Der Bochumer Bibelwissenschaftler Thomas Söding hat erklärt, die Kirche müsse ihre überlieferte Theologie der Ehe wie auch ihr „fixes Geschlechtermodell“ überwinden. Söding, einer von mehreren Vizepräsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), äußerte sich entsprechend am Donnerstag auf der Internetseite der Ruhr-Universität Bochum.

„Die katholische Ethik kennt traditionell ein fixes Geschlechtermodell: männlich oder weiblich“, so Söding. „Sie tut sich schwer, das zu integrieren, was in der Biologie und Medizin über Intersexualität und Transsexualität bekannt geworden ist. Hinzu kommt, dass in dieser traditionellen Ausprägung katholischer Theologie jede Form von aktiver Sexualität außerhalb einer gültig geschlossenen Ehe als schwere Sünde gilt.“

„Genau diese Engführung muss überwunden werden“, forderte der Neutestamentler.

Segensfeiern für zivil geschiedene und wiederverheiratete Menschen, deren ursprüngliche kirchliche Ehe weiterhin gültig bleibt, gebe es vielerorts bereits, erklärte Söding.

„Sie sind in den Gemeinden auch weitgehend akzeptiert, aber sie finden unterhalb des kirchenrechtlichen Radars statt“, sagte der Theologe und betonte, dies sei „für katholische Kirchenpolitik nicht ungewöhnlich: Die Prinzipien werden hochgehalten, es ist aber klar, dass die Lebensrealität noch anderes fordert.“

Der Synodale Weg ziele darauf ab, „dass zum Beispiel wieder verheiratete Geschiedene beim Empfang der Sakramente nicht mehr mit Verboten belegt würden, ebenso gleichgeschlechtliche Paare. Bei ihnen hat paradoxer-, aber glücklicherweise ein zur Unzeit kommendes Verbot aus Rom dazu geführt, dass gerade großflächig das Gegenteil von dem passiert, was das Verbot beabsichtigte.“

Es gelte: „Kirchentürme im Zeichen des Regenbogens – ein gutes Bild für Stadt und Land.“

Überlieferte kirchliche Lehre

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Die Glaubenskongregation hatte 2021 in aller Deutlichkeit erklärt, dass die Kirche keine Vollmacht hat, homosexuelle Beziehungen zu segnen.

Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 2357) fasst die biblisch begründete Lehre zur Homosexualität mit den Worten zusammen: „Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, ‚daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind‘. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.“

Auch die Unauflöslichkeit der Ehe ist biblisch begründet, wie der Katechismus (KKK 2382) festhält: „Jesus betonte die ursprüngliche Absicht des Schöpfers, der wollte, daß die Ehe unauflöslich sei. Er hob die Duldungen auf, die sich in das alte Gesetz eingeschlichen hatten.“

Vor diesem Hintergrund ist eine Ehescheidung für Katholiken nicht möglich. Tatsächlich bleibt die ursprüngliche sakramentale Ehe weiter bestehen, auch wenn eine zivile Scheidung oder gar Wiederheirat erfolgt. Die neue Zivilehe gilt daher als Bruch der eigentlichen sakramentalen Ehe.

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