"Corona" als Dornenkrone: Öffentliche Eucharistiefeier eröffnet Wallfahrt in Kevelear

Blick auf die Gnadenkapelle Unserer Lieben Frau von Kevelaer
Wikimedia/Broederhugo (Gemeinfrei)

Angesichts der Coronavirus-Pandemie und ersten Lockerungen des Gottesdienstverbots in Deutschand war die Eröffnung der Wallfahrt in Kevelaer am heutigen 1. Mai eine der ersten öffentlichen größeren Eucharistiefeiern –  an der 150 Gläubige in der Basilika teilnehmen konnten. 

In seiner Predigt würdigte Bischof Georg Bätzing von Limburg, derzeitiger Vorsitzender der Bischofskonferenz, die vielen kreativen Ideen, die in den vergangenen Wochen in Familien und Gemeinschaften entstanden seien, als das heilige Messopfer nicht öffentlich gefeiert wurde.

Bätzing ging vor allem auf das fast 400 Jahre alte Gnadenbild von Kevelaer ein, das eine Muttergottes mit Kind und königlichen Kronen – einer Corona – zeigt.

"Diesen Namen trägt eine Gruppe von viralen Krankheitserregern seit 1968, weil sie unter dem Elektronenmikroskop mit ihren Fortsätzen auf der kugelförmigen Hülle wie von Kronen oder einem Strahlenkranz geschmückt aussehen. Diese gefährliche Krankheit zeigt eine trügerische Hoheit. Und nicht selten ist es so", sagte der Bischof.

"Was überaus anziehend und verlockend daherkommt, entpuppt sich manchmal im Leben als großer Schaden, ob es materieller Besitz ist, besonders attraktiv scheinende Ideen und Ideologien sind", so der Bätzing.

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"Die Krone dieses Virus ist eine Plage der Menschheit. Wie eine Dornenkrone hat sie sich auf unser Leben gelegt und verursacht so viel Leid, Tod, Ängste und Unheil. Das alles wird uns über Jahre und Jahrzehnte belasten."

In diesen Wochen werde viel geweint, so Bäzting: Beispielsweise um die Schwerkranken auf den Intensivstationen und die Sterbenden, die ihren letzten Weg unbegleitet gingen. Für ihn sei der Mantel Mariens auf dem Gnadenbild von großer Signalwirkung, denn es gehe darum, den Schwächsten menschliche Zuwendung und Geborgenheit zu schenken, sie "mit dem ‚Pallium‘ zu umhüllen, ihnen mit palliativer Sorge zu helfen auf dem letzten Lebensabschnitt. Den Sterbenden alle nötige Hilfe an schmerzlindernder Medizin und stärkender menschlicher Begleitung und Seelsorge zukommen zu lassen: Das ist und bleibt unsere christliche Antwort auch auf den manchmal aus Verzweiflung geäußerten Wunsch, langes und unerträgliches Leiden beenden zu wollen", so der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Kritik übte Bischof Bätzing am Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020, mit dem die geschäftsmäßige Suizidbeihilfe für rechtens erklärt wurde.

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Das erschüttere ihn und stelle einen "tiefen Einschnitt in die Rechtskultur und die ethischen Grundwerte unseres Landes" dar.

"Galt bislang das Recht des Lebens als oberstes Prinzip und der Schutz des Lebens als vornehmste Pflicht des Staates, so wird nun die autonome Selbstbestimmung des Menschen darüber gestellt und die Selbsttötung sozusagen zum Inbegriff der Autonomie des Menschen, die von Staat und Gesellschaft zu respektieren sei".

Das Urteil fordere Christen heraus, "ganz entschieden für die Heiligkeit und Unverfügbarkeit des Lebens einzutreten, für das Lebensrecht der Schwachen, Kranken, Leidenden und Sterbenden. Sie haben Lebensanspruch und Lebensrecht bis zum letzten Atemzug".

Bätzing betonte, dass auch das Recht auf Selbstbestimmung des Einzelnen ein hohes Gut sei. Dem Respekt vor dem menschlichen Leiden und vor freien Entscheidungen werde dadurch viel eher entsprochen, wenn menschenwürdiges Leben bis zum Ende und damit menschenwürdiges Sterben möglich blieben.

"Darum werden wir unseren Einsatz für die Palliativmedizin und die Hospizarbeit verstärken und gegen allen ökonomischen Kostendruck dafür öffentlich eintreten".

Der "weite Mantel menschlicher Fürsorge" sei bei weitem der sicherste Raum für menschliches Leben und Sterben in Würde, so der Limburger Hirte. "Das ist in dieser Zeit vielleicht die wichtigste Botschaft des Gnadenbildes von Kevelaer."

Hintergrund

Die Wallfahrt in Kevelaer geht auf das Jahr 1642 zurück. Der Leitgedanke der diesjährigen Wallfahrtssaison ist dem Buch Exodus des Alten Testamentes nach einer Übersetzung von Martin Buber entnommen: "Ich bin, wo Du bist!"

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