Initiative Pontifex: "Synodaler Weg" weckt Erwartungen, die nicht erfüllt werden können

Christus trägt das Kreuz. Das Gemälde von Tizian entstand um 1565
Foto: Prado / Wikimedia (CC0)
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Das katholische Mediennetzwerk "Pontifex" hat sich mehrfach kritisch zum "Synodalen Weg" geäußert. "Die einen erwarten eine Kehrtwende der Kirche in den von ihnen geforderten Punkten", so der Sprecher von "Pontifex", Benno Schwaderlapp, gegenüber CNA Deutsch, "die anderen befürchten eine Abspaltung von Rom, einen katastrophalen Irrweg."

Gerade deshalb müsse man sich jedoch bei diesem Prozess einbringen, betont der 28-jährige.

Die Mitglieder der Initiative sind junge Katholiken, die es sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt haben, in der Öffentlichkeit Zeugnis für den katholischen Glauben zu geben und dabei auch Außenstehenden Rede und Antwort zu stehen. Sie orientieren sich dabei nach eigener Aussage "an der katholischen Lehre, wie sie durch die Heilige Schrift, die Tradition und den katholischen Weltkatechismus überliefert ist" – und vertrete dabei "nicht die Interessen bestimmter kirchlicher Gruppierungen und will keine Kirchenpolitik machen."

Im Interview mit CNA Deutsch erklärt Schwaderlapp seine Einschätzung des synodalen Prozesses, warum er sich trotzdem beteiligen wird – und die Anliegen und Anregungen des Netzwerks junger Katholiken.

Herr Schwaderlapp, vor Kurzem hat sich Ihr Mediennetzwerk "Pontifex" auf Twitter in eine Debatte um vier Priester eingeschaltet, die umfassende Änderungen fordern. Diese werden als "Reformen" bezeichnet. Ihr Kommentar dazu war: Die Priester sollten "einfach mal die Messe halten". Was glauben Sie: Woran krankt die Kirche in Deutschland heutzutage?

Sie krankt vor allem an einer massiven Glaubens- und Inhaltsleere. Große Teile der Gläubigen haben seit Jahrzenten keine anständige Katechese mehr genossen. Die Frömmigkeit, gerade die Eucharistische, liegt am Boden. Der Rosenkranz gilt als antiquiert und verstaubt, die Anbetung wird verächtlich gemacht. Dazu kommt der aufgeblasene Verwaltungsapparat, der eine Folge der Kirchensteuer ist. Wenn wir tatsächlich nur die Projekte durchführen würden, für die sich auch Gläubige finden, die sich tatsächlich mit Lehre und Auftrag der Kirche identifizieren, wäre schon viel gewonnen. Dazu kommt eine große Illoyalität in den Generalvikariaten und Ordinariaten gegenüber der sakramentalen Gestalt der Kirche und ihrem Heilsanspruch.

In Ihren bisherigen Stellungnahmen haben Sie scharfe Kritik am "Synodalen Weg" geäußert. Dessen Rechtswirkung ist nicht mehr gegeben. Was wird der Prozess, der ja einen Reformanspruch reklamiert, Ihrer Meinung nach nun bringen?

In diesen Weg kann jeder hineininterpretieren, was er möchte. Das ist generell schon mal schlecht. Die einen erwarten eine Kehrtwende der Kirche in den von ihnen geforderten Punkten, die meisten davon häretisch. Die anderen befürchten eine Abspaltung von Rom, ein katastrophaler Irrweg.

Es ist keine Synode und kein Konzil, hat keine Verbindlichkeit, aber weckt Erwartungen, die in unserer Kirche nicht erfüllt werden können. Eigentlich eine Art "Jodelsynode": Nutzlos, aber in der Außenwirkung eine verheerende Hoffnung imitierend.

Dennoch wird von Seiten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und des Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) die Möglichkeit angeboten, sich selbst aktiv beim "synodalen Weg" einzubringen. Haben Sie das denn mal versucht?

Da es dieses Ungetüm nun gibt, ist auch wichtig, sich einzubringen und das seine zu tun, um dem Heiligen Geist die Möglichkeit zu geben, die Herzen der Gläubigen zu erleuchten. Meine Bewerbung beim BDKJ um einen der begehrten Plätze ist eingegangen, ich erwarte in den kommenden Tagen eine verbindliche Zusage. (lacht)

Wenn diese Zusage denn käme: Wie würden Sie den "synodalen Weg" gestalten, damit die von Papst Franziskus geforderte Neuevangelisierung umgesetzt wird?

Mir fallen hierfür einige Punkte ein: Gerade zwischen den Initiationssakramenten, also Taufe, Erstkommunion und Firmung lassen wir unsere Kinder und Jugendlichen allein. Die Katechese vor den Sakramenten ist oft mehr von Leidenschaft, als von echter Frömmigkeit geprägt. Hier brauchen wir eine glaubwürdige, treu zur Kirche stehende Pastoral und Katechese. Dazu kommt die Bildung und Begleitung der Eltern, ihnen kommt in der Evangelisierung eine Schlüsselrolle zu. Und gerade für christliche Eltern wird es in der heutigen Zeit ja nicht leichter, ihren Kindern ein glaubwürdiges Zeugnis ihres Glaubens zu geben.

