Gebet und Solidarität: Erzbischof Schick besucht christliche Minderheiten im Irak

Erzbischof Schick vor einem Schild in Karamlesh. Zehntausende Christen sind bereits in die befreite Ninive-Ebene zurückgekehrt.
Foto: (C) Deutsche Bischofskonferenz / Kopp
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Unter starken Sicherheitsvorkehrungen – die Reise wurde vorab nicht einmal bekanntgegeben – ist der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick, in den Irak gereist. 

Der Bamberger Oberhirte hat am 3. April 2018 die irakische Hauptstadt Bagdad besucht und ist anschließend in die kurdische Region im Norden des Landes gereist.

Am späten Samstagabend wird er wieder in Deutschland erwartet.

In Bagdad besuchte Erzbischof Schick die Kathedrale der syrisch-katholischen Kirche, die vor acht Jahren Ziel eines verheerenden Bombenanschlags war. Damals wurden 46 Gläubige in den Tod gerissen.

Heute steht die Kirche hinter hohen Betonwänden und Stacheldrahtzaun. Erzbischof Yusuf Abba von der syrisch-katholischen Kirche erläuterte Erzbischof Schick die Lage:

"Wir denken noch immer an unsere Märtyrer. Sie haben das Blut vergossen, von dem wir heute weiter leben. Als christliche Minderheit dürfen wir – trotz Terror und Angst – das Land nicht verlassen."

Erzbischof Schick habe sich in Bagdad generell ein Bild der Lage gemacht, auch und gerade der christlichen Minderheit: Deren Bildungsangebote, vor allem im Schul- und Kindergartenbereich, und ihre sozialen Aktivitäten seien als "unverzichtbarer Beitrag zum Gemeinwohl des Landes" gewürdigt worden.

Freilich sei die christliche Minderheit stets Gefahren ausgesetzt. Die Sicherheitslage sei bedrückend, so der Erzbischof.

Umso wichtiger sei die Ermutigung, die die Verantwortlichen der verschiedenen Konfessionen ihren Gläubigen mit in den Alltag geben. So sprach der bayerische Würdenträger auch mit dem Patriarchen der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphaël I. Sako, sowie Vertretern der am Wiederaufbau beteiligter Organisationen.

Patriarch Sako würdigte die Unterstützungsarbeit der katholischen Kirche in Deutschland für den Irak. "Ihr gebt uns viel und vergesst uns nicht. Das sind Momente, für die wir zutiefst dankbar sind", so der Patriarch laut der DBK-Mitteilung. 

Erzbischof Schick hob in seinem Gespräch hervor, welch bedeutenden Beitrag die christliche Minderheit zum Aufbau der Zivilgesellschaft im Irak leiste.

"Darin werden wir die Kirchen vor Ort auch künftig tatkräftig unterstützen." 

Begleitet von Leitern der großen katholischen Hilfswerke aus Deutschland, reiste der Bamberger Oberhirte am Abend dann nach Erbil. Nach einem Treffen mit dem deutschen Generalkonsul besuchte Erzbischof Schick das vor knapp anderthalb Jahren von der islamistischen Terrorherrschaft befreite Gebiet der Ninive-Ebene.

Mit seinem Besuch in der Ninive-Ebene war es Erzbischof Schick als erstem hochrangigen christlichen Kirchenvertreter aus Deutschland möglich, sich ein Bild von der Lage in Städten und Dörfern zu machen, in denen der Islamische Staat besonders gewütet hatte, darunter die vor allem von Christen bewohnten Orte Karakosh und Karemlesh. 

Vertreter der lokalen Wiederaufbaukomitees, in denen Verantwortliche der verschiedenen katholischen und orthodoxen Kirchen zusammenarbeiten, berichteten von der geleisteten Arbeit. So sei bereits mehr als 25.000 Christen ermöglicht worden, in ihre Heimatorte zurückzukehren.

In der durch Rauchbomben teilweise ausgebrannten und schwer beschädigten syrisch-katholischen St.-Josefskirche in Karakosh feierte Erzbischof Schick mit dem syrisch-katholischen Ortsbischof, Boutros Moshe, die heilige Messe in aramäischer Sprache, der Sprache Jesu Christi.

Beeindruckt zeigte sich Erzbischof Schick von der Arbeit der Dominikanerinnen in der Stadt:

"Was hier geleistet wird, ist die Arbeit von Heiligen im Alltag. Es ist bewegend zu sehen, wie die Dominikanerinnen sich um Bildungsangebote, Altenbetreuung und die junge Generation kümmern. Würde es sie nicht mehr geben, würde Karakosh ein Teil der Seele fehlen".

Erzbischof Schick weiter: "Ich bin hierhergekommen, um dieser vom IS besonders brutal heimgesuchten Region die Solidarität der katholischen Kirche Deutschlands zu bezeugen. Das ist es, was es hier braucht: Solidarität und Gebet."

Erzbischof Schick würdigte dabei auch die Arbeit der kirchlichen Hilfswerke aus Deutschland. "Hier wird unverzichtbare Aufbauarbeit geleistet. Was jetzt notwendig ist, ist eine gute Koordination. Deshalb bin ich hier, weil ich möchte, dass alle miteinander ins Gespräch kommen – Hilfswerke und Betroffene vor Ort." 

Im Vergleich zu seinem letzten Irak-Besuch vor zwei Jahren sagte Erzbischof Schick:

"Es ist schon beklemmend, durch die Straßen zu gehen, in denen vor wenigen Monaten noch Menschen erschossen und vergewaltigt wurden. Mich beeindruckt die Bevölkerung, die versucht, zu einem gewissen normalen Leben zurückzukehren. Ich spürte aber auch: Die Angst vor neuer Gewalt und weiterem Terror ist noch immer da."

Erzbischof Schick setzt seine Reise heute mit weiteren Besuchen in zerstörten Ortschaften der Ninive-Ebene fort. Am späten Samstagabend reist er nach Deutschland zurück.

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