Bischof Stefan Oster: Verbot öffentlicher Gottesdienste momentan sinnvoll

Bischof Stefan Oster bei der Predigt.
Foto: Anna Hofmeister / Bistum Passau

Bischof Stefan Oster hält das momentane Verbot von öffentlichen Gottesdiensten für sinnvoll. In einem Videobeitrag erinnerte der Passauer Hirte an die vergangenen Krisenzeiten der Kirche und ermutigte die Gläubigen, sich auf den Schatz der Kirche in der Eucharistie zurückzubesinnen.

Er sei in den letzten Tagen mehrfach aufgefordert worden, beginnt Stefan Oster sein Video, dass die Bischöfe das Recht auf Religionsfreiheit gegenüber staatlichen Vorschriften stärker geltend machen sollten. "Ich sage Ihnen ehrlich: Ich möchte auf Experten hören." Er selbst sei kein Experte für die Übertragungswege der Viren, er möchte jedoch daran erinnern, dass das durchschnittliche Alter der Gottesdienstbesuchern meist hoch sei. "Ich möchte keine Leben gefährden", so der Bischof.

Die Kirche bleibe immer eine Gemeinschaft der Glaubenden, "auch wenn es immer wieder Zeiten gegeben habe, in denen es nicht möglich ist Eucharistie zu feiern". Gerade hinsichtlich einer tieferen Wertschätzung der Eucharistie könne die Corona-Krise "auch etwas Gutes" haben.

Oster erinnerte an den Psalm 137, in dem die Israeliten während der babylonischen Gefangenschaft aufgefordert werden, Lieder vom Zion zu singen. Erst da sei den Verschleppten bewusst geworden, was für einen Wert es habe, mit dem Tempel verbunden zu sein. Ähnlich könne es nun auch vielen Katholiken gehen:

"Ich meine jetzt nicht die, für die es wirklich ein Herzensanliegen ist, unseren Gott zu feiern. Ich meine eher das, was wir Sonntag für Sonntag in unserer Kirche durchschnittlich an Gottesdienst und an Gottesdienstbesuch erleben. Da dürfen wir uns schon fragen: Wie wichtig ist uns eigentlich die Feier, in der Gott gegewärtig ist, in der wir vergegenwärtigen, dass Er für uns gestorben und auferstanden ist?"

Bischof Oster zitierte eine Statistik, wonach der durchschnittliche Gottesdienstbesuch in Deutschland bei 10 Prozent liege. Dies werfe die Frage auf: "Haben wir wirklich diese Leidenschaft für die Eucharistie, für die Gegenwart des Herrn?" Die jetzige Krise könne eine Zeit der Besinnung sein, die bewusst mache, "was wir da für einen Schatz geschenkt bekommen haben".

Auch das 16. Kapitel des Johannesevangeliums sei für Oster in der Zeit der Corona-Pandemie prägend. Jesus habe dort deutlich gemacht, dass er gehen müsse, damit der Heilige Geist als Beistand kommen könne. Die Jünger hätten daraufhin versprochen, bei Christus zu bleiben und ihm sogar in den Tod verfolgen. "Sie haben ihn leiblich bei sich", sagt Oster, "doch als es drauf ankommt, kneifen sie, laufen sie davon, alle miteinander. Petrus verleugnet ihn sogar, weil ihn eine einfach Magd fragt. (...) Erbärmlich!"

Doch nach der Auferstehung habe der Heilige Geist den verängstigten Jüngern Mut gemacht:

"Der leibliche Entzug des Herrn befähigt die Jünger zu einer tieferen Innerlichkeit, die sie wiederum befähigt weiter nach außen zu gehen und ein wahrhaftigeres Zeugnis abzugeben. Ich wünsche mir das für unsere Kirche, dass dieser Entzug, diese leibliche Abwesenheit von Gemeinschaft und eucharistischer Erfahrung uns hilft tiefer zu werden und den Schatz zu erkennen, den wir haben."

Am Mittwoch hatten einige Bischöfe, darunter auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, die Verlängerung des Gottesdienst-Verbots kritisiert (CNA Deutsch hat berichtet). Das Erzbistum Köln hat angekündigt an einem Sicherheitskonzept zu arbeiten, um dieses Verbot zu lockern.

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