Englischer Bischof entschuldigt sich bei Opfern von Missbrauch durch Orden

Bischof Marcus Stock von Leeds, England, bei seiner Bischofsweihe, 13. November 2014.
Foto: Mazur/catholicnews.org.uk

Nachdem ein Treffen mit dem verantwortlichen Orden bislang aussteht, hat sich der Bischof von Leeds bei den als Kinder und Jugendliche in einem Knabenseminar missbrauchten Männern "von Herzen" entschuldigt. Dabei zitierte Bischof Marcus Stock die Worte von Papst Franziskus aus seiner Ablehnung des Rücktrittsversuchs von Kardinal Reinhard Marx. 

Bischof Stock traf sich am 25. Juni in Hinsley Hall in Leeds, West Yorkshire, mit der Comboni Survivor Group, berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.

Mitglieder der Gruppe wurden in den 1960er und 70er Jahren am St. Peter Claver College, einem Knabenseminar in Mirfield, in der Diözese Leeds, sexuell missbraucht.

Das Priesterseminar, das 1984 geschlossen wurde, wurde von den Comboni-Missionaren geleitet, die früher örtlich als die "Verona Fathers" bekannt waren.

In einer Erklärung auf der Website der Diözese Leeds hieß es, dass Stock die Entschuldigung aussprach, nachdem er erfolglos versucht hatte, ein Treffen zwischen der Gruppe und der Comboni-Ordensleitung zu arrangieren.

Auch Kardinal Vincent Nichols von Westminster und Erzbischof Charles Scicluna von Malta nahmen an dem Treffen digital teil. Scicluna ist stellvertretender Sekretär der Glaubenskongregation des Vatikans und eine führende Figur im Umgang mit der Missbrauchs- und Vertuschungskrise der Katholischen Kirche.

Marcus Stock ist seit 2014 Bischof von Leeds. Er sagte der Gruppe, er habe sich auf das Treffen vorbereitet, indem er gebetet "und darüber nachgedacht habe, wie ich versuchen kann, die Scham auszudrücken, die ich sowohl für den Missbrauch empfinde, den Sie zu einer Zeit erlitten haben, als Sie so jung und vertrauensvoll waren, als auch die Trauer, die ich über die Art und Weise empfinde, wie Sie innerhalb der Kirche behandelt wurden, seit Sie diesen Missbrauch ans Licht gebracht haben."

Stock betonte auch: Er habe erkannt, dass für manche seine Worte "zu wenig und zu spät" sind. Er fühle sich jedoch aus Scham wie seiner Verantwortung heraus dazu, sie anzubieten.

"Obwohl ich Sie mit dem Titel eines Bischofs anspreche, spreche ich zu Ihnen aus dem Herzen als ein Mann und ein Bruder", sagte er.

Er fuhr fort: "Ich habe einige der traumatischen Berichte über den sexuellen Missbrauch gehört und gelesen, den Sie erlitten haben, als Sie als Jungen von Ihren Familien einer Erziehung und religiösen Ausbildung am St. Peter Claver College in Mirfield anvertraut wurden."

"Die Männer, die Sie als diejenigen identifizieren, die Sie missbraucht haben, gehörten zu den Menschen, denen Sie am meisten hätten vertrauen können sollen. Nach den Berichten, die Sie gegeben haben, wurde nicht nur Ihre Unschuld verletzt. Auch die Saat des Glaubens, die in Ihrer Kindheit gedeihen sollte, wurde in skandalöser Weise geschädigt und in einigen Fällen entsetzlich zerquetscht."

Er fügte hinzu: "Ich weiß, dass Sie sich seit langem vergeblich um ein persönliches Gespräch mit hochrangigen Mitgliedern der Comboni-Missionare bemüht haben; ein Treffen ohne Vorurteile und nicht kontrolliert durch Vorbedingungen, die von der Leitung dieses religiösen Instituts festgelegt wurden."

"Ich bin mir auch bewusst, dass die von Ihnen angestrebte vorbehaltlose Entschuldigung und Anerkennung des Missbrauchs nicht erfolgt ist."

Der 59-jährige Bischof sagte, dass die Einrichtung zwar von den Comboni-Missionaren betrieben werde, aber in seiner Diözese liege.

"Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, mich heute mit Ihnen zu treffen, damit ich mich als Leiter dieser Ortskirche zumindest bei Ihnen von Herzen für den Schmerz und das Trauma entschuldigen kann, das Sie während Ihrer Zeit als Schüler in Mirfield erlebt haben, und für das geistige Leid und die emotionale Not, die Sie bis zum heutigen Tag beeinträchtigen", sagte er.

"Ich möchte mich daher hier und jetzt bei Ihnen persönlich und vorbehaltlos für den sexuellen Missbrauch in Ihrer Kindheit entschuldigen, den Sie erlitten haben, und ich möchte mich auch bei allen Mitgliedern Ihrer Familien und Ihren Freunden entschuldigen, deren Leben von den Auswirkungen dieses Missbrauchs betroffen war."

Bede Mullen, eines der Opfer, sagte der BBC, dass es das erste Mal sei, dass eine hochrangige Figur der Kirche die Erlebnisse der Gruppenmitglieder anerkannt habe.

"Zwei unserer Mitglieder sind noch vor dieser Entschuldigung gestorben. Viele haben gebrochene Lebensläufe, größtenteils aufgrund ihrer Erfahrungen als Kinder", sagte er.

Der Orden zahlte insgesamt 166.000 US-Dollar Entschädigung an die 11 Männer, die das College besucht hatten.

Die BBC berichtete, dass die Comboni-Missionare nach der Entschuldigung des Bischofs eine Erklärung abgaben.

Darin hieß es: "Mit großer Traurigkeit und Bedauern haben wir von den Vorwürfen von Missbrauch im Zusammenhang mit unserem ehemaligen Knabenseminar erfahren, das 1984 geschlossen wurde."

"Wir erkennen den Schaden an, der durch Kindesmissbrauch verursacht wurde und haben uns öffentlich für jeden Missbrauch entschuldigt, den ehemalige Seminaristen erlitten haben."

Der Orden sagte, er habe versucht, mit "Ernsthaftigkeit und Sensibilität auf die vorgebrachten Vorwürfe und Behauptungen" zu reagieren und mit der Unabhängigen Untersuchung von sexuellem Kindesmissbrauch zu kooperieren, die im November 2020 einen großen Bericht über die katholische Kirche in England und Wales veröffentlichte.

Der Orden fügte hinzu, dass er jede Handlung verurteilt, die anderen "Schaden oder Kummer" zufügt.

"Die Gesundheit, die Sicherheit und das Wohlergehen eines jeden Kindes bleibt unsere absolute Priorität, und wir unterwerfen uns den umfassenden nationalen Schutzrichtlinien und -verfahren der katholischen Kirche in Großbritannien, um sicherzustellen, dass dies an erster Stelle steht", hieß es.

In seiner Botschaft an die Gruppe zitierte Stock aus dem Brief von Papst Franziskus, mit dem er den Rücktrittsversuch des deutschen Kardinals Reinhard Marx ablehnte. Darin fordert der Papst nicht nur den deutschen Erzbischof, sondern alle Bischöfe der Kirche auf, in ihrem Amt Verantwortung für die Missbrauchs- und Vertuschungskrise zu übernehmen.

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