Hintergrund: Was der Papst in Peru vorhat – und was ihn dort erwartet

Begrüßung in Peru am 18. Januar 2018
Foto: Agentur Andina
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Mit großer Herzlichkeit und formellen Ehren wurde der Papst in Peru am Donnerstag um 16:30 Uhr (Ortszeit) in Peru begrüßt – und das sogar schon vor der Landung: Der Papstflieger, der den Hashtag #ElVueloDeFrancisco trägt, wurde von der peruanischen Luftwaffe mit einem Ehrengeleit empfangen. Drei "Mirage 2000"-Kampfjets eskortierten die Maschine zur Landung. 

Doch das Land steht auch vor großen Herausforderungen, die gerade Franziskus am Herzen liegen.

Nach dem insgesamt positiven, zum (weitaus kleineren) Teil jedoch offen feindseligen Empfang in Chile, der von der Kontroverse um Bischof Juan Barros sowie Drohungen und Anschlägen mit Brandbomben belastet war, ist nun Franziskus bis zum 21. Januar auf dem zweiten Teil seiner Reise in einem Gastland unterwegs, das ebenfalls mit großen Herausforderungen ringt.

Klar: Franziskus wird seine Botschaft des Friedens, Dienens und seinen Aufruf zur Evangelisierung und Verteidigung von FamilieEinheit und Nation auch hier wieder Millionen Menschen ans Herz legen. Mehr noch: Der argentinische Pontifex wird für seine Vision eines "neuen Humanismus und Dialogs" arbeiten und eintreten, den er am Mittwoch in einer – gerade wegen ihrer vermeintlichen Sperrigkeit – inhaltlich wie sprachlich aufschlussreichen Rede umrissen hat. 

Das gesellschaftliche wie politische Pflaster Perus, auf dem dieses Papamobil der Botschaften rollt, ist ein anderes als in Chile.

Das zeigt schon einmal ein Vergleich der schieren Zahlen: Etwa 76 Prozent der 32,4 Millionen Peruaner sind katholisch. In Chile, wo etwa halb so viele Menschen leben, sind es knapp 60 Prozent. 

Der Unterschied ist jedoch nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ enorm.

In Peru hat die Kirche in den vergangenen, knapp 20 Jahren (seit dem Ende eines Krieges, der zehntausende Leben kostete) bereits Frieden und Versöhnung gestiftet, und auch gesellschaftlich Fortschritte erzielen können. Kardinal Juan Luis Cipriani, Erzbischof von Lima, ist eine starke Führungspersönlichkeit für den Katholizismus, und die Peruanische Bischofskonferenz ist ein ebenso starker Anwalt der indigenen Bevölkerungsgruppen des Landes. 

Von Spannungen wie in Chile, die sich mit Gewalt gegen Staat und Kirche wenden, kann so nicht die Rede sein.

Potentielle Stolpersteine sind allerdings erstens: eine weihnachtlichen Begnadigung, und zweitens der epische Kampf mit Gender. Beide hat Korrespondent Victor Gaetan im "National Catholic Register" säuberlich analysiert. 

Die Begnadigung Fujimoris

An Weihnachten begnadigte Präsident Pedro Pablo Kuczynski, "PPK", (79) den ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori (ebenfalls 79). In den 1990er Jahren bekämpfte Fujimori die kommunistische Terror-Gruppe "Leuchtender Pfad". Dieser Kampf war letzten Endes erfolgreich, geschah jedoch nicht ohne schwerste Menschenrechtsverletzungen, zum (wenn auch geringeren) Teil auf Seiten von Regierungskräften, die teilweise als Todesschwadronen an Massakern beteiligt waren. Tausende, oft unschuldige, Menschen starben. 

Für diese und weitere Vergehen wurde Fujimori zur Verantwortung gezogen und schließlich im Jahr 2009 zu 25 Jahren Haft verurteilt.

Die überraschende Begnadigung durch PPK stieß international auf viel Kritik. Im "Economist" wurde sie als "beunruhigend" bezeichnet.

Hinter den Kulissen scheint die weihnachtliche Begnadigung durchaus kalkuliert gewesen zu sein, urteilten politische Analysten laut Gaetan: Dafür wurde die Unterstützung des politisch mächtigen Fujimori-Clans möglich, genauer: der politisch aktiven Kinder des ehemaligen Präsidenten.

Aus katholischer Sicht freilich ist eine Begnadigung auch als ein Schritt der Versöhnung und des Friedens interpretierbar: Anliegen, die der Papst auf seiner aktuellen Reise immer wieder betont hat.

(Dass Kardinal Cipriani zu der Zeit, als die Begnadigung erfolgte, auch in Rom war, ist für manche Beobachter, darunter Gaetan, en wichtiger Hinweis. Cipriani war einst als Bischof von Ayacucho ein Vermittler in der vier Monate dauernden Geiselnahme durch die Kommunisten in der Botschaft Japans, feierte dort sogar die Heilige Messe und spielte, laut "New York Times", nicht nur eine Schlüsselrolle in der Befreiung der Geiseln, sondern ist seitdem Fujimori freundschaftlich verbunden.)

Wie auch immer: Der andauernde Versöhnungsprozess ist ein Anliegen der Kirche, und eine Begnadigung kann dabei eine wichtige Rolle spielen.

Der Umgang mit der Ideologie von "Gender" 

1,5 Millionen Menschen haben in Peru im März vergangenen Jahres gegen die Gender-Ideologie demonstriert: Eine Reaktion auf den Versuch des Bildungsministeriums, einen nationalen Lehrplan für Kinder nach Kriterien der Gender-Ideologie einzuführen. 

Der Papst ist sich der Problematik wohl bewußt und hat die Gender als Ideologie wiederholt scharf verurteilt

Die entschlossene Reaktion der Katholiken Perus scheint aus drei Quellen gespeist zu werden, schreibt Gaetan in seiner Analyse: Laienmobilisierung, ökumenische Zusammenarbeit und Unterstützung durch Schlüsselbischöfe. Neben den Katholiken im Land reagierte auch Perus wachsende evangelikale christliche Bewegung – etwa 17 Prozent der Bevölkerung sind Protestanten – schnell auf die Herausforderung; die christlichen Glaubensgemeinschaften koordinierten ihre Bemühungen in enger Absprache.

Worüber sich alle einig sind: Während die katholische Kirche und ihre Verbündeten 2017 einen Erfolg verzeichnet haben mögen, wird der Kampf gegen diese "neuen Formen des Imperialismus" – Papst Franziskus nennt sie immer "ideologische Kolonisierung" – auch in Zukunft in Peru und anderswo weitergehen.

Was der Papst dabei mitbringt, neben allen Botschaften, ist das lebendige Zeugnis über die Fröhlichkeit und das Gottvertrauen in die Wahrheit des christlichen Glaubens – und was diesre den Menschen mit seiner Frohen Botschaft bringt: Erlösung.

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