Ärztin: Ich habe an "ethnischer Säuberung" gegen Uiguren teilgenommen

Aktivisten fordern bei einem Protest vor einem Gebäude der Europäischen Union die Behandlung uigurischer Muslime durch die chinesischen Behörden in der Provinz Xinjiang.
Foto: Alexandros Michailidis/Shutterstock

Eine uigurische Frau, die in China als Ärztin arbeitete, hat einem britischen Nachrichtensender erzählt, dass sie an Zwangsabtreibungen und Sterilisationen auf Anordnung der chinesischen Regierung teilgenommen hat.

Die Frau, die nicht identifiziert wurde, aber von hinten von einer Kamera gesehen wurde, sagte gegenüber dem Sender ITV, dass sie ihre Vergangenheit in dem Bemühen, diese zu sühnen, mit anderen teilen wolle.

"Die klare Absicht war eine ethnische Säuberung. Wir wurden gebeten, zu glauben, dass dies Teil des Bevölkerungskontrollplans der Kommunistischen Partei war", sagte sie. "Damals dachte ich, das sei meine Aufgabe."

Es wird angenommen, dass mindestens 1 Million Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang in Konzentrationslagern interniert sind. Menschenrechtsgruppen und internationale Beobachter haben einen "schleichenden Völkermord" an den Uiguren dokumentiert, darunter Zwangssterilisationen und Abtreibungen, aber auch erzwungene Organentnahmen, politische Indoktrination und Folter.

Die Frau skizzierte die verschiedenen Bemühungen zur "Bevölkerungskontrolle", die sie während ihrer Arbeit als Ärztin in China unternommen hat.

"In 20 Jahren habe ich an mindestens fünf- bis sechshundert Operationen teilgenommen, darunter Zwangsverhütung, unfreiwillige Abtreibung und Sterilisation sowie erzwungene Entfernung von Gebärmüttern", sagte sie in einem Interview, das am 2. September gesendet wurde. Inzwischen ist die Frau, wie viele uigurische Flüchtlinge, in die Türkei gezogen.

"Wir gingen von Dorf zu Dorf, sammelten alle Frauen und trieben sie auf Traktoren", sagte sie. "Junge Frauen wurden mit Verhütungsmitteln ausgestattet. Schwangere Frauen mussten eine Abtreibung und Sterilisation vornehmen lassen."

Sie fügte hinzu, dass den Frauen ein Verhütungsmittel in die Oberarme eingepflanzt wurde, und sagte: "So hat die Regierung die uigurischen Frauen verfolgt".

 

Die Ärztin berichtete gegenüber ITV, dass sogar bis kurz vor der Geburt Babys abgetrieben wurden, und schlimmer noch: Alle Kinder, die den Abtreibungsversuch überlebten, wurden kurz nach der Geburt getötet – entweder durch eine Injektion oder dadurch, dass sie lebendig "im Müll entsorgt" wurden.

"Jetzt empfinde ich solches Bedauern", sagte sie.

In der Türkei arbeitet die Ärztin jetzt mit uigurischen Frauen, von denen viele kein Türkisch sprechen. Teil ihrer Arbeit ist es, die Verhütungsmaßnahmen rückgängig zu machen, die sie und andere Ärzte den Uiguren aufgezwungen haben.

Die chinesische Regierung gab im Oktober 2018 zu, dass "Umerziehungslager" für Angehörige der uigurischen Bevölkerung eingerichtet worden seien.

Die Regierung behauptet, dass die Lager die Ausbreitung des Terrorismus unter der ethnischen und religiösen Minderheit im Land verhindern sollen. Die Mehrheit der uigurischen Bevölkerung ist muslimisch.

Nach der höchsten Schätzung beläuft sich die Gesamtzahl der Insassen in den Lagern auf 3 Millionen, dazu kommen etwa eine halbe Million minderjährige Kinder in speziellen Internatsschulen für "Umerziehungszwecke".

Seit die Existenz der Lager bestätigt wurde, sind verschiedene offizielle Dokumente über den Betrieb der Lager und die Kriterien für die Inhaftierung durchgesickert. Zu den Vergehen, die eine Inhaftierung in den Lagern rechtfertigen, gehören das Tragen traditioneller religiöser Kleidung oder das Feiern islamischer Feiertage.

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