"Eine Reformation reicht, wir brauchen keine zweite"

Römische Sorgen und deutsche Fantasien

Der Martin-Luther-Platz in Rom
Foto: Petrik Bohumil / CNA Deutsch
15 October, 2020 / 3:17 PM

Pointiert weist der emeritierte Bischof Heinz-Josef Algermissen auf die weltkirchlichen Bedenken hin, die mit dem "Synodalen Weg" verbunden werden. Den wertvollen Hinweis, dass eine Reformation genüge und eine zweite nicht nötig sei, erhielt übrigens auch ein junger Theologe namens Hans Küng, der am 24. Juni 1966 Karl Barth in Basel besucht hatte und dem alten Professor von einer kommenden Revolution in der Kirche vorschwärmte. Der Protestant widersprach entschieden und warnte vor diesem Ansinnen: "Für eine christliche Kirche ist eine Reformation gerade genug" (vgl. Eberhard Busch: Meine Zeit mit Karl Barth. Tagebuch 1965-1968, Göttingen 2011, 48). Bischof Algermissen gibt im Interview mit Regina Einig auch wieder, was seine Gesprächspartner in Rom sagten: "Wisst ihr nicht, dass ihr weniger als zwei Prozent der Weltkirche seid?"

Hinzufügen kann man freilich, dass nur sehr wenige Katholiken, die zu diesen zwei Prozent zählen, sich ernsthaft für die Themen des "Synodalen Weges" interessieren oder irgendwelche Hoffnungen für die Kirche damit verbinden. Vielleicht sind es noch einmal drei bis fünf Prozent von diesen zwei Prozent? Immer wieder kursieren, wie wir wissen, dieselben Begriffe. Auf dem "Synodalen Weg" gehe es um unsere "Lebenswirklichkeit", so heißt es dann. Das Plastikwort "Lebenswirklichkeit" ist längst ein Teil unserer Lebenswelt geworden. Kennen Sie Ihre "Lebenswirklichkeit"? Haben Sie je darüber nachgedacht? Mich erinnert das an Begriffe wie "Identität" oder "Selbstkonzept". Wenn Sie über beides nicht nachdenken, wird Ihnen sehr wahrscheinlich nichts fehlen. Solche Denkschablonen mögen gängig oder auch virulent sein, aber deswegen besitzen sie noch keine Anschaulichkeit oder Aussagekraft. Empfehlenswert übrigens bleibt ein Interview mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer über den "Synodalen Weg" mit Radio Horeb, das hier angehörtwerden kann. Erinnert sei auch an die Worte von Papst Franziskus aus seinem Brief an die Katholiken in Deutschland vom 29. Juni 2019: "Brüder und Schwestern, haben wir Sorge füreinander! Achten wir auf die Versuchung durch den Vater der Lüge und der Trennung, den Meister der Spaltung, der beim Antreiben der Suche nach einem scheinbaren Gut oder einer Antwort auf eine bestimmte Situation letztendlich den Leib des heiligen und treuen Volkes Gottes zerstückelt! Begeben wir uns als apostolische Körper gemeinsam auf den Weg und hören wir einander unter der Führung des Heiligen Geistes – auch wenn wir nicht in gleicher Weise denken – aus der weisen Überzeugung heraus, dass «die Kirche im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegenstrebt, bis an ihr sich Gottes Worte erfüllen»."

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