Bischof Bätzing will Kirche "verändern", weil sie "eine so gute" ist

Bischof Georg Bätzing von Limburg bei der Pressekonferenz zum Auftakt der Vollversammlung der Bischöfe in Fulda am 22. September 2020.
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Bischof Georg Bätzing von Limburg bekräftigte am Sonntag, "die Lehre der katholischen Kirche" müsse gerade mit Blick auf Homosexualität und die Rolle von Frauen "verändert werden".

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz: "Ich glaube, in der wirklichen Erkenntnis dessen, was unser Gottes- und Menschenbild ist, gehört etwa die Diskriminierung von homosexuell Lebenden, in Beziehung lebenden Menschen nicht als Verbot hineingeschrieben, sondern als eine Möglichkeit, der wertschätzend begegnet wird."

Er versuche, angesichts der Frage, ob Frauen die Priesterweihe empfangen können, "den Spagat so zu halten", dass er sowohl sage, was Lehre der Kirche ist, gleichzeitig aber wahrnehme, "diese Lehre findet unter den Gläubigen, nicht nur in einem gesellschaftlichen Kontext, unter den Gläubigen, keine Akzeptanz mehr".

"Der sensus fidelium, also der Spürsinn der Gläubigen, geht weiter", sagte Bätzing. "Das ist ein Zeichen, das wir theologisch aufgreifen müssen und das zu Veränderungen führt. Und dafür setze ich mich ein. Also, ich setze mich nicht in den Sessel und sage, das ist jetzt so, sondern dafür gebe ich wirklich einen Großteil meiner Kraft. Und ich glaube, dass es zu Veränderungen kommen wird."

Kirchliche Lehre zu Homosexualität und Frauenweihe

Der Katechismus der Katholischen Kirche hält zur Homosexualität fest: "Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, 'daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind'. Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen."

Im Jahr 2021 bestätigte die Glaubenskongregation, die Kirche könne keine homosexuellen Verbindungen segnen. Als Reaktion darauf fanden in Deutschland an über 100 Orten dennoch "Segnungsfeiern" statt.

Mit Berufung auf die kirchliche Überlieferung erklärte Papst Johannes Paul II. im Jahr 1994 ausdrücklich, "daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben".

Papst Franziskus

Bischof Bätzing sagte gegenüber dem Deutschlandfunk, auch er sei von Papst Franziskus "enttäuscht", "aber im Sinne einer Täuschung".

"Der Papst ist auch in der katholischen Kirche, auch mit allem Recht, was ihm zustünde, nicht der, der die Kirche vom Kopf auf die Füße stellen könnte, was wir uns wünschen", so der DBK-Vorsitzende. "Er tut, was er kann. Er bringt nämlich einen Prozess in Gang, wo all diese Fragen auf den Tisch kommen. Für die Weltsynode 2023 und bei sozusagen Fragen wie 'Dürfen auch die Gruppen da mitmachen, darf auch LGBTQ mitmachen?', sagt er immer: alle."

Übertritt von Speyerer Generalvikar zu Altkatholiken

Der Übertritt des Speyerer Generalvikars Andreas Sturm zu den Altkatholiken am 13. Mai sei "ein großer Schock" gewesen, sagte Bätzing.

"Ich kenne Andreas Sturm gut, auch aus der Zusammenarbeit heraus und weiß, wie kraftvoll er gearbeitet hat an Veränderungen in der Kirche", so der Limburger Bischof weiter. "Sein Wort hat Gewicht, wenn jemand in dieser Position und mit dieser Kraft sagt, ich vertraue nicht darauf, dass es gut weitergehen kann, dann irritiert das sehr viele Menschen."

Die Entscheidung von Sturm gebe indes denjenigen, die Veränderungen in der Kirche kritisch sehen, "Wasser auf die Mühle", erklärte Bätzing. "Ich bekomme Mails, in denen steht: 'Der hat es richtig gemacht. Die Kirche ist nicht zu verändern. Sie soll nicht verändert werden. Und bitte gehen Sie auch. Dann haben wir ein Problem weniger und Sie auch.' Das ist bitter für mich."

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