Vier Jahre nach dem Mord an Pfarrer Jacques: Ein Vermächtnis für die Gegenwart und Zukunft

Ein Schweigemarsch, eine Zeremonie, eine heilige Messe, die Anwesenheit des Innenministers zum Gedenken an Pater Jacques Hamel

Die Bischöfe Moulins de Beaufort und Lebrun zusammen mit Innenminister Darmanin während des Schweigemarsches für Padter Hamel am 26. Juli 2020
Foto: Twitter @GDarmanin

 "Ich bin der Bischof von Pater Hamel": So stellt sich Erzbischof Dominique Lebrun von Rouen jedem vor, der ihn nach seiner Diözese fragt. Und alle verstehen es. Das ist so seit dem 26. Juli 2016, als der 85-jährige Pater Jacques Hamel von zwei jungen islamischen Militanten getötet wurde – bei laufender Kamera hingerichtet während der Feier der heiligen Messe. Pater Jacques ist nicht ohne Grund gestorben. Und nun ist der Seligsprechungsprozess in Gang, dessen diözesane Phase bereits abgeschlossen wurde. Vor allem aber sind es Tausende Pilger, die jedes Jahr nach Rouen kommen, in die Kirche Saint-Etienne-du-Rouvray, in der der Priester getötet wurde.

Dort fanden am 26. Juli, dem vierten Jahrestag seiner Ermordung, ein Schweigemarsch, im Anschluss eine Gedenkzeremonie, und am Ende eine heilige Messe statt. Bei der heiligen Messe war auch Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort, der Vorsitzende der französischen Bischofskonferenz anwesend, sowie Innenminister Gerald Darmanin, zu dessen Aufgabenbereich auch die Kultusangelegenheiten gehören.

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In seiner Ansprache erinnerte Erzbischof Moulins de Beaufort an die Monate, in denen "es Berichte über Missetaten und Verbrechen gab; aber sie wurden nicht gesehen, nicht angeschaut oder als solche behandelt, während Frankreich verwundert entdeckte, dass es in seinem Herzen auch Gewalttätige gab."

Vor dem Mord an Pater Hamel gab es in Frankreich tatsächlich eine Eskalation von Angriffen auf Kirchen und sogar auf  Websites von Pfarreien; es war ein Klima wachsender Gewalt, das in der "ältesten Tochter" der Kirche, zur Norm geworden zu sein scheint, die jedoch alles gleichgültig geschehen lässt. Das Innenministerium hatte 2019 fast tausend antichristliche Angriffe gezählt, 2018 nahezu ebenso viele.

Für den Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz ist Pater Hamel "das Gesicht vieler guter Priester, die so dienten, wie sie dienen sollten, unauffällig, und viel Trost, Hoffnung und Vertrauen in die kleinen oder großen Tragödien des Lebens brachten."

Erzbischof Moulins de Beaufort erinnerte daran, dass Pater Hamel mit zwei Ordensschwestern und einem Ehepaar die heilige Messe feiert; das Ehepaar feierte den Geburtstag des Mannes.

Die Normalität dieser Messe ist "die Seele des Landes, das sich weiter formt", und deshalb – so der Bischof zum Innenminister - "sind die französischen Katholiken durch Ihre Anwesenheit geehrt, kurz nachdem Sie ihr Amt übernommen haben, während wir die Brüche, die unser Land durchziehen und die Spannungen sehr stark empfinden."

Und er fügte hinzu: "Herr Minister, die Katholiken Frankreichs haben Grund, besorgt zu sein aufgrund der sich wiederholenden Akte des Diebstahls, der vorsätzlichen Sachbeschädigung, der Profanierung, der Gewalt, die zeigen, dass einige die Geschichte unseres Landes und die Präsenz des christlichen Glaubens im Land leugnen wollen."

Der Erzbischof betonte aber auch: "Mehr als die um die Sicherheit sind die Katholiken aber besorgt aufgrund dieser Entscheidungen, die vorbereitet werden in Bezug auf die künstliche Befruchtung (die in Frankreich auch alleinstehenden und homosexuellen Frauen zugänglich gemacht werden soll Anm. d. R.)." Es handelt sich um das Gesetz zur Bioethik, das von den französischen Bischöfen hart bekämpft wird und das nach der Covid-Krise unglaublicherweise zu den Prioritäten der Regierung zählt.

Der Vorsitzende der französischen Bischöfe weiß, dass dies nicht das Thema des Begegnung ist, aber es ist ihm wichtig, es zur Sprache zu bringen.

Wie es ihm auch wichtig ist, die Logik der Barmherzigkeit zu betonen, die auf die Ermordung Pater Hamels folgte; ebenso gab es Muslime, die "nach dieser Tragödie ihre Ablehnung jeglicher Gewalt zum Ausdruck bringen wollten und die fähig waren, Worte und Gesten zu finden, um ihre Freundschaft auszudrücken. "

Minister Gerald Darmanin hob seinerseits hervor, dass "einen Priesters zu töten bedeutet, zu versuchen, einen Teil der Seele des Landes zu ermorden"; dass die Ermordung Pater Hamels "uns alle in einem Zustand der Verwirrung zurückließ", besonderes weil "Pater Hamel den Weg der Sanftheit gewählt hatte", der "es möglich macht, die Gewalt, barbarische Handlungen durch die Liebe zum Anderen, durch die Akzeptanz des Andersseins zu überwinden" und die "zum Dialog mit dem Feind führt."

Es ist ein Weg, so der Minister, der auch von den "Mitgliedern der Kirche von Frankreich" gewählt wurde, die nicht "der Versuchung nachgaben, sich im Zorn zurückzuziehen", sondern "eine Entscheidung zur Verbundenheit im Frieden getroffen haben".

Minister Darmanin erklärte: "Die Ermordung Pater Hamels hat nicht nur die Christen getroffen, sondern ganz Frankreich in seinem Herzen und in seinem Geist." Aus diesem Grund dürfe man nicht vergessen, dass "Pater Hamel unter den Schlägen der berüchtigtsten und blindesten Barbarei gestorben ist, verübt im Namen einer mörderischen Ideologie, die seinem Glauben und seinen tiefsten Überzeugungen widerspricht."

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