Kardinal Bo von Burma sagt, im Land dürfe kein "unschuldiges Blut" vergossen werden

Kardinal Charles Maung Bo
Foto: Erzbistum Yangon

In seiner Predigt am tödlichsten Tag der Proteste seit dem Militärputsch in Burma (auch bekannt als Myanmar) sagte Kardinal Charles Maung Bo am Sonntag, im Land dürfe kein "unschuldiges Blut" vergossen werden.

In einer Predigt am 28. Februar beklagte der Erzbischof von Yangon laut Bericht der Catholic News Agency (CNA), dass die Straßen Burmas seit dem Putsch am 1. Februar "so viel Schmerz, Leid und Widerstand" gesehen hätten.

"Langsam schien der Hass die friedlichen Märsche zu unterwandern. Wir beten, dass keine Gewalt ausbricht. Unschuldiges Blut möge nicht in diesem Land vergossen werden", sagte der Kardinal.

"Wir sind alle Söhne und Töchter des gleichen Landes, der gleichen Mutter Burma und wir müssen uns in Geduld und Toleranz üben."



Bo sprach an dem Tag, an dem Zusammenstöße zwischen Priestern und Demonstranten nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros mindestens 18 Tote und mehr als 30 Verletzte gefordert haben.

Die UN erklärte, die Todesfälle seien auf scharfe Munition zurückzuführen, die in die Menschenmengen in Yangon, Dawei, Mandalay, Myeik, Bago und Pokokku geschossen wurde.

Bo ist der erste Kardinal in der Geschichte Burmas, einem Land mit einer Bevölkerung von 54 Millionen Menschen, das an China, Laos, Thailand, Bangladesch und Indien grenzt.

Seit seiner Ernennung zum Erzbischof von Yangon, der ehemaligen Hauptstadt, im Jahr 2003 hat er sich zu einem führenden Verfechter der Demokratie im Land entwickelt.

In seiner Predigt am zweiten Fastensonntag rief er zur Transformation seines Heimatlandes auf und konzentrierte sich dabei auf die Evangeliumslesung des Tages, die die Geschichte der Verklärung Jesu erzählt.

Er sagte: "Als Christen ist es unsere erste Pflicht, Frieden zu bringen. Hass hat in Christus keinen Platz. Mit Hass ist nichts zu gewinnen. Während des letzten Monats haben wir jeden angefleht: Frieden ist der einzige Weg; Frieden ist möglich."

"Papst Franziskus hat dazu aufgerufen, alle Differenzen durch Dialog zu lösen. Diejenigen, die zur Konfrontation aufrufen, wollen nicht das Gute für diese Nation."

Er fuhr fort: "Soziale Medien, besonders Facebook, sind eine virtuelle Hölle, in der der Hass regiert; gute Menschen werden in dieser virtuellen Hölle gewalttätig und zerstören andere. Die Menschlichkeit wird auf Facebook entstellt."

"An diesem Tag, an dem wir die Verklärung betrachten, müssen wir extrem vorsichtig sein, was die virtuelle Realität und unsere geistige Gesundheit angeht. Verklärung war eine virtuelle Realität. Sie hatte einen tiefen Einfluss auf die Jünger, die daran teilnahmen. Sie kehrten zurück, um die Gute Nachricht zu verkünden."

"An diesem Tag beten wir auch für die Verklärung dieser Nation. In den letzten 70 Jahren [seit der Unabhängigkeit Burmas von Großbritannien im Jahre 1948] suchen wir nach der Gnade der Verklärung dieser Nation. Wie Jesus können die Führer höchste Opfer bringen, wie Moses können unsere Führer diese Nation zu Frieden und Wohlstand führen."

"Wie Elias kann unsere Nation ein neues Reich der Hoffnung verkünden, das von großen Männern des Friedens und der Weisheit regiert wird. Das bleibt ein Traum, aber wie die Jünger sollen wir nicht nur von der Großartigkeit des Traums ergriffen werden, sondern wir müssen zu einem harten Leben zurückkehren, um Hoffnung und Frieden zu schaffen. Es soll in jedem einzelnen unserer Herzen beginnen."

Bo, der auch Vorsitzender der Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen ist, bezeichnete den Putsch als in einer freimütigen Erklärung als "schockierend". Die Erklärung wurde veröffentlicht, nachdem das Militär Aung San Suu Kyi, die gewählte zivile Anführerin des Landes, und den Präsidenten Win Myint inhaftiert hatte.



Die UN berichtet, dass im vergangenen Monat mehr als 1000 Menschen willkürlich festgenommen und inhaftiert wurden, wobei einige unauffindbar bleiben.

Es wird berichtet, dass katholische Ordensschwestern an den Protesten im ganzen Land teilgenommen haben.

Die vatikanische Zeitung veröffentlichte am 1. März einen Artikel, in dem die Aktionen einer Schwester gelobt wurden, die in Myitkyina, der Hauptstadt des Kachin-Staates im Norden von Burma, fotografiert wurde, wie sie vor einer Reihe von vorrückenden Polizisten kniete.

L'Osservatore Romano berichtet, dass Schwester Ann Nu Thawng, ein Mitglied der Schwestern des hl. Franz Xaver, am 28. Februar auf die Straße lief, als die Polizei Tränengas auf die Demonstranten abfeuerte.

"Auf ihren Knien hob sie ihre Hände zu Gott und flehte: 'Schießen Sie nicht, töten Sie keine Unschuldigen. Wenn ihr wollt, schlagt mich", berichtete die Zeitung und fügte hinzu, dass die Polizei ihren Vormarsch stoppte.

Zum Abschluss seiner Predigt am Sonntag sagte Bo: "Lasst unser gegenwärtiges Leiden ein Zeichen dafür sein, dass diese Nation sich in der Phase einer neuen Geburt befindet. Lasst uns alle in eine Mentalität der Versöhnung und des Dialogs eintreten. Eine neue Nation ist möglich, lasst sie durch die Liebe geboren werden."

"Lasst uns, wie die Jünger, von unseren eigenen Bergen der virtuellen Realität heruntersteigen und einander als Brüder und Schwestern begegnen."

"Mögen Kriege und Konflikte Geschichte werden. Möge diese Nation verklärt werden. Möge eine neue Nation geboren werden!"

Das könnte Sie auch interessieren: 

;