"Ich bin in ein System des Schweigens hineingewachsen": Bischof Timmerevers

Bischof Heinrich Timmerevers
Foto: Bistum Dresden-Meißen

Bischof Heinrich Timmerevers von Dresden-Meißen hat am Donnerstag zum Thema Missbrauch in der Kirche eingeräumt: "Ich bin in ein System des Schweigens hineingewachsen."

"Das Thema Missbrauch wurde tabuisiert, höchstens subtil angedeutet", sagte der Bischof im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Auch in den Personalkonferenzen wurde nur verklausuliert darüber gesprochen."

Es sei "den Betroffenen beziehungsweise Überlebenden zu verdanken, genau diese Spirale des Schweigens durchbrochen zu haben", so Timmerevers, der von 2001 bis 2016 Weihbischof im Bistum Münster und als Offizial für den Nordteil der Diözese zuständig war.

In der in diesem Monat veröffentlichten Münsteraner Missbrauchsstudie heißt es in einem Fall, problematisch erscheine "ein situatives Verhalten von Weihbischof Heinrich Timmerevers, der von Lettmann gegen Mitte der 2000er Jahre rudimentär über Vorwürfe gegen Pfarrer Franz N. informiert worden war. Timmerevers nahm die Andeutungen zur Kenntnis, stellte eine Nachfrage, die von Lettmann allerdings nicht weiter beantwortet wurde, was Timmerevers hilflos zurückließ. Auf weitere Aufklärung drängte er nicht."

Im KNA-Interview gab der Bischof zu, "dass es ein Fehler war, die Andeutung von Bischof Lettmann nicht mit Vehemenz aus der zweiten Reihe nachzuverfolgen. Ich hätte ihn bedrängen müssen, hier Klarheit zu schaffen. Ich habe Handeln unterlassen. Rückblickend war das falsch."

Man könne in dieser Hinsicht von "Schuld" sprechen, und er bitte um "Entschuldigung".

Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt: "In meiner unmittelbaren Verantwortlichkeit als Offizial gab es nach meiner Kenntnis keine Übergriffe."

Inzwischen habe er gelernt, wie mit Missbrauchsvorwürfen umzugehen sei.

"Wenn ich heute eine solche Andeutung erhalte – von wem auch immer –, setze ich gemäß den geschaffenen Richtlinien sofort unseren Interventionsbeauftragten daran und aktiviere den ständigen Beraterstab", erklärte der Bischof "Damals waren diese Interventionsstrukturen noch nicht selbstverständlich, es war ein System der 'organisierten Unverantwortlichkeit', wie ich es jetzt verstehe."

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