Was mir besonders wichtig ist: Unsere Priester müssen zurück in die Mitte unserer Gemeinden. Laden Sie Ihren Pfarrer zu sich zum Essen ein, schicken Sie ihm eine Weihnachtskarte, auch und gerade, wenn Sie theologisch nicht auf einer Linie sind. Und beten Sie für Ihren Pfarrer und Bischof.  

Unlängst hat ein Missbrauchsopfer öffentlich kritisiert, dass der "synodale Weg" die Missbrauchskrise instrumentalisiere, während er eigentlich nur Änderungen in bestimmten Punkten der Kirchenlehre anstrebt. Tut die Kirche in Deutschland schon genug für die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals? Ist der "synodale Weg" am Ende nur ein Ablenkungsmanöver?

Ich selbst lebe im Erzbistum Köln und musste dort schon vor Jahren an einer verpflichtenden Schulung zur Prävention sexuellen Missbrauchs teilnehmen. Das war kurz nach dem ersten Bekanntwerden dieser Fälle. In meinem Bistum gibt es eine anonyme und zentrale Anlaufstelle für etwaige Verdachtsfälle. Das Bistum meldet jeden Fall konsequent der Staatsanwaltschaft und stellt die Kleriker frei bis zur Klärung der Vorwürfe. Das sind gute und wirkungsvolle Mittel, wir haben hier gezeigt, dass wir dazugelernt haben, als Kirche im Ganzen. Missbrauch wird sich niemals vollständig verhindern lassen. Aber in Köln haben wir gute Strukturen geschaffen, um es Opfern möglichst leicht zu machen und Tätern möglichst schwer. Dieses Beispiel darf gerne in Deutschland Schule machen.

Selbst Papst Franziskus hat vor einem ein Riss, einer Fragmentierung der Kirche in seinem Brief an dei deutschen Katholiken gewarnt. Wie real ist nach Ihrer Meinung die Gefahr einer vollen Abspaltung? Droht der Kirche in Deutschland ein weiteres Schisma? 

Dafür müsste sich ja ein signifikanter Teil von der Kirche lossagen, unter Führung von Bischöfen. Diese Gefahr sehe ich derzeit nicht. Die Konversion zu unseren evangelischen Brüdern und Schwestern ist da sicher der leichtere Weg.

Sprecher von mehreren Jugendverbänden sowie manche deutschen Bischöfe fordern, dass sich die Kirche in Fragen der Sexualmoral oder der Zulassung von Frauen zur Priesterweihe "öffnet". In einem Interview mit dem Deutschlandfunk haben Sie die Frage gestellt, ob der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Schriften von Johannes Paul II. "nicht kennt oder nicht gelesen hat oder ob er sie einfach ignoriert". Was veranlasst Sie zu diesem scharfen Vorwurf?

Die Frage bezog sich ja auf die Aussage des Kardinals, die Kirche habe bei der Sexualmoral neuere wissenschaftliche Erkenntnisse nicht rezipiert. Normalerweise vermeide ich Kritik dieser Art an Bischöfen in der Öffentlichkeit. Hier bedurfte es allerdings für die Hörer des Deutschlandfunks einer Korrektur, damit dieser offensichtlich unwahre Eindruck, die Sexualmoral sei inhuman oder ähnliches, nicht unwidersprochen bleibt.

Sie selbst sind nun 28 Jahre alt und seit eineinhalb Jahren verheiratet, haben einen Teil dieses "katholischen Weges" schon hinter sich. Wie erging es Ihnen: Verlangt die Kirche nicht zu viel?

Gott verlangt von jedem so viel, wie Er oder Sie ertragen kann. Keine Frage, dieser Weg ist schwierig und wird durch das gesellschaftliche Vorbild noch schwerer. Mein Leben verlief in dieser Hinsicht auch nicht ohne Brüche! Aber ich bin froh, dass mir dieser Weg eröffnet wurde. Dafür bedarf es aber einer Partnerin, die bereit ist, aus Überzeugung gemeinsam keusch zu sein. Und dann ist die Hochzeit wirklich ein Meilenstein auf dem Beziehungsweg und nicht nur ein Verwaltungsakt und Segen.

Ihr Mediennetzwerk "Pontifex" hat aktuell 25 feste Mitglieder, also nur ein Bruchteil dessen, was kirchensteuerfinanzierte Jugendverbände wie der BDKJ an Mitgliederzahlen vorweisen können. Ist die Treue zum Lehramt, die Sie vermitteln möchten, in der heutigen Gesellschaft überhaupt noch mehrheitsfähig?

Mehrheit ist nicht die Sprache Christi, ähnlich wie Erfolg. Jede Seele ist unendlich kostbar und jede Nachricht von jungen Menschen in unserem Postfach, die sich durch unsere Arbeit angesprochen, bestärkt oder ermutigt fühlen, ist es wert die Wahrheit zu verkünden.

Was raten Sie jenen, die auf diesem Weg in Schwierigkeiten kommen?

Sucht euch eine Gemeinschaft, sei es eine geistliche oder eine Pfarrei. Sucht euch einen geistlichen Begleiter. Vernetzt euch. Sprecht euch Mut zu. Betet füreinander. Betet gemeinsam. Empfangt die Sakramente, so oft es geht. Sucht die Nähe zu Christus in der Anbetung. Und hört auf den heiligen Johannes Paul den Großen: Habt keine Angst.

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