"Große Wucht": Essener Generalvikar Pfeffer zu Protestaktion mit "Thesenanschlag"

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Foto: Steve Buissinne / Pixabay (CC0)

Als ein "Zeichen von großer Wucht" hat der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer die Protestaktion eines "Thesenanschlags" der Initiative Maria 2.0 an mehreren deutschen Kirchentüren bezeichnet. "Die Thesen der Frauen von Maria 2.0 machen in ihrer Schärfe unmissverständlich klar, wie sehr sich die Konfliktlage in unserer Kirche inzwischen zugespitzt hat", sagte Pfeffer.

Am Wochenende vor der Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe hatte die Protestaktion des an Martin Luther erinnernden "Thesenanschlags" eine Reihe von Änderungen der Lehre der Kirche gefordert, die lutherische Gemeinschaften in Deutschland längst eingeführt haben. So fordern die Protestierer – neben einer Weihe von Frauen zu katholischen Priestern – unter anderem eine Abschaffung des Zölibats und ein grundsätzlich "buntes" Leben statt einer "lebensfremden" und "diskriminierenden" Sexualmoral. 

(Foto: Bistum Essen)

Das Bistum Essen setze sich "seit einigen Jahren offensiv damit auseinander, wie die Kirche erneuert werden kann", so Pfeffer. Die "Reformbemühungen" im Ruhrbistum griffen die Themen auf, die "Maria 2.0" fordert, betonte die Stellungnahme des Generalvikars.

"Eine immer größer werdende Zahl von katholischen Gläubigen in Deutschland – selbst die treuesten der Treuen – ist nicht mehr bereit, unsere Kirche zu unterstützen, wenn es keine sehr grundsätzlichen Veränderungen gibt, die die Ursachen vieler trauriger Leidensgeschichten beseitigen". 

Der Essener Generalvikar appellierte jedoch dafür, "in dieser schwierigen Phase unserer Kirche auch bei unterschiedlichen Auffassungen respektvoll miteinander umzugehen". 

Tatsächlich hat der heilige Papst Johannes Paul II. aus theologischen Gründen das Priestertum der Frau in seinem Apostolischen Schreiben Ordinatio Sacerdotalis für unmöglich erklärt und dann "endgültig" ausgeschlossen.

"Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenenorts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu.

Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben", so St. Johannes Paul II. im Jahr 1994.

Papst Franziskus hat ebenfals wiederholt ein Priestertum der Frau ausgeschlossen. Im Februar 2020 begründete der Pontifex dies theologisch in "Querida Amazonia", dem Nachsynodalen Schreiben der Amazonas-Synode. 

"Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters. Dieser Dialog zwischen Bräutigam und Braut, der sich in der Anbetung vollzieht und die Gemeinschaft heiligt, sollte nicht auf einseitige Fragestellungen hinsichtlich der Macht in der Kirche verengt werden", betonte der Papst, und erklärt weiter das katholische Verständnis – und christliche Menschenbild – einer Komplementarität der beiden Geschlechter von Mann und Frau.

"Der Herr wollte seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun: das seines göttlichen menschgewordenen Sohnes und das eines weiblichen Geschöpfes, Maria. Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben", so der Papst weiter.

Auf diese Weise bleibe man auch nicht bei einem "funktionalen Ansatz" stehen, sondern trete ein "in die innere Struktur der Kirche", unterstrich der Pontifex in Querida Amazonia

Im Mai 2018 hat der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria SJ, in einem von der offiziellen Zeitung des Vatikan veröffentlichten Artikel bestätigt, dass das "Nein" zur Ordination von Frauen "endgültige Lehre" sei.

In seinem Schreiben mit dem Titel "Die Endgültigkeit der Lehre von Ordinatio sacerdotalis in Bezug auf einige Zweifel" sagte der Kardinal: Was das Amtspriestertum anbelangt, weiß die Kirche, dass die Unmöglichkeit der Frauenweihe zur Substanz des Sakramentes gehört.

"Die Kirche hat nicht die Vollmacht, diese Substanz zu ändern, denn durch die von Christus eingesetzten Sakramente wird sie als Kirche aufgebaut. Es geht hier nicht nur um eine Frage der Disziplin, sondern der Lehre, weil die Struktur der Sakramente betroffen ist, der ursprünglichen Orte der Begegnung mit Christus und der Weitergabe des Glaubens", schrieb der Kardinal im Artikel im Osservatore Romano

Ladaria erinnerte daran, dass "Christus dieses Sakrament den zwölf Aposteln verleihen wollte, die alle Männer waren, und diese haben es ihrerseits anderen Männern übertragen."

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