 bis 1994 diente er in Südafrika in der Region Johannesburg. Er wurde dadurch bekannt, dass er als einziger weißer Priester in den schwarzen Slums von Soweto lebte, berichtete die französische Zeitschrift Marianne. Lafont verbündete sich mit Gegnern der Rassen-Apartheid wie Nelson Mandela und dem anglikanischen Bischof Desmond Tutu.

Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 2004 zum Bischof von Cayenne. Er ging im Oktober 2020 im Alter von 75 Jahren in den Ruhestand. Cayenne ist die einzige Diözese in Französisch-Guayana, einer Überseeregion Frankreichs in Südamerika. Sie grenzt an Brasilien und Surinam. In der überwiegend katholischen Region leben etwa 294.000 Menschen.

Yves Le Clair, Staatsanwalt in Cayenne, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass gegen den Bischof ein Ermittlungsverfahren wegen "schweren Menschenhandels", "Beihilfe zum illegalen Aufenthalt" und "schweren Vertrauensbruchs" eingeleitet wurde.

Eine Zivilklage gegen den Bischof wurde im vergangenen Jahr von einem 27-jährigen haitianischen Asylbewerber eingereicht. Er hatte den Ermittlern erzählt, dass Lafont ihm im Austausch für sexuelle Beziehungen eine Unterkunft angeboten hatte. Der Bischof wies die Vorwürfe zurück.

Ein zweiter Beschwerdeführer, ein ehemaliger Angestellter der Diözese, hat eine Anzeige wegen "moralischer Belästigung" erstattet.

Im Oktober 2020 erstattete der Bischof Anzeige wegen Gewalt gegen einen damals 28-jährigen Migranten haitianischer Herkunft, den er beherbergt hatte. Der Beschuldigte bestritt laut der Nachrichtenseite France-Guyane die Vorwürfe.

Lafont war ein prominenter Teilnehmer an der Bischofssynode 2019 für die Amazonasregion. Er verfasste ein Vorwort zur französischen Ausgabe von Querida Amazona, dem postsynodalen Schreiben von Papst Franziskus über die Kirche im Amazonasgebiet.

Das Urteil gegen Lafont ergeht, nachdem auch andere prominente französische Bischöfe des Missbrauchs oder anderer Verfehlungen beschuldigt worden sind.

Die französische Bischofskonferenz hielt im vergangenen Monat ihre Vollversammlung ab. Während der Versammlung sagte der Vorsitzende der Konferenz, Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort von Reims, dass gegen acht emeritierte Bischöfe ein Gerichtsverfahren eingeleitet worden sei oder eingeleitet werde. Er nannte den Namen Lafont nicht, sagte aber, dass einige Fälle der Presse bekannt seien, berichtete Marianne.

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.